Schönebeck l Der analytische Torsten Brinkmann, der sonst am Spielfeldrand eher wenige Emotionen zeigt und in der Regel durch kurze und knackige Kommandos auffällt, fiel für einen Moment aus der Rolle. Wie ein Skispringer beim Telemark hatte der Trainer von Union Schönebeck aus der Verbandsliga im Heimspiel am Ostermontag gegen Blau-Weiß Zorbau sein rechtes Knie ausgestellt, die Faust geballt. Pure Erleichterung brachte Brinkmann zum Ausdruck, als Mathias Braunert in der 78. Minute das 2:2 erzielt hatte. Aus kurzer Distanz nach einem Freistoß von Mathias Rhode.

Brinkmanns „Ausfall“ sagte aber auch: Union hatte sich endlich belohnt. Denn es blieb beim 2:2. Nach drei Niederlagen in Folge fuhr Schönebeck wieder Zählbares ein. Der Punkt gegen den Aufstiegsanwärter Zorbau fühlte sich wie ein Sieg an. Und war gerechtfertigt. „Der Punkt war verdient“, sagte auch Brinkmann nach der Partie. „Zorbau hatte vier bis fünf klare Chancen, aber unsere Standards heute waren gefährlicher als in der ganzen Saison.“ Denn nicht nur das 2:2, auch das 1:1 folgte einem Freistoß. Nach einer butterweichen Flanke von Nils Kauffmann wuchtete Christoph Irmscher den Ball per Kopf aus fünf Metern in die Maschen (56.). Der Mann, der am 5. November 2016 das letzte Mal getroffen hatte. Damals für die zweite Mannschaft in der Landesklasse. Ausgerechnet Irmscher.

Denn der 30-Jährige, der sonst im Mittelfeld zuhause ist, musste diesmal in der Fünferkette als Innenverteidiger ran. Als einziger „Neuer“ im Vergleich zum Spiel am Donnerstag beim BSV Ammendorf. „Er kam vor dem Spiel zu mir und wollte ein paar Dinge wissen, wo er stehen muss und wie er sich bewegen soll“, meinte Brinkmann. Dafür rückte Nils Kauffmann wieder ins defensive Mittelfeld. „Da hat er viel Sicherheit ausgestrahlt“, so Brinkmann.

Freilich zeigten die Zorbauer aber auch, dass sie zurecht zu den Topteams gehören. Nach einer Ecke von Christopher Luther rutschte Alexander Palme mit der Fußspitze wenige Zentimeter am Ball vorbei (4.). Kurz danach machte es Patrick Baudisch besser, als er eine Unachtsamkeit in der Union-Abwehr nutzte und mit rechts aus zehn Metern frei schießen durfte (10.).

Doch Union zeigte Moral. Die größte Chance zum Ausgleich hatte Marios Zelekou, der nach einer flachen Hereingabe von Philipp Neugebauer sofort abzog. Zorbaus Torwart Dennis Dickmann klärte aber (29.). Nach einer Rhode-Ecke waren die ersten Union-Sympathisanten schon aufgesprungen, als Kauffmann den Ball aus kurzer Distanz auf den Kasten köpfte. Der Ball lag aber neben dem und nicht im Tor (32.). Der Offensivdrang war aber bemerkenswert. „Nachdem in Ammendorf die Offensive etwas gelitten hatte, wollte ich, dass die Mannschaft mutiger wird, dass sie das Kurzpassspiel mehr pflegt und höher anläuft“, erklärte Brinkmann. Die Mannschaft hörte es und setzte Worte in Taten um. Union ging mehr Risiko und wurde belohnt.

Videoanalyse direkt vor dem Spiel

Aber eben nicht nur aus dem Spiel heraus. So wurden die Ecken von Rhode von rechts und Kauffmann von links bewusst zum Tor hingeschlagen und nicht in den Rückraum, auch „weil ich wusste, dass Zorbaus Torwart sehr klein ist“, wie Brinkmann sagte. Was zwangsläufig belohnt wurde. Zwar kam Zorbau nach einem Stellungsfehler der Schönebecker nach einem Konter zum 2:1 durch Arno Dwars (60.) und hatte auch danach noch klare Gelegenheiten durch Palme (73.) und Max Göhring (76.). Das Tor schoss aber Union. Weil die Grün-Roten gut eingestellt waren. Ein Training gab es zwischen den Spielen am Donnerstag und Ostermontag nicht, dafür trafen sich die Schönebecker gestern schon 2,5 Stunden vor dem Spiel. Sonst sind es 1,5 Stunden. Per Videoanalyse wurden viele vorbereitende Details durchgesprochen.

So konnten die Schönebecker wie schon beim 2:2 im Hinspiel dem Topteam einen Punkt abknöpfen und sorgten damit auch dafür, dass der BSV Ammendorf neuer Tabellenführer ist. „Das war ein hartes Programm“, sagte Brinkmann nach den Spielen gegen zwei der besten Mannschaften der Liga. „Ich fand, dass die Abwehr am Donnerstag noch ein bisschen disziplinierter stand. Zorbau hat sich aber auch gut bewegt.“ Die Fünferkette machte erneut einen stabilen Eindruck und ist auch in Zukunft weiter eine Option. „Ich mag es, wenn wir variieren können“, freute sich Brinkmann. „Ich bin zufrieden.“ Das zeigte schon die Jubelfaust mitten im Spiel. Die Worte nach dem Remis unterstrichen die Freude.

Union: Pingel – Schäfer, Irmscher (78. Dehnecke), Braunert, Balder, Neugebauer, Zelekou, Kauffmann, Rhode, Garmann (68. Glage), Dethlefsen (68. Lorenz)

Tore: 0:1 Patrick Baudisch (12.), 1:1 Christoph Irmscher (56.), 1:2 Arno Dwars (60.), 2:2 Mathias Braunert (78.)

ZS: 54; SR: Christian Petzka (Hallescher FC)