Staßfurt/Neugattersleben l Sie hatten ihn bekniet, ihn angefleht und Kay Resch konnte nicht nein sagen. Weil er ein Herz hat, das kräftig für den VfB 21 Neugattersleben schlägt. Im Sommer hatte der Verein aus der Salzlandliga einen neuen Trainer gesucht. Resch, der vorher den 1. FSV Nienburg aus der Landesklasse III gecoacht hatte, war da eine naheliegende Option. Denn: „Ich bin in dem Verein groß geworden.“ Sicher würde er keine Findungsstörungen haben. Das war klar.

Und doch brauchte es Überzeugungskraft, weil er nach dem Engagement in Nienburg eigentlich „komplett aufhören wollte“. Dass er nun doch seit dem Sommer Trainer in Neugattersleben ist, sagt viel aus über ihn und über den Verein. Schon bis zum Sommer 2015 war der heute 49-Jährige für die Geschicke des Vereins aus dem 890-Seelen-Dorf zuständig. Beim jetzigen Engagement läuft es aber besser denn je. Mit dem 4:1 (1:1) am Sonntag auswärts beim SV 09 Staßfurt II festigte der kleine Verein seine Tabellenführung.

Was ist los in Neugattersleben? Schickt sich da ein Dorfverein an, in die Landesklasse zu marschieren? Der VfB ist die Mannschaft der Stunde, das ist klar. Resch aber betreibt Understatement. „Finanziell und sportlich ist das möglich“, sagt er. „Aber wir lassen das Träumen mal lieber weg. Da hat sich noch keiner drüber unterhalten. Bis zum April müssen wir dem Verband Bescheid geben, ob wir das machen wollen.“ Und bis dahin ist Ruhe. „Denn das ist jetzt eine Momentaufnahme.“ Die der VfB genießen kann. Aber ob das bis zum Saisonende so bleibt? Abwarten.

Sieben Siege in Folge

Resch ist aber auch nicht aus allen Wolken gefallen, als die Euphorie immer größer wurde und das Team von Sieg zu Sieg eilte. Sieben Erfolge hintereinander hat der VfB zuletzt gefeiert. „Ich kenne die Jungs. Für mich war das nicht wirklich überraschend“, so Resch. Der positive Lauf hat mehrere Erfolgsfaktoren. Die Mannschaft setzt das System mit viel Ballbesitz gut in die Realität um. Die Trainingsbeteiligung ist fast herausragend. „Wir sind fast nie unter zwölf. Die Spieler haben richtig Disziplin, melden sich auch ab, wenn sie nicht können. Ich habe höchsten Respekt vor den Jungs“, sagte Resch. Und da stellt sich dann auch ein Abwehrspieler wie Candy Ledel ins Tor, wenn sich der Stammkeeper Philipp Schulze verletzt. Neun Spiele lang stand Ledel im Kasten. Seit dem Sonntag ist Schulze wieder Schlussmann. Man hilft eben einander in der Not.

Gerade bei so einem kleinen Verein wie dem VfB Neugattersleben braucht es aber viele fleißige Hände, die aus Spaß an der Freude mit anpacken. „Das geht beim Platzwart los“, erzählt Resch. „Und gerade der Präsident Eckhard Linse-Wall macht sehr viel. Er ist ein Glücksfall für den Verein.“

Und so kommt es, dass der VfB die beste Saison in der Salzlandliga seit dem Wiederaufstieg 2013 spielt. Zumindest bisher. „Wir nehmen das von Spiel zu Spiel.“ Und wenn im April eine Entscheidung anstehen sollte, dann ist alles mit der Mannschaft besprochen. Demokratie und das Wort auf Augenhöhe werden in Neugattersleben groß geschrieben. Spielerisch muss sowieso noch viel getan werden, damit es beim Platz an der Sonne bleibt.

Am Sonntag aber lieferte der VfB in Staßfurt wieder ein klasse Spiel ab. „Das geht vom Ergebnis her in Ordnung.“ Resch war froh über den Auswärtssieg, der aber wegen des Wetters schwer erkämpft war. „Ich hätte das Spiel nicht angepfiffen. Die Seitenlinien und Torauslinien und auch den Strafraum konnte man kaum erkennen. Zum Glück gab es keine kniffligen Entscheidungen. Beide Mannschaften waren auch fair“, meinte Resch. Der komplett eingeschneite Platz wurde den Gästen so nicht zum Verhängnis. Und der VfB Neugattersleben darf weiter träumen. Auch wenn das jetzt noch keiner zugeben will.