Schönebeck l Torsten Brinkmann hatte schon so ein Bauchgefühl, das nichts Positives prophezeihte. Es grummelte um die Magengegend herum, als der 38-Jährige am Montag eine Nachricht bekam, dass er für den Dienstagnachmittag zu einem Gespräch mit den Verantwortlichen der Fußball-Abteilung von Union 1861 Schönebeck gebeten wurde.

Auf der einen Seite saß Brinkmann. Bis dahin Trainer des Verbandsligisten. Auf der anderen Seite Sebastian Pape (Seniorenkoordinator), Michael Steffen (sportlicher Leiter) und Dorian Reichelt (Abteilungsleiter). Es war ein grundsätzliches Gespräch mit unschönem Ausgang. Seit Dienstagabend ist Torsten Brinkmann nicht mehr Trainer der Elbestädter. Der Verein musste den Coach vor die Tür setzen, weil das Fass aus Union-Sicht seit Montag übergelaufen ist. Mit sofortiger Wirkung wurde Brinkmann von seinen Aufgaben entbunden.

Zu viele Interna ausgeplaudert

Warum? Nach der 0:4-Niederlage am Sonnabend gegen den BSV Ammendorf hatte Brinkmann, bezogen auf die Trainingssituation, gesagt: „Da sind wir oft nicht mehr als acht Mann. Das geht schon die ganze Rückrunde so. Wir kriegen einfach keine Spannung herein. Da sind mir auch als Trainer die Hände gebunden.“ Den privaten Aussetzer von Aaron Schäfer am Herrentag – der Verteidiger soll ein Schriftstück unterschrieben haben, zum 30. Juni zu Wacker Felgeleben zu wechseln - hatte der Coach zudem als „Katastrophe“ und „Totalausfall“ bezeichnet. Das war für Union nicht mehr hinnehmbar.

„Das ist vereinsschädigend und für uns vollkommen kontraproduktiv“, erklärt Abteilungsleiter Dorian Reichelt. „Das wirft ein absolut negatives Licht auf den Verein.“ Der Vorwurf des Vereins: Torsten Brinkmann hat Interna in die Welt getragen, die der Verein lieber intern belassen hätte. Und das nicht zum ersten Mal. „Das war das dritte Mal“, so Reichelt. Kritik an Spielern, so Union, gehöre nicht in die Öffentlichkeit. „Das muss innerhalb der Mannschaft geklärt werden.“ Auch die geringe Trainingsbeteiligung hätte Brinkmann nicht thematisieren dürfen, weil es zu viel Unruhe im und um den Verein stiftet.

Wobei Brinkmann das anders sieht. „Als Trainer bin ich in der Pflicht, zu erklären, warum es schlecht läuft“, so der Ex-Coach. Schließlich war die Pleite gegen Ammendorf bereits die fünfte am Stück. „Die Fans sind nicht blind. Die sehen und wollen wissen, was da läuft. Das, was ich gesagt habe, sind allgemeine Dinge und Tatsachen.“ Verstehen kann er die Trennung nicht. „Ich bin schon enttäuscht. Ich kann das nicht nachvollziehen.“

Beide Seiten betonen aber, dass das Gespräch am Dienstag fair und offen verlaufen ist. Und beide Seiten betonen, dass es keine sportlichen Gründe gab. „Meine Arbeit wurde sehr geschätzt“, so Brinkmann. „Mir wurde gesagt, dass ich keine Schuld an der sportlichen Situation trage.“ So sieht das auch Reichelt. „Wir schätzen ihn als Menschen. Torsten hat die Mannschaft weiterentwickelt und technisch und taktisch auf ein sehr gutes Niveau gebracht. Wir hatten langfristig mit ihm geplant und waren absolut zufrieden. Es war eine Entscheidung, die wir schweren Herzens getroffen haben. Da wurde den ganzen Montag drüber debattiert und es gab auch eine schlaflose Nacht.“

Was den Verein so sehr stört: Der zweite Teil des Volksstimme-Artikels „Unions großer Kampf bleibt unbelohnt“ vom Montag gebe die Stimmung im Verein nicht wider. Weil Union so auch eine schlechte Verhandlungsbasis für kommende Vertragsgespräche mit Spielern hätte. Obwohl der Teamgeist, so hat es auch Brinkmann ja immer wieder betont, hervorragend sei. Trotz der wenigen Spieler. „Aber da muss man als Mannschaft zusammenrücken“, so Reichelt.

Michael Böhm übernimmt

Wie es jetzt weiter geht? Interimsweise wird Michael Böhm für die letzten beiden Saisonspiele übernehmen. „Er stand sofort parat, als wir ihn gefragt haben.“ In gewisser Weise ist der erfahrene Leiter des Nachwuchszentrums und Trainer der A-Jugend für die beiden Partien ein Glücksgriff. Alles weitere über die Saison hinaus ist offen. „Wir stehen bei Null“, sagt Reichelt. Der Verein muss jetzt erst einmal anfangen, den Markt zu sondieren, um einen ähnlichen Fachmann wie Torsten Brinkmann zu bekommen. Das kann ein paar Wochen dauern.

Brinkmann hingegen will noch ein letztes Mal die Nähe der Mannschaft aufsuchen. „Es gibt noch ein bis zwei Dinge, die ich zur Mannschaft sagen will. Das werden wir an einem neutralen Ort machen.“ Ihm sei es wichtig, dass in und auch außerhalb Schönebecks erkannt wird, dass er sich sportlich bei Union nichts vorzuwerfen hatte. „Da muss ich mich auch als Person schützen“, wie er sagt. Denn gerne würde der 38-Jährige auch in Zukunft in der Region als Trainer arbeiten. Dazu braucht es einen guten Ruf. Den Brinkmann trotz der Freistellung bei Union hat. Da sind sich beide Seiten einig.