Schönebeck l Philipp Glage war überpünktlich. Der Stürmer vom Fußball-Verbandsligisten Union 1861 Schönebeck konnte es gar nicht erwarten, nach der Halbzeitpause wieder auf das Spielfeld zu stürmen. Weit vor seinen Teamkollegen stand er sich schon auf dem Rasen in der Magdeburger Straße in Schönebeck die Beine in den Bauch und wartete. Ganze drei Minuten lang.

Zwar verloren die Schönebecker ihr Heimspiel gegen die SG Rot-Weiß Thalheim mit 1:4 (0:1) und bleiben mit der dritten Liga-Niederlage im dritten Spiel das Schlusslicht der Verbandsliga. Am fehlenden Willen lag das aber nicht. „Die Stimmung passt. Die Jungs ziehen gut mit, wir brennen alle für die Sache“, erklärte Co-Trainer Andreas Rauchensteiner.

Und doch kassieren die Grün-Roten eine Niederlage nach der anderen. Woran liegt es? Sicherlich auch an nicht so einfachen Gegnern. „Wir wussten, dass es ein schwerer Auftakt ist“, so Rauchensteiner. Und mit jeder Niederlage sinkt das Selbstvertrauen, was zu spielerischen Unwuchten führt. So fehlten den Schönebeckern gegen Thalheim über weite Strecken elementare Dinge für den Erfolg. „Wir sind viel hinterhergerannt. Nach vorne haben wir uns gar nichts erarbeitet“, bemängelte Coach Andreas Sommermeyer. Weil der Mut fehlte und das Selbstverständnis. Weil die Bissigkeit in den Zweikämpfen fehlte. Weil die Zielgenauigkeit in den Pässen fehlte. Immerhin stand Union in der ersten Halbzeit in der Defensive weitestgehend sicher. Bis auf eine Ausnahme. Nach einem „dummen Stellungsfehler auf außen“, wie Sommermeyer es bezeichnete, kam Thalheim durch Alexander Koch früh zum 1:0 (13.).

Zweite Hälfte

Nach der Halbzeit hatte sich Schönebeck gestrafft. „Wir wollten besser rauskommen und mit mehr Ballbesitz spielen“, so Sommermeyer. Das gelang ansatzweise. Union hatte mehr vom Spiel, drängte in Richtung Gäste-Tor. Doch Thalheims Erik Bader wollte unbedingt seine Bewerbung für das Tor des Monats abgeben und machte den Schönebecker Bemühungen einen Strich durch die Rechnung. Nach einem Zweikampf mit Aaron Schäfer setzte Bader aus 65 Metern einen Befreiungsschlag an. Der Ball senkte sich hinter dem schuldlosen Stephan Pingel im Union-Tor ins Netz. „Das war ein kleiner Genickbruch. Danach gingen die Köpfe wieder herunter“, sagte Sommermeyer. Zwei Zeigerumdrehungen später hatte Robert Berger auf 3:0 für Thalheim erhöht. Da war die Luft im Spiel raus.

Dass Johannes Schliemann nach der Flanke des eingewechselten Abas Bojang zum 1:3 (62.) kam, geschenkt. Dass Tom Unholzer kurz vor dem Ende noch auf 4:1 für die Gäste erhöhte (89.), auch geschenkt. Es blieb Ernüchterung und Frust bei den Grün-Roten zurück. „Unsere Problemzone sind die Flügel. Der Ball ist beim Spiel nach vorne zu schnell wieder weg“, so Sommermeyer. Und die Fehler der sehr jungen Schönebecker Mannschaft werden eiskalt bestraft.

Bevor aber an spielerischen Komponenten weiter gearbeitet werden kann, muss das Trainer-Duo Aufbauarbeit leisten. Was schwer genug wird. „Wir haben da etwas in der Trickkiste“, so Rauchensteiner. Der Inhalt bleibt geheim. Was auf alle Fälle gilt: „Wir müssen ruhig bleiben.“ Alarmstufe Rot herrscht noch nicht. Aber die Verunsicherung ist schon greifbar.

Schönebeck: Pingel – Dehnecke, Glage, Rhode, Fichte, Richter, Irmscher, Michaelis, Bubke, Schäfer (55. Bojang), Schliemann (67. Keita)

Tore: 0:1 Alexander Koch (13.), 0:2 Erik Bader (53.), 0:3 Robert Berger (55.), 1:3 Johannes Schliemann (62.), 1:4 Tom Unholzer (89.); SR: Amin Hamidi (Lok Stendal); ZS: 64