Schönebeck l Der Tod von Maradona sorgte vor allem in seinem Heimatland Argentinien für tiefe Trauer. Unzählige Menschen pilgerten auf die Straße zu den Orten, an denen der „Volksheld“ tätig war. Nach dem ersten Tor der argentinischen Mannschaft Boca Juniors nach dem Tod legten die Spieler ein Diego-Trikot vor Maradonas Loge ab. Zudem brannte am Abend im Stadion nur eine Lampe, die in der Loge des Fußballhelden. Auch in Neapel trauerten tausende Anhänger vor einem meterhohen und inzwischen weltberühmten Wandgemälde. In Italien wurde der Argentinier zum Helden, sorgte beim SSC Neapel für zuvor nie dagewesene Erfolge. Der „Calcio Napoli“ gewann unter Maradona sogar das Double, bestehend aus dem Meister- und dem Pokaltitel. „Erst kommt Covid, und jetzt stirbt auch noch Maradona“, sagte ein in Tränen aufgelöster Fan in die TV-Kameras in den Straßen Neapels.

Nach dem Tod des 60-Jährigen war immer wieder die Rede davon, dass Maradona einer „der besten Fußballspieler der Geschichte“ sei. Zweifelsohne beeindruckte Maradona mit zahlreichen Dribblings, war zudem vor dem Tor kaum zu bremsen. Abseits des Platzes sah das bereits während seiner aktiven Karriere anders aus. Zahlreiche Alkohol- und Drogen-Eskapaden sorgten für negative Schlagzeilen, der Glanz des argentinischen Fußballers verflog immer wieder.

Diego Maradona zu Gast in Magdeburg

Seine Stärken am Ball sind bis heute unumstritten. Michael Steffen, heute sportlicher Leiter bei Union Schönebeck, kam als Jugendspieler in den Genuss, den argentinischen Ballzauberer live zu erleben. Im Europapokal der Pokalsieger traf der 1. FC Magdeburg in der Spielzeit 1983/1984 auf das Starensemble des FC Barcelona. „Ich kickte zu dieser Zeit in der Jugend des 1. FCM. Natürlich haben wir uns das Spektakel nicht entgehen lassen“, so Steffen. Genaue Erinnerungen hat der sportliche Leiter an diesen Tag allerdings nicht mehr. Aber ist Maradona wirklich der Beste? Wir haben uns bei den Fußballern und Trainern im Salzlandkreis umgehört. Überzeugt von dieser These ist Marcel Würlich, Trainer der TSG Calbe. Für ihn ist zweifelsohne Maradona der Beste, den die Fußballwelt je gesehen hat.

Bei Mathias Rhode sieht das Ganze schon etwas anders aus, denn ein Vergleich ist nur schwer möglich. Der Kapitän der Landesliga-Fußballer von Union Schönebeck hat in ganz jungen Jahren die Blütezeit des Diego Maradona nur sporadisch verfolgen können. „Das war nicht ganz meine Zeit, dennoch habe ich einige Spiele schon gesehen“, erzählt der 35-Jährige. Doch so recht identifizieren konnte sich Rhode nie mit dem argentinischen Ausnahmefußballer. „Mein Vorbild war immer Roberto Baggio“, erzählt er. Die Blütezeit des italienischen Fußballspielers waren die 1990er Jahre. Als damals teuerster Transfer der Welt - Baggio wechselte für 15 Milliarden Lire (15,2 Mio. DM) vom AC Florenz zu Juventus Turin - spielte er den wohl besten Fußball seiner Karriere und wurde 1993 Weltfußballer des Jahres.

War Maradona dennoch der Beste, den die Fußballwelt je gesehen hatte? „Das ist sehr schwer zu sagen. Der Fußball in den 80ern und 90ern war definitiv ein anderer, als er heute gespielt wird. Ich denke dennoch, dass er der Beste zu der Zeit war“, meint Rhode. In der heutigen Zeit wäre es wohl nicht mehr der Fall: „Maradona ist vergleichbar mit Lionel Messi und Cristiano Ronaldo, wobei ich finde, dass Cristiano Ronaldo der Beste ist, denn keiner lebt den Sport so professionell wie er.“

Vor allem mit diesem Faktor hatte Maradona schwer zu kämpfen. Bereits 1991, als der Argentinier beim SSC Neapel aktiv war, wurden bei einer Dopingkontrolle Rückstände von Kokain nachgewiesen. Zudem kämpfte der Mittelfeldmann auch immer wieder mit Übergewicht. „Er musste seinem Lebenswandel Tribut zollen“, sagt Mario Katte, der Maradona zu den drei besten Kickern der Welt zählt. Im Jahr 2000 erlitt Maradona einen schweren Herzinfarkt. Eine Entziehungskur scheiterte und Maradona sagte: „Ich war, bin und werde immer drogenabhängig sein.“

Das Leben außerhalb des Platzes geriet somit immer wieder in Schieflage, doch auf dem Platz begeisterte der wendige und vor allem dribbelstarke Argentinier seine Anhänger. So wurde Maradona nicht nur in seinem Heimatland ein Idol, sondern auch in Italien und Spanien sowie in sämtlichen anderen Ländern der Welt.

Konkurrenz aus Brasilien

Einzig im kleinen Örtchen Kleinmühlingen in der Nähe von Schönebeck scheint das nicht so zu sein. Denn Chris und Vater Mario Katte sind da etwas anderer Meinung, wer der größte Kicker unter der Sonne war. Beide sind sich einig, es ist der Brasilianer Pelé. Der Stürmer sammelte in 17 Jahren als aktiver Kicker insgesamt 26 nationale und internationale Titel. Unvergessen sind seine Weltmeisterschaftssiege in den Jahren 1958, 1962 und 1970. „Das hat bisher niemand geschafft und wird auch so schnell niemand mehr“, ist sich Mario Katte sicher. Doch Pelé spielte auch gut zehn Jahre früher groß auf als Maradona, sodass Mario Katte zu dem Entschluss kommt: „In den 1980ern und 90ern war Maradona der Beste, den es gab. Er war schon ein guter Kicker, schade das er nun Tod ist“, sagt Mario Katte.

Als einen „kleinen Tick besser“ sieht der Coach des TSV Grün-Weiß Kleinmühlingen/Zens allerdings den brasilianischen Ausnahmestürmer. Insgesamt 1281 Tore in 1363 Spielen erzielte Pelé in seiner aktiven Karriere. Allein diese Quote sorgt dafür, dass er immer wieder als der Beste angesehen wird. Vor allem in diesem Punkt herrscht Einigkeit im Hause Katte. Denn auch für Sohn Chris Katte ist klar, wer der beste Kicker aller Zeiten ist. „Pelé war nicht nur in der Lage Tore zu schießen, sondern war auch der Mittelpunkt des Angriffs auf dem Spielfeld, sowohl in seinem Verein als auch in der Nationalmannschaft“, erklärt Chris Katte, warum der Brasilianer Pelé dem Argentinier Maradona aus seiner Sicht den Rang abläuft.

„Seine Statistiken sind einfach überragend. Er ist der einzige Spieler, der mehr als 1200 Tore erzielt hat. Was Pelé jedoch von allen anderen abhebt, ist die Tatsache, dass er stets sein bestes Spiel brachte, wenn es darauf ankam“, so der Angreifer der Kleinmühlinger weiter. Das sind allerdings nicht die einzigen Rekorde, die Pelé brach. Mit 16 wurde er bereits für die Nationalmannschaft nominiert. Er ist der jüngste Spieler, der für die Seleção bei einer Weltmeisterschaft einen Treffer erzielte. Damals war er 17 Kahre alt.

Somit wird also auch klar, dass ein Zweikampf zwischen den beiden Südamerikanern herrscht. Doch auch das war schon immer so. Zusammenfassend steht aber fest, dass Diego Armando Maradona zweifelsohne zu den besten Kickern auf der Welt gehörte und auch große Anteile daran hatte, dass der Fußball immer mehr an Popularität gewann.

Bemerkenswert ist hingegen, dass beide, auch lange nach ihren aktiven Karrieren und nun auch dem Tod, immer wieder mit dem Fußball in Verbindung gebracht werden. Allein das zeugt schon davon, dass nicht nur Maradona und Pelé auf ihre ganz eigene Weise alles richtig gemacht haben und so in den Köpfen vieler Menschen geblieben sind.

Die Dribblings und Tore sind bis heute unvergessen und werden es auch immer bleiben. Doch die nächste Generation steht inzwischen bereit, mit dabei ist ganz sicher auch ein neuer Maradona.