Schönebeck l Das rhythmische Klatschen samt der Anfeuerungsrufe hatte sich Liza Nowicki wahrlich verdient. Gerade hatte die Torhüterin der SG Lok Schönebeck aus der Sachsen-Anhalt-Liga am Sonnabend im Heimspiel gegen den HSV Magdeburg ihre beweglichen Arme und Beine ausgefahren und ihre tollen Reflexe unter Beweis gestellt. Wieder blieb sie Siegerin in einer Eins-gegen-eins-Situation, wieder gab es einen Gegenstoß und in der 27. Minute führte Schönebeck mit 12:8 gegen den Oberliga-Absteiger. Eine Überraschung bahnte sich an.

Doch jubeln durften am Ende nur die Magdeburgerinnen, bei den Schönebeckerinnen rollte die eine oder andere Träne ins Knopfloch. 28:29 (13:9) verlor die SG Lok ihr erstes Heimspiel der Saison. Was auf mehren Ebenen weh tat. Bis weit in die zweite Hälfte behauptete Schönebeck einen Fünf-Tore-Vorsprung, 20:15 führte Lok in der 40. Minute. Vor allem das schnelle Spiel der Magdeburgerinnen nahm Schönebeck gut an, konnte selbst immer wieder durch einfache Tore nach langen Nowicki-Abwürfen und platzierte Treffer im Positionsangriff durch Carolin Gress schmerzhafte Nadelstiche setzen.

Und doch lief Lok-Trainer Dirk Schedlo nach dem Spiel mit gesenkten Kopf in die Ecke der Halle. Die letzte Führung hatte Lok beim 28:27 (57.) inne. Ganz am Ende, als die Zeit schon abgelaufen war, brachte Gress einen direkten Freiwurf nicht auf das Tor, hob den Ball mit einer Bogenlampe über die Abwehr, statt ihn mit Geschwindigkeit aufs Tor zu bringen. So war der Ball leichte Beute. „Sie sollte antäuschen. Sie hat mich falsch verstanden“, sagte Papa und Coach Schedlo geknickt.

Nervenflattern

Gründe für die Niederlage gab es aber mehrere. „Am Ende haben die Nerven versagt“, so Schedlo. „Wir sind in der zweiten Halbzeit zu nervös geworden, hatten zu viele technische Fehler und zu viele Chancen liegengelassen. Am Ende hatte Magdeburg die stärkere Bank. Das war entscheidend, es war eine Kraftfrage. Trotzdem können wir heute Abend schon stolz sein auf unsere Leistung.“

Denn die ambitionierten Magdeburgerinnen trainieren sechs Mal die Woche, Schönebeck zweimal. Es waren also zwei Welten, die da am Sonnabend aufeinandertrafen. Und doch ging die SG Lok auch in den schwierigen Phasen in der zweiten Halbzeit nicht komplett unter, konnte sich trotz des Verlustes der Fünf-Tore-Führung – Schönebeck kassierte fünf Tore in Folge zwischen der 40. und der 43. Minute zum 20:20 – behaupten. Vor allem dank Linkshänderin Carolin Gress, die erneut einen sehr guten Job erledigte. „Sie muss man hinten und vorne hervorheben“, lobte Schedlo. Gress ging als Leitwölfin voran, nahm die schwierigen Würfe und ihren verunsicherten Mitspielerinnen die Arbeit ab. Doch auch Gress allein war gegen die geballte Wucht der HSV-Spielerinnen chancenlos.

Besonders in der Abwehr fassten die Gäste kräftig zu, handelten sich so am Ende neun Zeitstrafen, sieben Siebenmeter und eine Rote Karte ein. Für Schedlo sogar noch zu wenig. „So etwas Unsportliches habe ich sehr lange nicht gesehen“, sagte er über die Gangart des Gegners. „Magdeburg hätte schon in der ersten Halbzeit eine Rote Karte bekommen müssen.“ Besonders in den letzten zehn Minuten war Schönebeck fast permanent in Überzahl, konnte diese aber nicht nutzen. So hatte zum Beispiel Neuzugang Anika Kracht per Siebenmeter in der 55. Minute die Chance auf 28:25 zu erhöhen, scheiterte aber an der Torhüterin, der Nachwurf landete an der Latte. Was symptomatisch für die ganze Partie war. So blieb es nur beim guten Gefühl, dass Schönebeck über weite Teile eine gute Partie absolviert hatte. Der Rest war Enttäuschung, die eine Weile brauchen wird, um komplett zu verfliegen.

Schönebeck: Nowicki, Krakau – Kracht (2), Va. Goldgraebe (4), Gress (11/1), Depta (2), Bertelmann (2), Krause, Sauer (1), Vi. Goldgraebe (2/2), Hoffmann (2), Bullert (2/2)

Siebenmeter: Lok 7/5 – HSV 2/2 Zeitstrafen: Lok 3 – HSV 9

Rot (o.B.): Nele Mertens (Magdeburg, 60.)