Calbe l Bei einem gemütlichen Abend vor dem Fernseher könnte der Blick schon mal auf das Kartendeck schweifen. Schnell wird die Packung aufgemacht, ein paar Karten auf den Tisch gelegt und schon kann der Beginn eines Kartenhauses anfangen. Zuerst werden zwei Karten aneinander gelehnt, dann zwei weitere daneben. Der Zwischenraum wird mit einer Karte horizontal abgedeckt. Auf der entstanden Plattform werden wieder zwei Karten aufgestellt. Und so baut sich das Kartenhaus immer weiter auf. Wenn Andreas Wiese, der scheidende Trainer des Handball-Sachsen-Anhalt-Ligisten TSG Calbe, über den Erfolg der Mannschaft spricht, dann ist das ein Prozess, der nicht in einem Jahr aufgebaut wurde.

Punktuell verstärkt

„Das war ein Prozess über zwei, drei Jahre. Jedes Jahr haben wir uns punktuell verstärkt“, erklärte Wiese. Im ersten Jahr unter dem Handball-Fachmann stieß Kevin Reiske dazu, zur Saison 2018/2019 war es Jan Illig. Das Team blieb in der Zeit größtenteils zusammen, so wuchs an der Saale das zusammen, was zusammen wachsen sollte.

Und nach drei Jahren wurde der größte Erfolg eingefahren. Bis zum vorletzten Spieltag blieb der Titelkampf spannend, dann setzte sich die TSG aber doch durch. „Wir hatten auch eine kleine Schwächephase, aber die haben wir gut überstanden.“ Und das sogar richtig gut. Nur drei Niederlagen und ein Unentschieden sammelten die Calbenser. Ansonsten nur Siege, 22 Stück an der Zahl.

Bilder

Und ein paar Spiele sind Wiese auch im Kopf geblieben. „Ein Highlight waren auf jeden Fall die Spiele gegen Staßfurt. Das waren sehr emotionale Siege“, so der Ex-Trainer. Doch nicht nur die „Ortsnachbarn“ aus der Bodestadt mussten zweimal dran glauben. Auch die Elbestädter. Gegen die SG Lok Schönebeck gewannen die Calbenser beide Partien. „Aber auch die kleinen Erfolge waren schön. Verschiedene Spielzüge, wie zum Beispiel der Kempa-Trick, haben im Saisonverlauf immer besser funktioniert. Wir haben uns richtig gut weiterentwickelt“, freute sich Wiese.

Chancenverwertung als Manko

Doch auch negative Spiele blieben dem Ex-Trainer im Gedächtnis. Vor allem das Auswaärtsspiel gegen den USV Halle II wurmte Wiese bereits in der Saison. Während das Hinspiel noch mit 21:17 gewonnen wurde, kamen die Calbenser im Rückspiel nicht über ein 20:20 hinaus. Auch die beiden Spiele gegen den SV Langenweddingen waren nicht zufriedenstellend. Denn im Rückspiel gab es eine 17:18-Niederlage. „Da waren wir einfach zu Laissez-faire“, beschreibt es Wiese aus seiner Sicht. Doch gerade in diesen Partien konnten die kleinen Schwächen der Calbenser beobachtet werden. Acht von 14 Teams erzielten mehr Tore als die TSG. „Unsere Chancenverwertung war das große Manko während der gesamten Saison.“

Doch die eher schlechte Auswertung vor dem gegnerischen Tor glichen die Calbenser mit ihrer Defensive aus. „Das war schon unser Flagschiff“, sagte Wiese. Doch diese Meinung hat der Ex-Coach nicht erst nach der Saison, sondern war schon im Verlauf der Spielzeit davon beeindruckt. In der ersten Saisonhälfte bildeten Ron Barby und Martin Sowa den Innenblock der stabilen 6:0-Abwehr. Nach der Knieverletzung (Kreuzbandriss) von Barby musste aber ein Ersatz her. Und der war schnell gefunden. Nils Rätzel hat „seine Aufgabe sehr gut gemeistert“.

Und das war auch ein Plan, den Wiese verfolgte. „Der Gegner sollte in jedem Spiel auf eine neue Variation treffen und das hat funktioniert“, erklärte Wiese. Auch die andere Variante, die 5:1-Abwehr, funktionierte. Marius Schwarz rückte dann vor den Innenblock. „Marius hat alles ‚verprügelt‘ was zu ihm durchkam“, drückt es Wiese überspitzt aus.

Nach drei Jahren ist für Wiese nun aber die Zeit bei der TSG Calbe vorbei. Ihn zieht es zu den HF Helmstedt-Büddenstedt (Oberliga Niedersachsen). Und der Coach blickt mit einem weinenden und einem lachenden Auge zurück. „Es waren schöne drei Jahre hier“, sagt Wiese. Und der Handball-Fachmann wird sich am Wochenende immer wieder erkundigen, wie seine Freunde gespielt haben. Denn er formte aus den Spieler nicht nur eine Mannschaft, sondern eine Einheit.