Schönebeck/Calbe l Dirk Schedlo ist verwundert. Denn Gefühle täuschen manchmal über harte Fakten hinweg. Im ewig jungen Derby zwischen der SG Lok Schönebeck und der TSG Calbe spricht die Bilanz seit dem Abstieg der Saalestädter im Jahr 2014 in die Sachsen-Anhalt-Liga eine klare Sprache. Vier der acht Duelle gewann Schönebeck, nur einmal ging Calbe als Sieger vom Parkett. „Ich hätte gedacht, dass es ausgeglichener ist“, sagt Lok-Coach Schedlo, der zugleich aber ahnt, warum die Bilanz so gut ist. „Da braucht man die Spielerinnen nicht zu motivieren. Das kommt von allein. Da sind die Emotionen wichtig. Und es scheint uns gut zu gelingen, diese zu transportieren.“

Am Sonnabend um 17.30 Uhr gibt es also in Schönebeck die nächste Auflage im Duell der Rivalen. Und nach drei Siegen in Folge scheint die SG Lok auch diesmal leichter Favorit zu sein. Ist die TSG so eine Art Lieblingsgegner? „Immer. Weil da so viele Zuschauer kommen“, sagt Schedlo. Aber die Aufgabe wird schwerer als zuletzt. Nach der Calbenser Frustsaison 2017/2018, in der die Saalestädter erst im Nachrückverfahren die Klasse hielten, hat sich die TSG breiter aufgestellt. Und vor allem den sehr jungen Kader um die erfahrenen Spielerinnen Christiane Wilke und Melanie Thiele bereichert, dazu stieß die lange kranke Stefanie Hüls. Auch Josephin Hecker wechselte nach Calbe (die wie Pia Schrader einst in Schönebeck gespielt hat). Der Umbau geht mit einem veränderten System einher, wie Schedlo weiß. „Zu dem typischen Kreis- und Außenspiel fängt Calbe an, aus dem Rückraum zu spielen“, sagt er. Das macht die TSG variabler und gefährlicher.

Die Gäste gehen daher auch mit einem gesunden Optimismus in die Partie. „Wir sind positiv gestimmt und fahren natürlich nach Schönebeck, um zu gewinnen“, gibt sich TSG-Trainer Ronald Kampe im Vorfeld kämpferisch. Im Rücken hat er das erste Punktspiel gegen den HC Salzland 06, das seine Schützlinge dank einer konzentrierteren Schlussphase 23:20 für sich entscheiden konnten. Sicherlich lief im ersten Spiel noch nicht alles perfekt, aber in Calbe konzentriert man sich ohnehin lieber auf den gemeinsamen Weg als auf die einzelnen Stationen. „Wir wollen das, was gut geklappt hat, ausbauen und uns weiter steigern“, so der Trainer und lobt, dass die Einstellung in Training und Spiel stimme. Und so geht er auch für die heutige Begegnung von der passenden Motivation aus.

Auf den viel zitierten Derby-Gedanken will er sich indes nicht einlassen. „Wir haben ein gemeinsames Ziel und das lautet, die Mannschaft weiter zu entwickeln. Der Gegner ist doch in dem Moment egal.“ Zu Gute kommt den Saalestädterinnen sicherlich, dass sie breit aufgestellt sind und auf allen Positionen ihre Möglichkeiten haben. „Wir brauchen uns nicht zu verstecken“, unterstreicht Kampe und spricht für seinen Co-Trainer Gunnar Lehmann mit, als er betont „wir haben Vertrauen in jede einzelne Spielerin.“ Gemeinsam geht das Team nun die zweite vermeintlich besondere Derby-Aufgabe an und will mit Motivation und Einsatz die nächsten zwei Punkte verbuchen. Was nicht einfach wird gegen eine Schönebecker Mannschaft, die „zwei angeschlagene Spielerinnen hat“, so Schedlo, aber ansonsten über einen breiten Kader verfügt.