Schönebeck l Janka Bauer versuchte, ihre Mitspielerinnen noch einmal wachzurütteln. „Nicht aufgeben, weiterkämpfen“, rief die Rückraumschützin. Doch ihre Worte verhallten ungehört und unerwidert. Katharina Depta hatte gerade eine zehnminütige Torflaute in der zweiten Halbzeit, in der Schönebeck ein besseres Resultat wegwarf, beendet und mit einer Einzelleistung zum 14:26 (42.) getroffen. Janka Bauer wünschte sich daraufhin eine Initialzündung, ein Aufbäumen, doch bis auf sieben Treffer folgte nichts.

Die klare Niederlage hatte viele Gründe. Zum einen war die Bank – mal wieder – äußerst spärlich besetzt. Wechselmöglichkeiten blieben aus, der Kräfteverschließ war dementsprechend groß, sodass die Pleite am Ende ziemlich deutlich ausfiel. Zum anderen musste Lok frühzeitig einen weiteren Ausfall hinnehmen. Rückraumschützin Lilli Hoffmann verletzte sich in einer Abwehraktion am Knöchel und musste mit Verdacht auf Bänderriss passen.

Die Verletzung schien auch in den Köpfen ihrer Mitspielerinnen fest verankert, denn sie sorgten sich augenscheinlich um die Gesundheit und waren mit den Gedanken nicht mehr zu 100 Prozent beim Spiel. In der ersten Halbzeit produzierte Lok zwar nur zwei Regel-Technik-Fehler und war zur Pause noch in Schlagdistanz, doch nach dem Wechsel ging die Fehlerquote drastisch nach oben.

Lok wird immer unsicherer

In den ersten zehn Minuten der zweiten Halbzeit „haben wir sieben Fehler produziert“, hatte Trainer Dirk Schedlo beobachtet. Am Ende wurden es 16 – zusätzlich zu zehn Fehlwürfe und neun Paraden von Unions Maria Fritsche. Während Halle in seinen Aktionen immer sicherer wurde und nicht nur Konter, sondern auch Positionsangriffe weitgehend ohne Bedrängnis abschloss, breitete sich bei den Gastgeberinnen die Nervosität aus. „In den Köpfen spielen sich dann die Szenen aus den letzten Spielen ab, als wir auch so viele Fehler gemacht haben“, beschrieb Schedlo. „Aus der Spirale kommen wir dann gar nicht heraus. Und dann passieren Fang- und Schrittfehler erst recht.“

Zum Beispiel, als Lisa-Marie Bullert ihre Zeitstrafe abgesessen hatte. Kaum war sie wieder auf der Platte, musste sie einen Konter unterbinden, der ihr erneut Zwei Minuten einbrachte. Oder als Steffi Sauer und Janka Bauer bei Kontern frei zum Abschluss kamen, aber jeweils noch über die Querlatte warfen. Oder als Isabel Krakau eine ihrer fünf Paraden in den zweiten 30 Minuten zeigte, Schönebeck im Konter aber den Ball leichtfertig in den leeren Raum passte und ihn somit verlor.

In der kurzen Pause über den Jahreswechsel hofft Schedlo nun auf die Rückkehr einiger verletzter Schützlinge. „Ich hoffe, dass ich bald mal wieder elf Spielerinnen ins Protokoll eintragen kann.“ Bis dahin ist allerdings auch etwas Aufbauarbeit gefragt, um im wichtigen Spiel beim MSV Buna Schkopau am Sonntag, 10. Januar 2016, die Trendwende einzuleiten. Ganz im Sinne von Janka Bauer: „Nicht aufgeben, weiterkämpfen!“

Lok Schönebeck: Krackau – Wolf (6), Hoffmann, Bauer (3), Krause (1/1), Sauer (2), Stagge, Moschner, Mittwollen (1), Bullert (5/3), Depta (3)

Halle-Neustadt II: Fritsche, Sirlinger – Plötz (5), Heßler (5), Dietrich (7), Thieme (7/4), F. Welhöner (4), Held (7), J. Welhöner (2)

Siebenmeter: Schönebeck 6/4 – Halle-Neustadt 4/4; Zeitstrafen: Schönebeck 3 – Halle-Neustadt 4