Calbe l Andreas Wiese hustete kurz, dann krächzte er sich entschuldigend durch das Gespräch. Ja, die Stimme des Trainers von der TSG Calbe war merklich angeschlagen. Was freilich mit dem Spiel davor gegen TuS Radis zu tun hatte. Die Saalestädter hatten das Topduell am Sonnabend in der Sachsen-Anhalt-Liga zwar knapp mit 25:24 (11:12) gewonnen. Aber Wiese musste während des Spiels von der Seitenlinie sehr viel verbale Aufbauarbeit leisten.

Sechs Tore vorn

Bei aller Freude über den Sieg: Irgendwie war das total unnötig, dass es am Ende aus Gastgeber-Sicht so eine enge Kiste wurde. „Wir haben es nicht geschafft, unser Spiel ins Ziel zu bringen“, kritisierte Wiese. Wer weiß? Wenn die Partie noch wenige Minuten weitergelaufen wäre, hätte Radis das Spiel womöglich sogar noch gewonnen. Dabei hatte Calbe ja in der 46. Minute schon mit 22:16 vorn gelegen und bis dahin vieles richtig gemacht. Das Spiel lief genauso, wie Wiese erwartet hatte. Und Calbe agierte genauso, wie der Trainer es gewollt hatte. „Es war ein hartes Spiel. Aber wir haben es im Angriff gut gelöst“, sagte Wiese.

Bezeichnend war die Phase zwischen Minute 31 und 40. Mit einem 6:0-Lauf stürmte Calbe nach einem 12:13-Rückstand zu einer 18:13-Führung. Besonders ein Spieler kannte da keine Gnade mit seinem Körper: Ronny Krause. Trotz einer entzündeten Achillessehne warf sich der Rückraumspieler ohne Rücksicht auf körperliche Verluste in die Abwehr-Aktionen und stürmte nach den Ballgewinnen mit schnellen Schritten nach vorn. Es waren vor allem die Kontertore, die Calbe klar in Front brachten. „Ronny Krause ist gut reingekommen, macht die Tore, überdreht dann aber auch“, meinte Wiese.

Trotzdem: Mit den Emotionen im Kopf und auf der Tribüne war zudem Zeitpunkt alles gut. „Die haben uns in der ersten Halbzeit total gefehlt.“ Doch mit den Emotionen ist das auch so eine Gefahr. Denn: „Wir haben uns zu lange feiern lassen. Radis hat uns dann immer wieder ausgekontert.“ Und spätestens, nachdem Marius Schwarz in der 47. Minute mit der dritten Zweiminuten-Strafe vom Parkett geschickt wurde und Wiese nur noch sieben Feldspieler hatte, schlich sich dieser kleine Bruch ins Spiel der TSG.

Radis nutzte die personelle Unwucht konsequent aus. „TuS ist dann noch mehr auf die rechte Seite gerückt, weil sie gesehen hatten, dass wir da eine Lücke haben.“ Mit der schnellen Mitte knabberten die Radiser stückchenweise den Vorsprung weg. 24:23 führte Calbe nur noch in der 59. Minute. Nach einer erneuten Auszeit rückte auch der eigentliche reine Abwehrspieler Kevin Reiske mit nach vorn und warf bei Minute 58:58 den entscheidenden Siegtreffer zum 25:23.

Weiter Weiße Weste

Natürlich war Wiese froh, dass es am Ende gereicht hatte. Er sah das auch als Beweis für die Weiterentwicklung der Mannschaft. „Im vorigen Jahr wären wir an dieser Stelle noch zusammengebrochen.“ In der Saison 2017/2018 nicht mehr. Die immer noch junge Mannschaft ist gereift. „Auch Stefan Wiederhold hat im Tor überragend gehalten.“ Das Fazit? „Ich bin stolz auf diese Mannschaft.“ Calbe entwickelt sich immer mehr zu der Spitzenmannschaft, die sie im Selbstanspruch ja auch sein will. Drei Spiele, drei Siege. Nur Oebisfelde hat neben der TSG noch eine Weiße Weste.

Calbe: Wiederhold, Bertram, Krautwald - Krause (4), Hulha (3), Rätzel (1), Schwarz (1), Borzucki, Weiß (6/2), Kralik (7), Reiske (3)

Siebenmeter: Calbe 2/2 - Radis 6/6; Zeitstrafen: Calbe 5 - Radis 4 3x2 Minuten: Marius Schwarz (Calbe; 46:05)