Glinde l Er hatte geklopft und gerufen. Doch niemand wollte ihn hören. Daniel Cornehl wollte doch nur mal eben in der Halbzeitpause im Verbandsliga-Spiel zwischen dem Glinder HV „Eintracht“ und der SG Seehausen auf die Toilette. Die Kabine war aber schon zu. Und er noch drinnen. Der Gäste-Spieler kam nach der Notdurft nicht mehr heraus. Erst nach wohl quälend langen Minuten hörten die Glinder die Klopfzeichen der Zeit und befreiten Cornehl aus dem Dilemma.

So hatte also Seehausen durch Cornehl einen ganz individuellen Weckruf erhalten. Dabei hätten doch eher die Glinder diesen gebraucht. Denn die Gastgeber hatten den Wiederanpfiff kräftig verschlafen. Und auch davor schon teilweise schludrig agiert. Zwar gewann Glinde am Ende 32:29 (17:16). „Das war aber hinten raus auch etwas glücklich“, gab Trainer Peter Pysall zu. Spielerisch war der Coach nicht vollends zufrieden. Was an der Art und Weise lag, wie Glinde zum Beispiel den 9:5-Vorsprung (12.) in weniger als vier Minuten wegwarf (9:9, 16.). „Wir haben die Führung zu schnell hergegeben und vielleicht zu sehr gefeiert nach dem 9:5. Das Umschaltspiel nach hinten war zu langsam.“

Lange Ausfallliste

Natürlich war Glinde anzumerken, dass die Dynamik von Mittelmann Julian Bauer mit seiner Dynamik fehlte. Auch Eike Herrmann, Gregor Knoblauch und Kevin Tacke standen wegen Verletzung und Krankheit nicht im Kader. So musste Pysall wieder viel ausprobieren. Die Durchschlagskraft fehlte auch in der Breite. Zwar kam Maximilian Kralik auf neun Treffer. Daneben gab es aber einfach nicht die Menge der Tore. Was auch am Gegner lag. „Seehausen ist eben keine schlechte Combo“, drückte es Pysall locker flockig auf.

So lag die neu formierte Glinder Mannschaft nach einigen technischen Fehlern dann sogar 18:22 hinten (39.). Die erste Heimniederlage drohte. Die Glinder durften froh sein, dass sie Philipp Giesemann im Tor hatten. Weil Sebastian Weiss nach seiner Erkältung noch kleinen Trainingsrückstand hatte, durfte wieder Giesemann fleißig Einsatzzeiten sammeln. „Er hat sich super reingekämpft“, lobte Pysall. „Das war hinten raus dann auch die Basis.“ Die Basis dafür, dass die Glinder das Spiel mit viel Leidenschaft drehen konnten. „Die Mannschaft hat eine Riesenmoral gezeigt“, sagte Pysall.

GHV klettert in der Tabelle

Besonders in den letzten zehn Minuten zwang Glinde die Gäste immer besser in den Positionsangriff. Damit zog der GHV dem Gegner den Zahn. Arbeitssieg, weitermachen. Mit dem fünften Sieg im sechsten Spiel klettert Glinde auf Rang zwei. Ganz klar: Der GHV ist im Soll.
Glinde: Weiss, Giesemann - Schmidt (3), Rosemeier, Rockmann (6), Max Kreyenberg (3), Kowaczeck, Kralik (9), Deumeland (2), Recker, Martin Kreyenberg
Siebenmeter: Glinde 3/3 - Seehausen 1/1; Zeitstrafen: Glinde 1 - Seehausen 2