Radis/Schönebeck l Da saß er auf der Tribüne, guckte gespannt seiner Mannschaft zu. Etwas überrascht war selbst Trainer Sebastian Roost über den Auftritt seiner Sieben. Durch eine Knieoperation und den Strapazen auf der Bank nahm Roost Vorlieb mit dem Zuschauerbereich. Gecoacht wurde das Team von Dirk Schedlo, Trainer der Frauen und Abteilungsleiter der SG Lok Schönebeck. „Wir haben vorher und in der Pause gesprochen“, erzählte Roost. Doch der Kraftakt, den die Handballer in der Sachsen-Anhalt-Liga-Partie gegen TuS Radis im ersten Durchgang auf das Parkett zauberte, war im Endeffekt zu hoch. „Die Kraft war weg. Dadurch wurden wir unkonzentriert, das war der springende Punkt“, meinte der Coach im Nachgang. Die Partie ging mit 26:28 (16:13) verloren.

Erste Hälfte kostet Kraft

Dabei ging es sehr gut los für die Schönebecker. Formverbessert präsentierte sich das Team nach der Vorbereitung unter der Leitung von Roost. „Unsere Deckung stand stabil. Im Großen und Ganzen war es genau das, was ich mir vorgestellt habe“, zeigte sich der Übungsleiter erfreut. In der 14. Minute war es Florian Willner, der seine Mannschaft zum ersten Mal in der Partie in Führung warf (7:6). Beflügelt durch den Rückenwind nahm die SG Lok immer weiter Fahrt auf, setzte sich bis zur Pause sogar auf drei Treffer ab (16:13). „Radis hat einen starken Rückraum, die erste Hälfte war sehr kräfteaufreibend“, sagte Roost. Noch zu Beginn der zweiten Hälfte hielt Lok die Hausherren aber auf Distanz.

Der Wille und auch das Selbstvertrauen waren da, den ersten Sieg der Saison einzufahren. Die Deckung stand gut und auch Keeper Robert Knörich erwischte einen guten Tag. Der Torwart war zur Stelle, wenn es brenzlig wurde. „Vor der Leistung kann ich nur meinen Hut ziehen.“

Die letzten 15 Minuten entwickelten sich aber zu einer Talfahrt. Es lief die 40. Minute, da führte Schönebeck noch mit drei Treffern (21:18). Dann ließen die Kräfte spürbar nach. „Ich hatte keine Alternative im Rückraum, konnte somit auch nicht wechseln“, erklärte Roost. Acht Minuten blieben die Gäste ohne eigenen Treffer. Radis hingegen startete eine Serie und zog an der SG Lok vorbei. Sieben Treffer in Serie drehten das Ergebnis auf 24:21 für den Tabellenfünften.

Aber auch das warf die SG Lok nicht aus der Bahn. Kevin Krause war es, der zum 25:25 traf (52.). „Die Konzentration war aber weg. In diesen Momenten konzentriert man sich zu sehr auf den Körper“, erklärte der Coach. Dadurch schlichen sich ins Spiel der Schönebecker Fehler ein. „Wir haben zu viele Fehlentscheidungen getroffen.“ Bedeutet: Der richtige Moment für einen Wurf wurde verpasst, Bälle landeten im Aus oder in den Händen der Gegner. Auch die doppelte Überzahl in der Schlussminute half da nichts mehr, die Tanks waren leer.

Um dem in der kommenden Partie gegen die SG Spergau entgegenzuwirken, hofft Roost auf das Mitwirken eines Neuzugangs. Nico Haverland kommt vom Konkurrenten TSG Calbe an die Elbe. Der Kontakt kam über einen Spieler zustande, der mit Haverland zusammen arbeitet. „Da brauchte ich nicht zweimal überlegen“, sagte Roost mit Blick auf die kleine Kaderliste.

SG Lok: Dobertin, Knörich - Kessel (1), Bauer (5), Willner (5/1), Bullmann, Riedel (2), Thiedig, Karau, Meyer, Ernst (7), Krause (6)

Siebenmeter: SG Lok 2/5 - Radis 2/4

Zeitstrafen: SG Lok 6 - Radis 6

Rote Karte (3x2 Minuten): Tim Bullmann (56; SG Lok Schönebeck)