Calbe/Schönebeck l So groß die Vorfreude auf den Saisonstart auch war, nach nur zwei Partien blicken die Sachsen-Anhalt-Liga-Handballerinnen der TSG Calbe und der SG Lok Schönebeck wieder in die Röhre. Aufgrund der Corona-Pandemie und den steigenden Infektionszahlen wurde Anfang November der Amateursport lahmgelegt. Zudem schlossen so gut wie alle Hallen im Salzlandkreis. Und ein Training ohne Halle ist bei Handballern schwer umzusetzen. Somit mussten wieder Alternativen her. Läufe in der Natur stehen dabei ganz oben auf der Agenda, um die Grundfitness beizubehalten.

Wann es wieder weitergeht, kann noch niemand sagen. Angedacht ist, dass im neuen Jahr so schnell wie möglich der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden soll, am besten schon im Januar. Doch auch die größten Optimisten zweifeln daran. Die derzeitigen Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache.

Übungen für Kraft und Ausdauer

Das Treffen in Gruppen ist nicht möglich, daher machen sich alle allein auf den Weg. „Sie machen alles, was möglich“, sagt Ronald Kampe, der Trainer der TSG Calbe. In Kontakt steht der Coach über WhatsApp mit seinen Spielerinnen. Übungen für die Kraft werden auch gemacht, eine gewisse Vorgabe hat Kampe seiner Mannschaft aber nicht auferlegt. „Das sie was machen müssen, ist allen klar. Die Mädels sind sehr rührselig“, vertraut Kampe seiner Sieben. Ob die Spielerinnen untereinander sich ein Ziel gesetzt haben, kann der Coach nicht genau sagen, „ich denke aber schon, dass sie so etwas machen.“

Gute Trainingsleistungen konnte Kampe auch schon zu Beginn der Spielzeit sehen, denn bereits im ersten Lockdown waren die Sportlerinnen angehalten, sich selbst zu beschäftigen. Zwei Spiele durften die Calbenserinnen erst absolvieren. Zwei Mal ging die TSG-Sieben als Sieger von der Platte. Ein Erfolg, den Kampe ein Stück weit auch erwartet hatte: „Mit dem Kader war uns von vornherein klar, dass wir einen Platz im oberen Mittelfeld erreichen können. Dass es gleich so gut läuft, hatten nur die wenigsten erwartet“, zeigt sich Kampe beeindruckt von der bisherigen Leistung. „Wir wollen natürlich jedes Spiel gewinnen“, so der Coach. Bisher hat seine Mannschaft das sehr gut umgesetzt.

Mit Juliane Gaul ist eine Spielerin aktiv, die in dieser Saison abermals mit einem guten Torriecher unterwegs ist. Zwölf Treffer gelangen ihr bisher. Ebenfalls zu den Top-Scorern der Saalestädterinnen zählt Stevie Mittwollen. Ihre Qualitäten ließ sie beim HC Salzland schon aufblitzen und knüpft auch an der Saale nahtlos an ihre guten Leistungen an. So wie das gesamte Team.

Gut 15 Kilometer entfernt sah der bisherige „Kurzauftritt“ in der neuen Spielzeit ebenfalls verheißungsvoll aus. Die Handballerinnen der SG Lok Schönebeck standen auch erst für zwei Spiele auf der Platte und fuhren die maximale Punkteausbeute ein.

Vor allem eine Spielerin hob sich aus der bisher guten Teamleistung ab: Vivien Goldgraebe. 19 Tore stehen bereits auf ihrem Konto. Von der Siebenmeterlinie ist die Schönebeckerin zudem treffsicher. Elf Mal stand Goldgraebe zum Showdown bereit und brachte zehn im Netz unter. „Sie ist einfach extrem fit und schlägt dann eiskalt zu, wenn viele Spielerinnen nicht mehr so frisch sind“, sagt SG Lok-Coach Dirk Schedlo über seine Spielerin. Deutlich wird das auch in Zeiten der Corona-Krise. Denn die Spielerinnen aus der Elbestadt halten sich individuell fit. „Ich bekomme alle Daten übermittelt. Bei einigen bin ich erstaunt, wie es möglich ist, in so kurzer Zeit eine solch lange Strecke zu laufen“, zeigt sich der Übungsleiter von dem Engagement der Mannschaft beeindruckt. „Das schaffen einige in der Halle nicht. Ich glaube, wir werden wohl in der Folge öfters draußen trainieren“, schiebt Schedlo mit einem Lachen nach. Mit die besten Werte liefert natürlich Goldgraebe. „Das spiegelt sich eben auf der Platte wieder.“

Doch nicht nur Laufen steht auf der To-do-Liste, wie der Übungsleiter sagt: „Am vergangenen Donnerstag haben wir online einen Yoga-Kurs gemacht. Das war ziemlich anstrengend“, sagt Schedlo zu dem etwas anderen Trainingsprogramm. Und ähnlich wie bei den Konkurrentinnen aus Calbe hat auch der SG Lok-Coach seiner Mannschaft keine Vorgaben gemacht.

Zu kurz braucht der Coach die Leine auch nicht nehmen, präsentierte sich seine Mannschaft in der aktuell unterbrochenen Saison in einer guten Verfassung. „Das war in der Vorsaison schon abzusehen. Da sind wir Dritter geworden und hatten Chancen auf Rang eins. Wir werden von einigen auch zu den Favoritinnen auf den Staffelsieg gezählt“, hat sich Schedlo sagen lassen. Doch davon will der Coach vorerst noch nichts wissen. „Wenn alle gesund und munter bleiben, ist ein Platz unter den Top fünf allerdings möglich, sollte die Saison dann auch wieder losgehen“, so Schedlo.

Ein wichtiger Faktor, der weiterhin nicht geklärt ist. Bevor sich an den Infektionszahlen allerdings nichts ändert, bleiben die Hallen geschlossen und der Spielbetrieb weiter ausgesetzt. Ein bisschen Wehmut macht sich daher bei den Teams aus Calbe und Schönebeck breit, denn der Saisonstart war vielversprechend.