Glinde l Die Anfrage kam zwar vom Gegner, aber der Glinder HV „Eintracht“ musste nicht lange überlegen über eine kurzfristige zeitliche Verschiebung. Am Sonnabend steht für den Glinder HV „Eintracht“ aus der Verbandsliga Nord das Viertelfinale im HVSA-Pokal beim Tabellenführer der Verbandsliga Süd, dem SV Grün-Weiß Wittenberg-Piesteritz, an. Und zwar nicht schon um 17.30 Uhr, wie ursprünglich angedacht, sondern erst um 18.30 Uhr.

Beim Glinder HV ist man froh darüber. „So können vielleicht Spieler noch rechtzeitig zur Partie kommen, die am Samstag arbeiten müssen“, erklärt Trainer Peter Pysall. Er denkt da zum Beispiel an Arvid Schmidt. Natürlich will Glinde ins Halbfinale und natürlich ist es besser, wenn außer Torwart Sebastian Weiss, der zwar nach seiner OP wieder im Training ist, aber noch nicht ganz fit ist, alle an Bord sind.

Klar ist aber auch: „Der Pokal ist für uns ein schönes Zubrot“, wie es Pysall beschreibt. „Unsere Priorität liegt nach wie vor auf der Liga.“ Alles kann, nichts muss. Dieses Motto steht über dem Duell. Dass die vermeintlich lässige Einstellung nicht unbedingt ein Nachteil sein muss, zeigte ja das Achtelfinale zu Hause gegen den Sachsen-Anhalt-Ligisten SV Langenweddingen im November. Mit einer tollen Leistung – vielleicht der besten der Saison – kegelte Glinde damals das höherklassige Team mit 33:32 aus dem Wettbewerb.

Kein Druck im Pokal

Ja, die veränderte Ausgangslage kann sogar durchaus als Vorteil ausgelegt werden. „Da ist der psychische Druck nicht da“, meint Pysall. Befreit im Kopf bleibt das Zittern beim Wurf vielleicht aus. Trotzdem will der Glinder HV die Partie freilich dafür nutzen, um flexibler für die Zukunft zu werden. „Da können wir uns ein paar Alternativlösungen erarbeiten“, umschreibt es Pysall. Er denkt da an personelle Wechsel. Jüngere Spieler also, die sonst überwiegend auf der Bank schmoren müssen, dürfen darauf hoffen, zu breit angelegten Einsatzzeiten zu kommen.

Und vielleicht wird das Ringen mit den Wittenbergern beinahe genauso hart wie mit Langenweddingen im November. Denn in der heimischen Halle ist das Team im Saisonverlauf noch ungeschlagen. „Das sagt alles“, so Pysall. Mit Kevin Auer verfügt das Team zudem über den viertgefährlichsten Schützen der Liga. 109 Treffer, 7,27 Tore im Schnitt, sind eine brandgefährliche Marke für die Glinder Abwehr.

Das Selbstbewusstsein des GHV gebietet es mit sieben Siegen am Stück in der Liga aber auch, dem Gegner mit breiter Brust entgegenzutreten. „Wir werden uns nicht verstecken“, kündigt Pysall an. Der Glinder HV weiß, was er spielen kann und weiß, dass er gerade in Topspielen meist ein paar Prozentpunkte mehr herauskitzeln kann. Zuletzt schwächelte Wittenberg zudem in der Liga, kassierte vor einer Woche eine 33:35-Niederlage beim HC Burgenland II. Gegen jenes Team, das die Glinder Ende September in der 2. Runde des HVSA-Pokals mit 33:30 besiegten.

Also: Ist der Glinder HV „Eintracht“ sogar leichter Favorit in Wittenberg? So würde das Peter Pysall nicht formulieren. „Ich kann schlecht einschätzen, ob die Süd-Staffel schwächer oder stärker ist. Angeblich soll sie aber etwas schwächer sein.“ Was ja ebenfalls für die Glinder sprechen würde.

Bei allen positiven Omen muss das Team aber eine bessere Performance auf das Parkett bringen, als beim 30:28-Sieg vor eine Woche in der Liga beim Kellerkind Post SV Magdeburg II. Da waren die Vorzeichen aber anders. Gegen vermeintliche schwächere Teams tut sich Glinde oft schwer. Spiele gegen Topteams? Kann der GHV aber. Vielleicht auch morgen. Vielleicht auch bei Grün-Weiß Wittenberg-Piesteritz.