Schönebeck l Die Nachricht, dass Henning Stapf in der kommenden Saison nicht mehr der Trainer der SG Lok Schönebeck aus der Sachsen-Anhalt-Liga sein wird, kam sowohl für den Coach als auch für die Mannschaft mehr als überraschend. „Ich bin kein Trainer mehr. Der Verein hat bereits einen neuen gefunden“, sagt Stapf. Doch über die Umstände möchte er sich nicht weiter äußern. „Rein vom Sportlichen kann ich es mir nicht erklären“, meint Stapf. Mit dem Trainerwechsel kam auch direkt ein Spielerwechsel dazu. Mit Mario Meißner verlässt der Rechtsaußen die SG Lok und schließt sich dem Ligakonkurrenten HV Rot-Weiss Staßfurt an. „Beim Spiel gegen den BSV Magdeburg saß eine Delegation aus Staßfurt auf der Tribüne. Nach der Partie kamen Kevin Krause und Mario Meißner auf mich zu und sagten, dass sie ein Angebot bekommen haben.“ Doch beide Spieler zeigten vorerst wenig Interesse. Zusammen mit Stapf wollten beide Spieler in die neue Saison gehen. „Als die Mannschaft erfahren hatte, dass ich kein Trainer mehr bin, hat Meißner den Wechsel bestätigt“, sagt der Coach.

Mit Uwe Illig hat die SG Lok bereits einen neuen Mann gefunden. „Wir haben uns dafür entschieden, da wir einen Neuanfang planen“, sagt Dirk Schedlo, der Abteilungsleiter der Schönebecker. Illig passt dabei perfekt ins Konzept der Elbestädter. „Er macht eine gute Ausbildungsarbeit und hat die Reserve des HV Rot-Weiss erfolgreich in die Sachsen-Anhalt-Liga geführt. Viele Spieler haben unter seiner Leitung den Sprung geschafft“, sagt der Abteilungsleiter. „Vor einigen Jahren gab es bereits eine identische Situation in Staßfurt.“ Auch dort strebte der Verein einen Neufang an.

Trainer Stapf zufrieden mit der Saison

Dass die Entlassung nicht mit dem Sportlichen zu tun haben kann, beweist die Tabelle. Im ersten Jahr in der Sachsen-Anhalt-Liga konnte die SG Lok die Klasse halten. „Ja, schlussendlich bin ich zufrieden mit der Leistung“, sagt Stapf, konnte die SG Lok den einen oder anderen Stärkeren gehörig ärgern. Dennoch meint der Coach, dass „man auch noch nach dem einen oder anderen Krümel suchen könnte“. Vor allem die verschenkten Punkte wurmen den Coach auch nach dem Ende der Saison noch. „Am 3. Spieltag gegen Wittenberg hätten wir einen Punkt holen müssen. Auch beim HSV wäre ein Unentschieden möglich gewesen.“

Doch die Stärke des Teams lag durchaus in den Heimpartien. Sowohl positiv als auch negativ. Das Heimspiel gegen Dessau blieb dem Coach im Kopf (27:27). Negativ hingegen, der Vorfall in der Heimpartie gegen den SV Langeweddingen. „Da kam mein Vorfall mit der grünen Karte“, sagt Stapf lachend. Kurz vor Schluss stand es 27:26 für die Gäste aus Langeweddingen. Aufopferungsvoll kämpfte die SG Lok bis in die Schlusssekunden. Der Torwart Mark Illig reagierte schnell, holte den Ball aus dem Netz und beförderte diesen zu Robin Riedel. Der guckte, sah das der Torwart zu weit vor dem Kasten stand und traf. Doch Stapf legte zeitgleich die grüne Karte für eine Auszeit auf den Tisch. Der Sieg war damit vertan.

Doch auch wenn sich Fehler einschlichen, der Coach ist zufrieden. „Die Mannschaft ist über die Saison hinweg gereift. Einige Spiele waren schön mit anzusehen“, sagt Stapf zufrieden. Herausheben möchte der Coach aber niemanden, „denn die Last haben wir auf viele große Schultern verteilt“. Doch zwei dieser „großen Schultern“ werden in der kommenden Saison nicht mehr dabei sein. Neben dem wechselnden Meißner wird auch Mario Schröder den Verein verlassen. „Er hängt seine Schuhe an den Nagel“, sagt Schedlo. Wie es bei Henning Stapf weiter gehen wird, steht in den Sternen. „Für mich war die SG Lok immer der erste Ansprechpartner. Jetzt lasse ich die Dinge erstmal auf mich zukommen“, meint der Coach.

Uwe Illig hat klare Vorstellungen

Der neue Mann an der Linie hat sich bereits mit der Mannschaft bekannt gemacht. „Ich habe bereits die ersten zwei Einheiten geleitet, um die Jungs etwas kennen zu lernen“, so Illig. Der neue Weg bei der SG Lok ist daher klar. Junge Spieler sollen sich entwickeln und langzeitig zu Leistungsträgern werden. Illig ist dafür der richtige Mann. Als Trainer betreute Illig bereits zahlreiche Jugendmannschaften unter anderem die C-, die B- und die A-Jugend des HV Rot-Weiss. Auch als Trainer der zweiten Mannschaft in der Sachsen-Anhalt-Liga konnte Illig überzeugen. Weiterhin war Illig im Vorstand tätig. Nach anderthalb Jahren Pause übernimmt er jetzt die neue Aufgabe.

Nachdem die SG Lok den Neuanfang anstrebte, kam der Verein auf den neuen zu. „Da Mark mein Sohn ist, war ich oft in Schönebeck zugucken. Dort wurde ich gefragt und habe zugesagt.“ Und der Trainer hat eine klare Linie. „Eine Trennung von erster und zweiter Mannschaft gibt es bei mir nicht. Das stärkt den Gemeinschaftsgedanken und es entsteht keine Klassenhierachie zwischen den Mannschaften“, sagt Illig. Große Probleme wird es aber nicht geben, da die zweite Mannschaft bereits wieder vom Spielbetrieb abgemeldet wurde.

Zwei Neuzugänge stehen bereits fest. Die Position von Meißner soll Florian Willner von Germania Borne füllen, „auch wenn es schwer wird, Meißner zu ersetzen“. Der zweite Neue ist Tommy Minet aus der A-Jugend des HV Rot-Weiss. Der Rückraumspieler soll die Position von Schröder besetzen. „Er soll aber langsam herangeführt werden.“ Ein dritter Neuzugang ist im Gespräch, doch sowohl Schedlo als auch Illig halten sich bedeckt. Mit einem neuen Team und einem neuen Trainer schlägt der Verein aus der Elbestadt nun einen neuen Weg ein. „Es ist eine gute Gelegenheit für mich. Wenn man ein eingespieltes Team hat, kann ich keine eigenen Gedanken einbringen. Ob im Endeffekt alles fruchtet, weiß ich nicht. Das wird sich zeigen.“ Aber die Voraussetzungen sind gegeben für die neuen Wege der SG Lok Schönebeck.