Staßfurt l „Sind sie zu stark, bist du zu schwach“, lautet der Werbeslogan eines bekannten englischen Pastillenherstellers. Ein wenig passte er am Sonnabend auch auf die Leistung der SG Lok Schönebeck. Der Außenseiter aus der Elbestadt war über 60 Minuten nicht in der Lage, die favorisierten Staßfurter ernsthaft herauszufordern. Und so reichte den Rot-Weissen eine insgesamt solide Leistung, verbunden mit einem starken Zwischenspurt zwischen der zehnten und 40. Minute, um verdient die zwei Pluspunkte auf dem eigenen Zählerkonto zu verbuchen.

„Es war kein schönes Spiel. Meiner Mannschaft hat man die dreiwöchige Spielpause deutlich angemerkt. Da kannst du trainieren, wie du willst, das ist mit einem Pflichtspiel nicht zu vergleichen“, hatte Staßfurts Trainer Sebastian Retting den Grund für die durchwachsene Leistung seiner Sieben ausgemacht. Am souveränen und völlig verdienten Erfolg änderte dies jedoch nichts. „Wenn wir noch zehn Gegentore mehr kriegen, können wir uns auch nicht beschweren. Man muss sagen, dass uns unser Torwart mit vielen Paraden noch gut geholfen hat. Unsere Angriffsleistung war insgesamt zu schwach“, ärgerte sich Gästetrainer Sebastian Roost. Besonders wurmte den Coach, dass seine Mannschaft sich zu viele technische Fehler erlaubte und nicht die Vorgaben erfüllte. „Staßfurt ist eine Mannschaft, die nicht unbedingt gern verteidigt. Ich verstehe nicht, warum dann genau das, was ich im Vorfeld ansage, nicht umgesetzt wird“, kritisierte Roost sein Team deutlich. Die Kritik darf sicherlich als Weckruf verstanden werden, denn nach der Niederlage bei Schlusslicht HSV Magdeburg eine Woche zuvor sind die Schönebecker im Abstiegskampf mit 4:16-Zählern nun endgültig mittendrin statt nur dabei. Die Staßfurter mischen nach dem Pflichtsieg indes weiter an der Spitze mit und haben das Ziel Aufstieg weiter fest im Visier.

Spiel früh entschieden

Echte Derbystimmung kam in der nur spärlich besetzten Salzland-Sporthalle unterdessen nicht auf. Zwar gestalteten die Schönebecker das Ergebnis etwa zehn Minuten lang halbwegs offen (4:3/8.), doch dann zog Staßfurt nach und nach bis auf sechs Treffer Vorsprung davon. Zur Halbzeit stand es 15:10. Dabei fiel auch die Hinausstellung von Rot-Weiss-Leistungsträger Danijel Arapovic (19.) kaum ins Gewicht. Der Kroate ließ sich zu einem Nachschlagen hinreißen. „Ich denke, die Entscheidung war zu hart. Er wird festgehalten und schlägt dann beim Losreißen nach hinten aus. Das ist eine Situation, wie sie immer mal vorkommt“, befand Staßfurts Trainer Retting. Schönebecks Übungsleiter pflichtete ihm bei: „Ich habe die Situation nicht richtig mitbekommen, aber meine Spieler sagen, dass er nach hinten schlägt, aber niemanden trifft. Es war wohl keine Rote Karte nötig“, so Sebastian Roost. Entscheidend war die Szene für den Spielausgang letztlich aber nicht. Denn angeführt vom starken Zehnfach-Torschützen Tim Steffen marschierte Staßfurt uneinholbar davon. Zwölf Tore Vorsprung waren es beim 24:12 in Spielminute 43 bereits. „Unsere 5-1-Abwehr hat gut funktioniert und auch das Spiel mit zwei Kreisläufern hat mir gefallen. Das ist eine Variante, die wir sicher öfter bringen können“, unterstrich Rot-Weiss-Coach Retting das, was ihm am Spiel seiner Sieben gut gefiel. Weniger positiv wird dem Staßfurter Übungsleiter die Schlussphase in Erinnerung bleiben. Denn in dieser offenbarten die Bodestädter zu viele Lücken in der Deckung, welche den Schönebecker doch noch zahlreiche einfache Tore ermöglichten und auch im Angriffsspiel reihte sich eine Ungenauigkeit an die andere. Im sicheren Gefühl des Sieges war der offensichtliche Spannungsabfall jedoch ein menschlich nachvollziehbarer Zug. Doch auch wenn das Ergebnis insgesamt weit auseinander ging, das Fazit ist für beide Mannschaften gleich. In den kommenden Partien müssen sie sich steigern, um die jeweiligen Saisonziele nicht aus den Augen zu verlieren.

HV Rot-Weiss Staßfurt: Schliwa, Kleineidam – Reiske (4), Ernst (1), Jacobi (2), Steffen (10), Steinbrink (1), Rach (1), Hoffmann, Strnad (4), Schöne (2), Lück (2), Arapovic (3), Meißner

SG Lok Schönebeck: Dobertin, Knörich – Heimesath (4), Kessel (1), Schulz (1), Ernst (5), Haverland, Forth (2), Bullmann (1), Riedel (3), Willner, Meyer (2)

Siebenmeter: Staßfurt 5/3 – Schönebeck 1/1

Zeitstrafen: Staßfurt 2 – Schönebeck 2

Rote Karte (o. B.): Danijel Arapovic (19./Staßfurt)