Calbe l Ganz am Ende hatte auch schon René Hulha wieder den Blick für das große Ganze. Zwar hatten die Handballer der TSG Calbe aus der Sachsen-Anhalt-Liga am Sonnabend gerade das Rückspiel im Pokalfinale gegen den BSV 93 Magdeburg mit 24:29 (12:15) verloren, aber bei der Siegerehrung nach dem Spiel schritt auch der derzeit verletzte Mittelmann der Saalestädter mit dem Sohnemann auf den Schultern schon wieder gut gelaunt in die Reihe der Mitspieler.

Die Medaillenübergabe für den zweiten Platz im Landespokal wurde vollzogen, an der auch Hulha bis zu seiner Verletzung einen Anteil hatte. Und wer ganz genau hinsah, erkannte, dass da schon das eine oder andere stolze Lächeln über die Lippen ging. Aus Stolz über eine wirklich erfolgreiche Saison, der auch die Pleite am Sonnabend vor großer Kulisse bei sehr sommerlichen Temperaturen nichts anhaben konnte. Dabei hatte Abteilungsleiter Gunnar Lehmann wenige Minuten nach dem Ende der Partie noch knackig das Dilemma der Calbenser zusammengefasst. „Wir hatten zwei schwarze Tage.“ Nicht nur im Hinspiel, sondern auch im Rückspiel.

Fünf Tore hätten die Calbenser nach der 23:28-Niederlage vor drei Wochen in Magdeburg gegen den Liga-Kontrahenten aufholen müssen. Das gelang nicht mal ansatzweise. Nur einmal beim 4:3 (11.) ging Calbe in Führung, der letzte Ausgleich gelang beim 16:16 (40.), doch in die Nähe der Überraschung kam Calbe nie.

Kaum Kontertore durch die Calbenser

Warum? Weil die TSG-Handballer die gleichen Unzulänglichkeiten zeigten wie im Hinspiel. Wie schon in Magdeburg kam die Sieben um Trainer Andreas Wiese nie in das schnelle Konterspiel, das die Mannschaft so gerne aufzieht. Kontertore der Saalestädter waren über die 60 Minuten an einer Hand abzuzählen. Dabei stand die Abwehr gar nicht mal so schlecht. „Wir hatten ja Ballgewinne, werfen es dann aber weg, bekommen die Abpraller nicht“, erklärte Wiese. „Zudem wurden unsere Konter von den Schiedsrichtern oft unterbrochen.“ Nein, eine Schuld an der Niederlage trug das Gespann freilich nicht. Aber: „Dadurch wurde unser Rhythmus immer wieder unterbrochen. Das hat uns das Genick gebrochen.“

Und die Magdeburger konnten ihr körperbetontes Spiel in Ruhe durchziehen. „Wir tun uns immer schwer gegen den BSV“, sagte Wiese. „Man muss aber sagen, dass die Magdeburger verdient gewonnen haben. Die waren einfach lockerer.“ Und so brachte auch die furiose Abwehr-Formation der Calbenser nichts. So agierte die TSG lange mit einer doppelten Manndeckung durch Marius Schwarz gegen Janis Auerbach und Maximilian Weiß, der nach der Erwärmung den Daumen hob für einen Einsatz, gegen John Bade. Natürlich gab es aber dahinter dadurch große Lücken im aufgelockerten Abwehrverbund. Die Tore für den BSV 93 fielen oft zu leicht.

Und auch mit der etwas defensiveren 5:1 oder 6:0 in der zweiten Halbzeit richtete Calbe gegen die Gäste kaum etwas aus. Zudem schwang sich Calvin Kleineidam im Tor der Magdeburger zum Matchwinner auf. Immer wieder schwang dieser seine Faust nach Paraden in Richtung Publikum. Wobei auch die andere Seite der Medaille erwähnt werden muss. „Die Chancenverwertung war nicht gut“, sagte Wiese. Viel zu unplatziert und zu einfach geworfen waren die Bälle der Calbenser. So hatte Kleineidam oft leichtes Spiel.

Zum Ende der Partie wich dann die Anspannung. Spätestens mit drei Toren in Folge zum 19:16 (44.) hatte der BSV 93 den Calbensern den Zahn gezogen. Der Rest des Spiels glitt langsam aus. „Klar ist die Enttäuschung groß. Vor allem in eigener Halle“, meinte Wiese. „Ich hätte den Pokal gern auch mal als Trainer geholt.“ Das war ihm 2003 mit der SG Eintracht Glinde als Spieler gelungen. „Aber der Pokal war Zubrot. Die Liga war wichtiger.“ Und da fiel das Arbeitszeugnis mit dem dritten Rang ja sehr positiv aus. „Wir haben eine geile Saison gespielt“, freute sich Wiese.

Kurzausflug nach Mallorca

Wie es jetzt weiter geht? „Wir werden uns jetzt mal eine Woche nicht sehen“, so Wiese. Da gibt es auch komplett trainingsfrei. „Ein Teil der Spieler fliegt nach Mallorca“, verriet der Trainer. Am Sonntag hob der Flieger ab. Zur Mitte der Woche sollen die Kurzurlauber aus Calbe wieder in der Heimat einfliegen. Und danach werden sich die TSG-Handballer schon wieder zu ersten kleinen Einheiten zusammenfinden und sicher auch noch einmal reden. Der Makel vom vergangenen Sonnabend wird da noch eine Rolle spielen. Das Gesamtbild wird er aber nicht trüben.

Calbe: Wiederhold, Bertram, Krautwald – Walther (1), Barby, Krause (1), Gieraths (5), Lück (2/1), Rätzel, Schwarz (3), Harig, Weiß (7/2), Sowa, Reiske

Siebenmeter: Calbe 4/3 – BSV3/3 Zeitstrafen: Calbe 4 – BSV 2