Berlin (kla/fna) l „Ladies first“ mit Lotte und Luise Averkorn sowie Selena Pfannenschmidt. Den Anfang machte Luise (bis 28 Kilogramm). Sie sah sich in einem Pool mit drei Gegnerinnen wieder, in dem Jeder-gegen-Jeden gekämpft wurde. Ihren ersten Kampf gegen Saskia Walter vom SV Berlin 2000 beendete sie kurz und schmerzlos mit einem Ippon-Seoi-Nage. Gegen Amina Ibahiev vom Judo-Team Berlin, der Lokalmathadorin, war es ein spannender Kampf, in dem Luise durch bessere Aktionen klar die Nase vorn hatte. Doch auch Amina blieb gefährlich. Nach mehreren Minuten und einigen umstrittenen Situationen, in denen die Schönebeckerin schon längst eine Wertung verdient hätte, passierte, was passieren musste. Die Kampfrichter gaben Luise einen Shido, um den Kampf vor dem „Goldscore“ zu beenden und Amina vor einer Niederlage zu schützen. Sichtlich enttäuscht verließ Luise die Matte. Im letzten Kampf gegen Johanna Rejall von den Tempelhofer Judo Freunden fackelte die Schönebeckerin nicht lang und gewann mit einer Festhalte.

Lotte dominiert, verliert den Kampf aber

Lotte (bis 30 Kilogramm) traf dieses Schicksal direkt im ersten Kampf gegen Kiara Marie Eichstädt vom JC Samura Oranienburg. Nur war es in diesem Fall noch eindeutiger, denn Lotte dominierte den Kampf von Anfang an, erhielt für einen Ippon-Seoi-Nage einen Yuko und für einen Konter einen Waza-ari. Kurz vor Schluss griff dann auch mal Kiara an. Lotte fiel etwas langsam hinterher und auf die Seite, was den Kampfrichter direkt dazu veranlasste, einen Ippon zu geben, sodass Lotte den Kampf dadurch ungerechterweise verlor. Ihre anderen beiden Duelle gegen Kathrin Krause vom PSV Olympia Berlin und Helin Graßnick vom BC Randori Berlin gewann sie mit schönen Techniken wie einem Ko-Uchi-Maki-Komi schnell.

Selena Pfannenschmidt musste solche Aktionen gleich zweimal durchleben. Direkt im ersten Kampf gegen Nora Ruppelt vom PSV Berlin werte Selena einen Angriff gekonnt ab und rollte sich so ab, dass der Rücken die Matte nicht berührte. Dennoch bekam Nora einen Ippon. Schwamm drüber und weiter – die Chance auf das Finale bestand immer noch. Im zweiten Kampf musste Selena gegen die stärkere Lea Gaza vom PSV Olympia Berlin gewinnen, um ins Halbfinale einziehen zu dürfen. Dabei sah man wieder die alte Selena, die wusste, wie man sich durchbeißen muss. Stark im Griff und mit einer taktischen Linie bestimmte sie den Kampf, in dem sie einen Yuko für eine Ippon-Seoi-Nage Ko-Uchi-Maki-Komi Kombination erhielt. Diesen Vorsprung hielt sie geschickt über die gesamte Kampfzeit.

Im Halbfinale stand mit Lea Stahlbock vom Shidosha Berlin, die ihres Zeichens alle Turniere in diesem Jahr gewann, wieder eine Lokalmatadorin gegenüber. Aber Selena ließ sich davon nicht beeindrucken, setzte die klaren Akzente und brachte die Berlinerin zum Verzweifeln. Wieder hart im Griff und immer ein bisschen schneller, konnte Selena ihre Angriffe durchsetzen. Dennoch blieb die Wertung in diesem sehr harten Kampf auf beiden Seiten aus. Schon mehrmals hätte Lea eine Bestrafung wegen ihrer defensiven Kampfweise verdient gehabt, doch dies blieb aus. Im „Goldscore“ nutzten die Kampfrichter die erste Aktion von Lea. Selena wehrte den Angriff ab und fiel lediglich auf ihr Gesäß. Für diesen Wurf bekam die Berlinerin jedoch eine Wertung, die ihr den Finaleinzug sicherte. Traurig daran war, dass Selena mehrere solcher Aktionen schon in der regulären Kampfzeit erzielte.

Die Enttäuschung war groß und viele Worte vermochten da nicht trösten. Zusammen mit Trainer Kevin Ladebeck schaute sich Selena das Finale an. Dann verstand sie, was passiert war. Auch im Endkampf erhielt Lea einen Ippon für einen Wurf, der ihre Gegnerin lediglich auf die Seite brachte. Das Gute war, dass die drei Schönebeckerinnen mit solchen Situationen gut umgehen und sie schnell verarbeiten können. „Doch es ist nicht schön, wenn in diesem Alter schon solch ein Erfolgsdruck ausgeübt wird“, betonte Ladebeck.

Eine besondere Erfahrung für Schöne

Die Jungen ließen hingegen nichts anbrennen. Die Drei durften an diesem Tag noch eine etwas andere Art der Erfahrung machen. Jean Luc Moritz und Jason Tausch starteten wie immer zusammen in einer Gewichtsklasse (bis 31 Kilogramm). Beide gewannen ihre Vorrunden mit starken Leistungen, sodass sie zur Freude des Trainers im Finale einer qualitativ sehr hochwertigen Gewichtsklasse aufeinander trafen. Erstmals entschied Jason den Kampf mit einem O-goshi für sich. Eine starke Leistung der beiden Schönebecker, die ihre Gewichtsklasse dominierten.

Niklas Tausch setzte sich in seinen beiden ersten Kämpfen über die drei Minuten Kampfzeit klar durch. Im Halbfinale konterte er einen schwachen Angriff seines Gegners mit einem Handwurf. Durch die anschließende Festhalte zog er ins Finale ein. In diesem traf er auf einen Sportschul-Anwerter. Für beide ging es darum, die Landestrainer in Berlin zu überzeugen, einen der sechs Plätze verdient zu haben. Im Endkampf stellte Niklas seine Klasse unter Beweis. Nach nur 30 Sekunden ging die taktische Falle auf. Mit einem Tomoe-Nage am Mattenrand beendete Niklas den Kampf mit einem Ippon.

Laurent Herms (bis 43 Kilogramm) fühlte sich in seiner neuen Gewichtsklasse so wohl, dass er alle seine vier Kämpfe mit einer anderen Technik auf Ippon gewann. Auch er war ein Bewerber für die Sportschule. Im Finale beendete er den Kampf mit einem linken Ushi-Mata.

Julien Freiheit sichert sich den Sieg

Julien Freiheit (bis 50 Kilogramm) war der Letzte in der Reihe, der sich beweisen wollte. Auch er schickte seine ersten beiden Gegner mit Ippon von der Matte. Nur sein Finalgegner aus Hoppegarten machtees ihm etwas schwerer. Doch auch hier setzte sich Julien am Ende der Kampfzeit durch.

Das wirklich erstaunliche war, dass alle drei Jungen zur siebten Klasse nach Berlin an die Elite Schule des Sports, dem SC Berlin, wechseln dürfen. Dort werden jedes Jahr nur sechs Schüler aufgenommen. Drei davon kommen aus Sachsen-Anhalt vom 1. Schönebecker Judoclub.