Schönebeck l Zuweilen hantiert auch Johannes Vetter gerne mit Zahlen, die oft ja so viel aussagen. Heute steht in Schönebeck der 13. Solecup an. Auch der aktuelle Speerwurf-Weltmeister von London und aktuelle deutsche Rekordhalter gibt da seine Visitenkarte im Duell mit Olympiasieger Thomas Röhler ab. Aber die erste Teilnahme beim Solecup ist es nicht. „Ich war 2011 schon mal hier“, sagt Vetter. „Damals habe ich mit 68,80 Meter eine persönliche Bestleistung geworfen und die Qualifikation für die U 20-Europameisterschaft geschafft.“

Vetter zufrieden mit der Anlage

Heute kann der 25-Jährige darüber lächeln. Und doch zeigt der Sprung auf den heutigen Bestwert von 94,44 Meter, was für eine erstaunliche Entwicklung der gebürtige Dresdner in den vergangenen sieben Jahren hingelegt hat. Wie ein Komet ist Johannes Vetter in den vergangenen Jahren am Speerwurf-Himmel aufgetaucht, schnappte sich erst den deutschen Rekord im Juli 2017 und kurz darauf auch den WM-Titel. Seitdem ist viel auf ihn eingeprasselt. „Das war ein geiles Gefühl. Für mich ist das alles ein riesengroßes Abenteuer.“

Das immer weiter geht. Und auch in Schönebeck will er die Zuschauer heute verzücken. Am gestrigen Donnerstag testete er dabei schon einmal die Anlage. Die wurde seit seinem letzten Besuch im Jahr 2011 umgebaut und ist in gutem Zustand für absolute Top-Weiten. Der Anlauf ist etwas zu kurz, aber passt. Die Tartanbahn ist gut. „Ich würde alles so lassen“, sagt der Modellathlet nach der ersten Begehung.

Er freut sich, auch auf das Duell mit Thomas Röhler. Das spannend verlaufen soll, aber kein Kampf unter erbitterten Rivalen ist. Abseits der Bahn verstehen sich die beiden. Mehr noch: „Wir sind Kumpels“, sagt Vetter. Privat verbringen die beiden Topstars der deutschen Leichtathletik-Szene zwar keine Zeit miteinander, weil Vetter in Offenburg und Röhler in Jena trainiert. Aber bei Meetings verbringen die hochdekorierten Speerwerfer schon mehr Zeit miteinander, als sie müssten. „Da frühstücken wir zusammen, trinken danach ein Bierchen zusammen oder gehen zusammen einkaufen in die Mall. So etwas würde ich nicht mit jemanden machen, der nicht mein Kumpel ist.“ Da wird dann auch über Dinge gefachsimpelt, die nichts mit Sport zu tun haben. „In Doha haben wir uns zum Beispiel darüber unterhalten, welche Autos wir uns zulegen wollen“, erzählt Vetter lachend.

Persönliche Bestleistung verbessern

Doha ist dabei ein gutes Stichwort. Beim Diamond-League-Meeting vor zwei Wochen in der katarischen Hauptstadt lieferten sich die beiden beim ersten Schlagabtausch im neuen Jahr ein Duell der Extraklasse. Röhler hatte mit 91,78 Meter knapp die Nase vorn vor Vetter (91,56 Meter). Mit dem Mannheimer Andreas Hofmann warf sogar noch der drittplatzierte Athlet über 90 Meter (90,08 Meter). So etwas hat es davor noch nie gegeben. Fast im Wochentakt schreiben die deutschen Speerwerfer Geschichte. Für Vetter war der Wettkampf in 2018 aber bereits der dritte, bei dem er die 90 Meter knackte. Das gelang ihm auch beim Winterwurf-Europacup in Leiria (Portugal) im März (92,70 Meter) und bei einem Test-Wettkampf im südafrikanischen Potchefstroom Ende Februar (91,22 Meter). Schönebeck kann sich warm anziehen. Die 90 Meter sind doch eine Fingerübung geworden, oder? Die Erwartungen sind gestiegen. „Aber 87 oder 88 Meter sind auch super klasse.“ Trotzdem geht Vetter mit einem klaren Ziel in den Sommer. Er will seine persönliche Bestleistung von 94,44 Meter verbessern. Der Titel bei der Heim-EM im August in Berlin soll auch her. Das sind normale Ansprüche eines Weltmeisters.

Dafür hat der 25-Jährige im Oktober auch die Ernährung umgestellt. „Das hat ein paar Prozente herausgekitzelt“, sagt Vetter. So verzichtet er zum Beispiel komplett auf Fast Food und Fertiggerichte. Gekocht wird täglich. Sind damit sogar irgendwann die 100 Meter möglich? Ein festgelegtes Ziel ist das nicht. „Das überlasse ich Thomas“, sagt Vetter und grinst dabei. „Wenn es passiert, dann passiert es.“ Er weiß nur eines: Es sind mehr möglich als 94,44 Meter. Der Weltrekord steht seit 1996 bei 98,48 Meter durch Jan Zelezny. Vielleicht fällt dieser in den nächsten Jahren tatsächlich.

Doch bei all der Weitenjagd ist Vetter auch ein grundsympathischer Mensch geblieben. Medienanfragen gibt es zuhauf, der Rummel ist groß. „Aber ich verstelle mich nicht. Ich möchte kein Klischee sein und bin immer offen und ehrlich.“ Dass das funktioniert, zeigen die Rückmeldungen nach Aufritten bei der Talkshow „Riverboat“ oder beim „Tigerenten Club“. „Ich bekomme danach immer viel Feedback, dass ich mich super verkauft habe und sehr freundlich bin.“ Johannes Vetter ist eben auch trotz herausragender Erfolge ein Star zum Anfassen geblieben, ein Kumpeltyp.