Schönebeck l Mit der Tour de France, dem Giro d‘ Italia und der Vuelta a España konnte die DDR-Rundfahrt 1962 ganz sicher nicht mithalten, führte aber immerhin durch den Salzlandkreis. So fand das Highlight der Tour, die Zielankunft der Schlussetappe in Schönebeck statt. Eines der Highlights im Sportjahr 1962 in der Region. In unserer heutigen Ausgabe der Rubrik „Blick zurück“ beleuchten wir die Rundfahrt und ihre wichtigsten Protagonisten.

Ampler dominiert

Absoluter Dominator der Rundfahrt war Klaus Ampler. Der damals amtierende DDR-Meister zeigte bereits auf dem ersten Teilabschnitt, das er den Gesamtsieg anstrebt. So enteilte Ampler, der für den SC DHfK Leipzig startete, schon auf der ersten Etappe dem Feld. Zusammen mit Helmut Zirngibel (ASK Vorwärts Leipzig) fuhr er über eine Minute Vorsprung heraus und schlüpfte ins gelbe Trikot des Gesamtführenden. Dieses gab er bis zum Ende der Rundfahrt am 22. August 1962 nicht mehr ab. Durch seinen Erfolg auf dem längsten Teilstück über 220 Kilometer von Bad Langensalza nach Plauen (3. Etappe) hatte Ampler bereits fünf Minuten Vorsprung herausgefahren. Neben diesem Sieg, den Ampler dank einer 42 Kilometer langen Alleinfahrt ergatterte, dominierte er auch das Einzelzeitfahren der 6. Etappe über 52 Kilometer zwischen Zittau und Görlitz. Das bedeutete schlussendlich drei Tageserfolge für ihn.

Immerhin zwei Einzelerfolge fuhr Manfred Weißleder vom SC Wismut Karl-Marx-Stadt ein. Er rollte auf den Abschnitten zwei (in Bad Langensalza) und vier (Zschopau) als Erster über den Zielstrich. In der Gesamtwertung belegte er Rang fünf. Platz vier des Klassements ging an Gustav Adolf, genannt „Täve“, Schur. Der gebürtige Heyrothsberger hatte die Rundfahrt im Jahr zuvor gewonnen. Im Jahr 1961 distanzierte er Ampler mit über fünf Minuten Vorsprung. Vor allem seine fünf Etappensiege auf den ersten fünf Tagesabschnitten untermauerten die Leistung des neunfachen Sportlers des Jahres der DDR eindrucksvoll. Im Jahr 1962 lief es jedoch nicht ganz so rund. Immerhin konnte Schur, der später sogar Bundestagsabgeordneter wurde, eine Etappe gewinnen. Er entschied das fünfte Teilstück zwischen Zschopau und Zittau für sich.

Bilder

Chemie-Stadion als Zielort

Weitere Tagessiege erspurteten Siegfried Kettmann in Finsterwalde (7. Etappe) und Rüdiger Tanneberger auf der 8. Etappe mit dem Ziel in Brandenburg. Von dort aus ging es dann auf dem Schlussabschnitt in Richtung Schönebeck. In der Elbestadt hinterließ dann Egon Adler vom ASK Vorwärts Leipzig bleibenden Eindruck. Nach 3:19:44 Stunden rollte Adler als erster über den Zielstrich. In der Gesamtwertung spielte er auf den vorderen Plätzen jedoch keine Rolle. Der Zielstrich in der Elbestadt lag damals übrigens in der Magdeburger Straße: „Zielort war das frühere Chemie-Stadion“, berichtet Zeitzeuge Dieter Langner, der mit seiner Kamera auch einige Fotos von der Sportveranstaltung machte. Besonderen Eindruck macht rückblickend vor allem die körperliche Erfrischung der Fahrer nach dem Rennen. Denn während die Profis heutzutage nach einem Rennen in klimatisierte Reisebusse steigen und dort eine warme Dusche nehmen können, sah das vor fast 60 Jahren noch ganz anders aus. Auf dem Stadiongelände waren lediglich Waschschüsseln aufgestellt, an denen sich die Fahrer mit einem Stück Seife nur kümmerlich erfrischen konnten.

Den Gewinnern, speziell Gesamtsieger Klaus Ampler, wird dies unter dem Strich aber wohl ziemlich egal gewesen sein.