Schönebeck l Im vergangenen Jahr brach sich der Schwimmer Tobias Volk von Union Schönebeck das Bein. Davon ließ er sich aber nicht aus der Bahn werfen. Acht interne Titel hält er, in einer Abteilung, die bei Union fast in der Versenkung verschwindet. Eine schwere Verletzung wie ein Beinbruch ist für viele Sportler das Ende der Karriere. Meist unter Schmerzen wird der geliebte Sport weiter ausgeübt. Anders hingegen war es bei Tobias Volk. Der Schwimmer von Union Schönebeck musste sich acht Wochen mit einem Gips begnügen, bevor er wieder ins Wasser ging. Aber weiterhin ist Volk in Diensten der Elbestädter bei der drittgrößten Abteilung für viele interne Rekorde zuständig. Doch in die Öffentlichkeit geraten davon nur wenige. Acht Stück sind es, und weitere sollen dazukommen.

Doch wie kam Volk, der nebenbei auch etwas Fußball bei der SG TSV Grün-Weiß Kleinmühlingen/Zens II/BSV Eickendorf spielt, eigentlich zum Schwimmen? „Es war meine Mutter, die selbst bei Union geschwommen ist“, erzählt er. Kathrin Volk nahm ihren Sohn mit die Schwimmhalle, zeigte ihm die Vorteile und den Spaß am Sport. „Durch die Familie bin ich dann immer dran geblieben und habe trainiert. So richtig gestartet habe ich ab der Schulzeit“, erinnert sich Volk. Da war er sechs Jahre alt.

Und seitdem sind viele Pokale, Urkunden und Medaillen hinzugekommen. Egal ob kleine Veranstaltungen, Deutsche oder Norddeutsche Meisterschaften. Volk landete mehrmals auf dem Treppchen, wie in diesem Jahr bei den Deutschen Meisterschaften in Halle. Dort erreichte der 22-Jährige über 200 Meter Rücken den zweiten Platz und über die 1500 Meter im Kraulen den Bronzerang. Dabei zählen Langstrecken nicht mal zu seinen Stärken. „Ich bin eher der Sprinter“, sagt er selbst. Das Training ist für Außenstehende dabei relativ eintönig. Ab in das Becken und dann Bahnen hoch und runter. In Intervallen werden so Schnelligkeit und Ausdauer trainiert.

Aber gänzlich ohne geht es nicht. „Natürlich musst du auch Talent haben. Es gibt Schwimmer, die kommen ein Mal die Woche zum Training, andere drei Mal und beide sind auf dem gleichen Stand.“ Auch Volk geht drei Mal regelmäßig für eine Stunde zum Training. Nur so lassen sich die Erfolge sammeln. „Man muss auch etwas den inneren Schweinehund überwinden. Du musst permanent dabei bleiben.“

Eine große Stütze ist ihm dabei Andreas Suck. Der 32-Jährige agiert für Volk wie ein Motivator, an dem er sich messen kann. „Vergleichen kann man uns aber nicht. Andreas ist eher der Langstreckenschwimmer“, so Volk. Aber lernen kann er von ihm viel. So hält Stuck auch den inoffiziellen Deutschen Rekord im Ausdauerschwimmen. Wieder ein Aspekt, der kaum Anerkennung bekommt.

Auch für Volk wäre eventuell eine größere Laufbahn im Schwimmen möglich gewesen, doch seine Eltern entschieden sich gegen diesen Schritt. „Die einzige Alternative wäre der SC Magdeburg gewesen“, doch dafür hätte Volk bereits im Kindesalter auf ein Internat gemusst. Ist es vielleicht ein weit entferntes Ziel vom 22-Jährigen? „Ich glaube, die Tür ist endgültig zugefallen. Wenn du diese Chance einmal verstreichen lässt, wird sie nie wieder kommen.“

Training in Gruppen

Doch traurig wirkt Volk darüber nicht, sammelt er doch bei Union viele Erfolge. Mehr als 200 Mitglieder hat die Abteilung bisher, ist damit die drittgrößte Sparte im Gesamtverein Union Schönebeck. Anzumerken ist der große Zuwachs auch an der Trainingsbeteiligung. „Wir trainieren in Gruppen, die meist aus 15 bis 25 Leuten bestehen. Dabei werden diese so eingeteilt, dass immer Gleichstarke miteinander ins Becken gehen“, erklärt Volk. Auf fünf Bahnen verteilen sich die Schwimmer, doch der Verein würde auch zehn voll bekommen.

Für Volk hat der Sport viele positive Aspekte. „Wenn du eher ein Einzelsportler bist, ist Schwimmen genau richtig. Zudem hast du immer das gleiche Wetter. Die Halle und das Wasser sind immer warm, anders als beim Fußball.“ Diese Sportart nutzt er, um einen Ausgleich zu schaffen. „Ich gehe da aber nicht zum Training und spiele nur, wenn ich keine Wettkämpfe habe“, sagt er.

Mit seinem Beinbruch musste er auch dieser Sportart pausieren, hat inzwischen beim Schwimmen aber keine Schmerzen mehr. Ein weiterer Vorteil, denn Verletzungen sind eher die Ausnahme. „Nach meinen acht Wochen Pause habe ich eine Art Schuh bekommen, den ich immer übergezogen habe“, meint Volk, der kurze Zeit später wieder im Wasser war. „Ich habe dann nur mit den Armen geschwommen und mich mit einem Fuß abgestoßen.“ Eine große Umstellung war das aber nicht.

Mittlerweile ist das Bein wieder voll funktionstüchtig und Volk geht weiterhin auf Erfolgsjagd. „Wenn der Körper zu solchen Leistungen im Stande ist, gibt es keine Probleme“, meint Volk selbst. Und eins kommt immer dazu: Ohne Fleiß, kein Preis.