Schönebeck l Im Rollstuhl, mit dem Rollator oder allein kommen die Teilnehmer der Parkinson Regionalgruppe in Schönebeck in die Turnhalle und setzen sich auf ihren Platz. Angeregt unterhalten sich die älteren Menschen untereinander, teilen aber ein gemeinsames Schicksal: Parkinson, umgangssprachlich auch Schüttelkrankheit genannt. Doch eine Frau hat es sich zur Aufgabe gemacht, diesen Menschen zu helfen. Und das mit viel Spaß und Freude, aber auch sportlicher Betätigung. Denn ohne Sport kann Ingrid Frank selbst auch nicht leben. Seit 23 Jahren betreut sie die Gruppe, die dem SV Pädagogik Schönebeck angehört. Für ihr ehrenamtliches Engagement wurde die 77-Jährige nun ausgezeichnet. Ehrungen erhielten 14 Personen. Holger Stahlknecht, Sachsen-Anhalts Minister für Inneres und Sport, überreichte die Urkunden und Pokale.

Was war das für ein Gefühl? „Ich war sehr nervös. Es war aber eine sehr schöne Veranstaltung. Es war faszinierend, wie viel die einzelnen Leute ehrenamtlich leisten“, sagt Frank. Und die 77-Jährige gehört dazu. Einmal in der Woche trifft sich die Gruppe zum Sport, jeden letzten Donnerstag im Monat wird gekegelt. Einen großen Anteil daran, dass Frank ausgezeichnet wurde, hatte Hella Richter, die Leiterin der Reha-Abteilung des SVP. Sie hatte von der Auszeichnung gehört und Ingrid Frank vorgechlagen. Verein und Kreissportbund mussten den Vorschlag genehmigen und dann wurde er eingereicht. Mit Erfolg.

Ingrid Frank hilft überall

„Sport ist mein Leben. Aber natürlich auch meine Familie“, sagt Frank, die 1996 beim damaligen KreissportbundSchönebeck eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (ABM) übernahm. Das machte die 77-Jährige bis zu ihrer Rente. 11 Sportgruppen leitete Frank bei der WSG Einheit Schönebeck. „Das war ein Glücksgriff, ich habe aber auch viel dafür getan“, sagt sie und das wird von Richter bestätigt. „Aber nicht nur für die Sportgruppe. Auch für mich. Ich selbst habe kein Auto und Ingrid fährt mit mir überall hin.“

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Das ist auch der Grund, warum Frank weiterhin als Übungsleiterin der Gruppe aktiv ist. Sie hilft allen Menschen. „Jeder hilft hier jedem“, sagt die 77-Jährige, die Trainerin mit eingeschlossen. Doch ganz so einfach ist die Vorbereitung dann doch nicht. „Wenn die Sportler kommen, weiß ich natürlich nicht, wie sie drauf sind. Ich überlege mir meistens einen Plan, stelle mich dann aber speziell auf jeden einzelnen ein“, erklärt Frank. „Spaß haben wir alle. Alle die kommen können, sind auch immer da“, sagt Richter.

Abgeholt werden die Teilnehmer mit dem Sportmobil, welches Hermann Kulka, der Vorsitzende des SVP, höchstpersönlich lenkt. Gemeinschaft ist im Leben von Frank schon immer wichtig gewesen und wird es auch weiterhin sein. Sie selbst sieht sich nicht als Einzelkämpferin, ganz im Gegenteil. Auf die Hilfe der anderen fleißigen Hände ist auch Frank angewiesen, die inzwischen mit einer B-Lizenz glänzen kann. Kaum eine Weiterbildung lässt sie aus, um den kranken Menschen noch mehr vermitteln zu können. „Wir sind froh, dass wir sie haben“, sagt Richter.

Auch bei den Übungen mit den Kursteilnehmern ist nicht zu übersehen, wie viel Spaß Frank dabei hat. Ob beim Spiel mit den Gummibällen oder der leichten Erwärmung. Sport ist halt einfach ihr Leben.