Dessau-Roßlau/Staßfurt l Über Schiedsrichter mag sich Stefan Rähm nicht mehr aufregen. Lange genug ist der Trainer vom HC Salzland 06 aus der Sachsen-Anhalt-Liga im Geschäft, um zu wissen: Es bringt nichts. Tatsachenentscheidungen sind meist unumstoßbar.

Über diese eine Szene bei der 27:30-Niederlage seiner Mannschaft am Sonntag beim Dessau-Roßlauer HV musste er dann aber doch reden. Es ging um die Rote Karte für Jo-Ann Brunne kurz vor Abpfiff der Partie. Nach einem Zweikampf soll sich laut Rähm Brunne lediglich ins Gesicht gefasst haben. Die Schiedsrichter hatten dss als eine beleidigende Geste mit dem Zeigefinger Richtung Stirn tippend aufgefasst. Nach der dritten Zeitstrafe für Theresa Hähnel in der 47. Minute war es die zweite Hinausstellung für die Gäste.

Ungleiche Verteilung der Strafzeiten

Freilich: Die Rote Karte für Brunne änderte nichts mehr am Spielverlauf, sicher war sie auch nicht entscheidend. Für Rähm passte sie aber zur Verteilung der Pfiffe. Zehn Siebenmeter für Dessau gab es, nur zwei für den HCS. „Das funktioniert nicht. Das ist nicht akzeptabel“, kritisierte Rähm.

Vielleicht wäre mehr drin gewesen. Fakt ist: Die erste Saisonniederlage hatten sich die Staßfurterinnen mit ihrem körperlosen Spiel in der ersten Hälfte selbst eingebrockt. Mit 10:15 gab der HCS die erste Halbzeit ab. „Da war keine Körpersprache, keine Aggressivität, es wurde nicht zugepackt. Die Dessauerinnen konnten machen, was sie wollten. Das ist nicht zu erklären“, sagte Rähm. „Vielleicht war da Überheblichkeit dabei.“ Die Halbzeitansprache hatte sich gewaschen. Das sei keine Vergnügungspartie war einer der markigen Sätze an die HCS-Frauen.

Besseres Spiel nach der Halbzeit

Und die „Wildgänse“ zeigten nach dem Seitenwechsel ein anderes Gesicht. In der 38. Minute lagen sie nur noch mit 17:18 hinten. Nach 46 Minuten stand es 21:21. „Da ging es dann schnell nach vorn, die Aggressivität war zurück“, erzählte Rähm. Die Partie schien zu kippen.

Dass sich der HCS nicht für seine Aufholjagd belohnte, lag auch daran, dass die Staßfurterinnen in alte Fehlermuster aus der ersten Hälfte zurückfielen. Klare Möglichkeiten wurden vergeben. Nach 53 Minuten stand es 26:24. Am Ende hatten die Gastgeberinnen den etwas längeren Atem. „Vielleicht war das zur rechten Zeit ein Dämpfer“, sagte Rähm. In zwei Wochen ist der HC Salzland 06 dann zu Hause im Derby gegen die TSG Calbe gefordert.

HC Salzland 06: Braune, Zeidler (1), Schuldes (4), Schrader (2), Fiedler (1), Kregelin, Nahrendorf, Brunne (5), Ellermann, Friedrichs, Sachse (7), Weiß, Göpel (5), Hähnel (2)

Siebenmeter: Dessau 10/8 – Salzland 2/1, Zeitstrafen: Dessau 5 –Salzland 4 Rote Karten: Hähnel (47., 3x2 Minuten), Brunne (60.)