Staßfurt l Uwe Werkmeister ist gerade im Urlaub an einem der vielleicht schönsten Flecken Deutschlands. In Binz auf Rügen lässt der Trainer vom HV Rot-Weiss Staßfurt zusammen mit seiner Familie die Seele baumeln. Das hat er sich verdient. Ganz loslassen kann er aber auch da nicht. Ein Gespräch über den Saisonverlauf? Na klar, dafür hat er auch im Urlaub Zeit. Das ist ihm hoch anzurechnen. Und freilich ist auch mit dem Abstand von über sieben Wochen nicht alles verblasst. Er blickt gern zurück.

Bestes Spiel gegen Bad Blankenburg

Am letzten Spieltag hatte Staßfurt bekanntlich nach einer Saison mit Höhen und Tiefen den Klassenerhalt gesichert. Gegen den Drittliga-Aufsteiger HSV Bad Blankenburg gewann Rot-Weiss am 6. Mai mit 27:24 (14:11). Ob es das beste Saisonspiel war? Werkmeister überlegt kurz. „Ich denke schon. Das war herausragend. Aber es gab auch einige andere gute bis sehr gute Spiele.“ Er meint die Heimspiele gegen Köthen, den HC Burgenland, Apolda, Zwickau oder Glauchau. Aber auch die Auswärtspartien in Apolda, Freiberg und Bad Blankenburg sind hängengeblieben. „Es ist bewundernswert, wie die Mannschaft sich in schwierigen Situationen präsentiert hat. Das nimmt einen mit, das vergisst man niemals, das prägt.“

Denn zwischenzeitlich hatte Staßfurt zwischen Ende Januar und Mitte März auch mal fünf Spiele in Folge verloren. „Das war eine extreme sportliche Situation“, sagt Werkmeister heute. „Da hinterfragt man sich auch selbst. Gehe ich richtig mit den Jungs um? Die Erfahrung hat aber auch gezeigt, dass wir nichts anders machen mussten. Und siehe da: Allmählich hatten wir uns gefunden. Das ist etwas ganz Großes, die Mannschaft hat das bravourös gelöst.“ Auch der Vorstand hielt immer unerschütterlich am Trainer fest. „Es ist eine Mannschaft voller guter Charaktere. Das macht Spaß“, sagt Werkmeister. „Aber wir dürfen nicht nachlassen. Es wird auch in der nächsten Saison eng sein.“

Doch was lässt sich über die Hauptprotagonisten sagen? Wie erging es den Spielern? Uwe Werkmeister schätzt jeden einzelnen Spieler ein. In der Reihenfolge ihrer Tore für den Verein.

Sebastian Retting (Rückraum, 212 Tore): „Er ist der uneingeschränkte Führungsspieler und sehr, sehr wichtig für uns. Er sucht die entscheidenden Situationen, ist die Verlässlichkeit in Person und sehr vorbildlich. Das schätze ich. Ich wünsche mir, dass er verletzungsfrei bleibt.“

Oliver Jacobi (Kreis, 86 Tore): „Er ist mein Fels in der Brandung. Er ist sehr ehrgeizig und mannschaftsdienlich und menschlich und spielerisch sehr wichtig. Solche Spieler mag ich.“

Niclas Kaiser (Rechtsaußen, 84 Tore): „Ein unglaubliches Talent. Er hat eine unglaubliche Qualität und Dynamik, auch über die Halb-Positionen. Leider ist er beruflich stark eingebunden.“

Maurice Wilke (Rückraum, 68 Tore): „Mein heimlicher Anführer. Er hat einen unglaublich harten Wurf, eine große Durchschlagskraft und starken Willen. Auch in der Abwehr hatte er gerade in den letzten Spielen einen entscheidenden Anteil. In ihm steckt noch sehr viel mehr. Seine Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen.“

Stefan Secara (Rückraum, 39 Tore): „Sein Abgang ist menschlich und sportlich ein Verlust. Stefan ist ein sehr ehrlicher und bescheidener Typ. Ein ganz feiner Kerl. Im letzten Spiel hat er noch mal gezeigt, was er kann. Es ist schade, dass er geht.“

Marvin Frank (Rückraum, 35 Tore): „Für mich die Entdeckung der Saison. Man muss bedenken, dass er aus der Sachsen-Anhalt-Liga kam. Er ist ein Mentalitätsmonster. Nachdem er zu Beginn der Saison nur in der Abwehr gespielt hat, hat er am Ende der Saison Verantwortung übernommen und sein Herz in beide Hände genommen. Leider kann es sein, dass er durch sein Studium etwas kürzer treten muss. Das wäre sehr ärgerlich. Er hat viel Potenzial.“

Enrico Lampe (Rückraum, 35 Tore): „Er war der Antreiber. Er hat unser Spiel sehr beweglich gemacht und war auch in der Abwehr sehr bissig und körperbetont. Es ist ein großer Verlust für uns, dass er verletzt ist (Lampe hatte sich im April im Spiel gegen Burgenland einen Kreuzbandriss zugezogen und fällt noch mindestens für die nächste halbe Saison aus, Anm. d. Red.). Auch im Training konnte ich mich immer auf ihn verlassen. Er war eine Bereicherung.“

Nils Hähnel (Rückraum, 32 Tore): „Auch so ein Spieler, wie man sich ihn wünscht. Hat sofort funktioniert, als wir ihn gefragt haben, ob er aushilft. Er war eine große Hilfe. Ein ganz sympathischer Mensch und ein Modell-Athlet.“

Stefan Darius (Kreis, 31 Tore): „Mit seiner Lautstärke hat er die Mannschaft gepusht. Das war überragend. Auch in der Abwehr. Das hat sich positiv ausgewirkt. Schade, dass er geht. Staßfurt war für ihn auch so eine Art Sprungbrett. Das hat er optimal genutzt.“

Cosmin Tiganasu (Rückraum, 28 Tore): „In Delitzsch hat er uns den Sieg gerettet. Seine Fähigkeiten sind ohne Zweifel da. Er hat das Potenzial. Ich wünsche mir, dass bei ihm der Knoten platzt.“

Marian Spadt (Rechtsaußen, 25 Tore): „Nach seinem Kreuzbandriss ist er gut zurückgekommen. Er ist engagiert, versucht alles. Vielleicht kann er den nächsten Schritt gehen. Bei ihm ist noch Luft nach oben.“

Mattis Kloppenburg (Linksaußen, 24 Tore): „Ehrgeizig, bescheiden, mannschaftsdienlich. Es ist schade, dass er geht. Sein Potenzial ist unbestritten da.“

Kevin Reiske (Rückraum, 20 Tore): „Er hat seine Arbeit in der Deckung gut gemacht. Kevin war unauffällig gut. Die positive Krönung war das Spiel gegen Bad Blankenburg am letzten Spieltag.“

Toni Fanselow (Linksaußen, 14 Tore): „Ein sehr junger Spieler, dem die Zukunft gehört. Ich freue mich für ihn, dass er den Sprung geschafft hat. Auch er ist ein Modell-Athlet und abwehrstark. Im Angriff hat er noch Potenzial.“

Sebastian Scholz (Linksaußen, 1 Tor): „Er hat ein überragendes Spiel in Hermsdorf gemacht. Er war immer bereit, wenn man ihn brauchte. Dafür großen Dank an ihn.“

Bilal Shagluf (Torwart): „Für ihn als junger Torwart war es nach der Verletzung von Sebastian Schliwa nicht einfach. Aber er hat das mit der Verantwortung gut gelöst. Auch als Patrick Tuchen dann dazukam, hat er sein Potenzial gezeigt.“

Sebastian Schliwa (Torwart): „Es war extrem schade, dass er sich verletzt hatte (Schliwa brach sich im Januar im Training die Hand, Anm. d. Red.). Wenn er zurückkommt, sind wir im Tor gut aufgestellt.“

Patrick Tuchen (Torwart): „Er kam und hat sofort funktioniert und überragend gehalten. In der schwierigen Phase am Ende der Saison war er ein großer Rückhalt. Teilweise hat er unglaubliche Spiele gezeigt, ist dabei aber auch immer ruhig geblieben. Das war phänomenal.“