Salzlandkreis (tzs) l Seit vielen Jahren ist Sebastian „Schulle“ Schulz im Salzlandkreis dafür bekannt, Turniere und Veranstaltungen für den guten Zweck zu organisieren. Im Interview mit Volksstimme-Volontär Tobias Zschäpe sprach er darüber, welchen Einfluss die Corona-Pandemie auf seine Arbeit hat.

Herr Schulz, wie sah Ihr Start ins neue Jahr aus, ohne Hallenturniere und andere Veranstaltungen, die es zu organisieren gab?

Sebastian Schulz: Der Start war – wie für sicherlich viele andere Menschen – anders als sonst. Wir hätten bereits am 2. Januar beim Neujahrsturnier der SG Neuborna mit einer Promi-Auswahl teilgenommen und beim traditionsreichen Eilslebener Budenzauber wären wir auch wieder mit an den Start gegangen. Auch als Abteilungsleiter des Kreisligisten SV Eintracht Blau Gelb Peißen ist das Aufgabengebiet praktisch gleich null. Der 1. PlaySoccer-Cup brachte dennoch Aufgaben mit sich, da wir außer am Weihnachtswochenende alle drei Tage gespielt haben.

Wie wurde das Turnier angenommen?

Der Zuspruch, mit 23 Vereinen, einer Schiedsrichterauswahl sowie „Schulle & Friends“ ein 27-köpfiges Teilnehmerfeld zu stellen, ist schon toll. Auch dass „kleine“ Vereine wie der SV Saxonia Gatersleben und der SV Warthe Hakeborn zwei Mannschaften stellen, ist sehr erfreulich und beeindruckend. Danke an alle, die dieses Projekt unterstützen.

Haben Sie Rückmeldungen erhalten von Personen, die sonst nichts mit E-Sport anfangen können?

Natürlich nimmt auch die breite Öffentlichkeit unsere Veranstaltung durch die Berichterstattung der Presse und auf Social Media wahr. In Bernburg, bei meinem Job im Kaufland werde ich oft von den „Oldies“, die sonst auf jedem Sportplatz zu sehen sind, angesprochen. Einer ist sogar so verrückt, dass er jeden Mittwoch und Donnerstag beim Nachbarn im Internet nach den Ergebnissen guckt.

Gab es organisatorische Probleme oder lief bislang alles reibungslos ab?

Organisatorisch läuft dank der tollen Mitarbeit der Vereine alles zumeist reibungslos. Zu Beginn des Turniers wurde ein „Ehrenkodex“ vereinbart, immer fair und im Sinne aller Beteiligten miteinander umzugehen. Das wünsche ich mir auch persönlich auf dem grünen Rasen und unter den Vereinen zurück.

Wie sehr wurde die Möglichkeit genutzt, Spiele online zu streamen?

Vielleicht 20 Prozent der Spiele wurden gestreamt. Viele Spieler übertrugen ihre Partien auf ihren eigenen Kanälen auf Twitch oder YouTube. Dies möchte ich den Jungs auch nicht verwehren, dennoch wäre es wünschenswert gewesen, dass viel mehr über unseren eingerichteten YouTube-Kanal übertragen worden wären. Für die weiteren Begegnungen wurde nochmals angeregt, den YouTube-Kanal „Salzlandkreis FIFA 21“ zu nutzen.

Das Turnier selbst übertrifft sportlich alle Erwartungen. Es gab Kantersiege, aber zum Teil auch enge Partien zu bestaunen. Wie schätzen Sie die bisherigen Spiele ein?

Sportlich bewerten kann man die Geschehnisse an der Konsole schwer. Erfreut bin ich aber darüber, dass jedes Team bis zum Ende toll mitgezogen hat und jede Partie auch ausgetragen wurde. Auch das wäre für die Freiluftsaison wünschenswert.

Hat Sie eine Mannschaft bisher besonders überrascht oder enttäuscht?

Überraschungen gab es positive und auch mit einem Augenzwinkern eine negative. Vom Abschneiden meiner jungen Teamkollegen des SV Eintracht Peißen bin ich negativ überrascht gewesen. Immerhin haben sie sich mit einem Sieg aus dem Turnier verabschiedet. Die Dominanz des SV 09 Staßfurt mit Top-Torjäger Amon van Linthout ist beeindruckend. Auch der Gruppensieg meiner Jungs von „Schulle & Friends“ nach der Auftaktniederlage ist erfreulich. Dritte Überraschung ist die SG Warmsdorf/Güsten die mit den Wycombe Wanderes aus der englischen zweiten Liga aktiv sind. Zwar haben alle Spieler im „90er Modus“ die gleich Grundstärke, dennoch sind die Spieler individuell schwächer als bei den internationalen Topteams.

Wer ist Ihr Favorit auf den Turniersieg?

Staßfurt wird in den K.o.-Spielen beweisen müssen, ob sie wirklich so stark sind, wie die Vorrunde mutmaßen lässt. „Schulle & Friends“ ist durch Nico Kietzmann und Steven Mues mit zwei sehr starken Spielern aufgestellt, die durch ihr Einzelspiel schon einen deutlichen Vorsprung herausholen können. Außerdem zum Favoritenkreis gehört der SV Einheit Bernburg, Egelner SV Germania, SG Warmsdorf/Güsten und die SG Peißen II/Baalberge.

Ist geplant, die virtuelle Kreismeisterschaft auch in den kommenden Jahren regelmäßig auszutragen?

Aufgrund des positiven Feedbacks wäre es wohl fatal, wenn nicht. Hierbei wäre dann allerdings der Plan, die Halbfinals und das Endspiel an einem Tag in Eventform – am besten mit Fans – auszurichten. Da ist noch Steigerungspotenzial.

Welche Projekte haben Sie für die Zukunft auf dem Zettel?

Für den Finaltag ist ein Duell zwischen mir und einem Drittliga-Profi vom 1. FC Magdeburg geplant. Für jeden Zuschauer auf YouTube spenden wir einen Betrag X. Weiterhin kann ich mir vorstellen, den PlaySoccer-Cup in Form einer Landesmeisterschaft, wie es der FSA plant, auszurichten – allerdings größer und im anderen Modus. Ansonsten stehen Onlineauktionen auf dem Programm. Hierbei erhalten wir Unterstützung von Ex-Bundesliga-Profi Ivan Klasnic, Ruderweltmeister Max Planer oder vom 1. FC Union Berlin. Weiterhin steht die Vereinsgründung von „Schulle & Friends“ auf der Agenda. Es soll eine Art Amateursportler-Netzwerk entstehen, durch das neben der Mitteldeutschen Kinderkrebsforschung der Nachwuchs im Amateur- und Breitensport unterstützt wird.