Belleben l „Blue 15, Blue 15 Ace Hut!“ Beim Football gibt es so manch komische Ansage, bevor der Center, der Spieler, der genau in der Mitte steht, den Ball durch seine Beine Richtung Quarter Back feuert. Dieser leitet den Ball dann weiter. Was genau die Ausrufe wirklich bedeuten, können selbst Spieler nicht beantworten. Es wird vermutet, dass damit die genauen Spielzüge angesagt werden. Auf dem Sportplatz in Belleben schallen seit Anfang des Jahres ebenfalls verschiedenste Ausrufe über das Grün. Immer dann, wenn die „Salzland Racoons“ trainieren. Es ist das erste Football-Team im Salzlandkreis, welches bislang bereits reichlich Anklang gefunden hat.

Die Idee hatte Mirko Parnow, Gründer und Noch-Headcoach der Mannschaft. Er spielt selbst und daher wird es schwer, als Coach zu agieren. Noch ist das alles möglich, doch spätestens ab dem kommenden Jahr, wenn die „Racoons“ in der Verbandsliga an den Start gehen, wird es schwer. Die Suche nach einem Coach wurde bereits gestartet.

Alle Spieler kommen aus der Region

Zu allererst stand allerdings die Suche nach Spielern auf der Agenda. Und die lief super, wie Teammanager Ron Neumeister erzählt: „Das war eine rasante Entwicklung. Auf Anhieb haben sich 15 Leute zum ersten Training gemeldet.“ Rund 80 Mitglieder zählt der Verein inzwischen, 41 davon sind Spieler. Alle kommen aus der Region. „Wir haben alles abgegrast. Alle, die Bock haben, sind gerne gesehen.“ Aus Köthen, Magdeburg, dem Harz und Aschersleben pilgern die Footballer in das kleine Örtchen. Auch aus dem Salzlandkreis selbst sind einige dabei. Neumeister kommt aus Barby, Moritz Brüning, Erik Zeidler und Dominik Fuß kommen aus Hecklingen, Alexander Stankov ist Staßfurter.

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Doch egal woher alle sind. Alle teilen die gleiche Leidenschaft. „Football is family. Es gibt keine Rivalität. Es herrscht immer eine familiäre Atmosphäre“, schätzt der Teammanager die Gemeinschaft des Sportes auf und neben dem Platz. Ein großes Miteinander, das viele überzeugt hat. Eine Vielzahl der Spieler war vorher bereits sportlich aktiv. Egal ob Fußball, Basketball, Volleyball oder Leichtathletik. Nun sind alle in Belleben vereint.

Ausgeschlossen wird niemand, dass macht Neumeister sofort klar: „Wir finden für jeden die richtige Position. Natürlich sollte man sich auch selbst gut einschätzen können. Bei unseren öffentlichen Trainings – die zur Zeit leider nicht stattfinden können – kann sich jeder ausprobieren. Es wäre fatal, wenn wir Leute dadurch ausbremsen würden“, sagt der Teammanager. „Die schnellen und athletischen Spieler sind oft in der Offense, die muskulöseren eher in der Defense. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel.“

Erfahrung besitzen die Head-Coaches und auch der Teammanager ausreichend. Alle sind vom Fach. Zudem besitzt das Team mit Lennard Zimmer einen Akteur, der bereits in Amerika an einer High School aktiv war und sich den einen oder anderen Trick abguckte. All dieses Know-how prallt in Belleben aufeinander. Und noch viel mehr. Es gab auch schon die ersten Freundschaftsspiele auf dem ehemaligen Fußballplatz, der von den Mitgliedern zur Football-Anlage umgebaut wurde. „Vorher war alles in Blau angemalt. Nun erstrahlt die Anlage in Grau und Rot, unseren Vereinsfarben. Zudem haben zwei Graffiti-Künstler sich künstlerisch entfaltet“, sagt Neumeister über die Anlage.

Bei den drei bisherigen Auftritten zeigte die Mannschaft bereits gute Ansätze. Gegen die „Halle Falken“ wurde sogar gewonnen. Das bisher größte Highlight war allerdings das „Tryout“, eine Art offenes Training. „Das war phänomenal“, schwärmt Neumeister. „Um die 600 Zuschauer konnten wir begrüßen. Es war ein voller Erfolg.“

Doch nicht nur auf dem Platz präsentieren sich die „Racoons“. Vor allem auf den Social-Media-Kanälen sind sie vertreten. Zudem gibt es einen Podcast, in dem Spieler oder Betreuer der Mannschaft über Football-Themen reden. „Die Aufgaben werden bei uns gut aufgeteilt. Wir haben zum Beispiel zwei Sportlehrer. Beide übernehmen die Aufwärmung. Ein Spieler ist unser Hobbyfotograf, auch einen Kassenwart stellen wir“, so Neumeister. „Die Aufgabenverteilung ist das A und O.“

Doch die rasche Entwicklung bei den „Pionieren“ der Sportart im Salzlandkreis wird ebenfalls – wie bei allen anderen – durch Corona ausgebremst. „Der Wille ist aber weiterhin da und ungebrochen. Das Interesse an unserem Verein wächst weiter und es gibt uns recht. Es war wirklich Zeit für etwas Neues“, sagt Neumeister. Mit der Sportart Football sind die „Racoons“ in eine Sparte vorgedrungen, die in Deutschland rar gesät ist. „Mit Magdeburg und Wernigerode gibt es zwei große Flaggschiffe im Umkreis“, so der Teammanager. In diese Fußstapfen wollen die „Salzland Racoons“ auch treten. Im kommenden April soll es dann in der Liga offiziell losgehen. Bis dahin bleibt aber noch viel Zeit, um den kleinen Verein weiter groß zu machen.