Staßfurt l Beide hatten die gleiche Idee, doch keiner setzte sie um. Benjamin Kollmann und Jens Liensdorf wollten in der Landesliga-Partie des SV 09 Staßfurt gegen Einheit Wernigerode zehn Minuten vor dem Ende beide einen Freistoß schnell ausführen und zu Matthias Lieder passen. Sie haben sich gegenseitig nicht gesehen und letztlich kullerte der Ball zwar Richtung Mitspieler, doch er kam nicht an. Eine Szene, die symptomatisch dafür war, dass am Sonnabend einiges schief lief beim SV 09. Das Heimspiel ging mit 2:3 (0:2) verloren.

Dabei waren zwei fast komplett verschiedene Halbzeiten zu beobachten. In den ersten 45 Minuten gelang den Gastgebern nicht ein einziger nennenswerter Torschuss, hinten klingelte es durch Justin Riemann (9.) und Christian Harenberg (30.) gleich zweifach. Der Staßfurter Keeper Tobias Witte verhinderte mit zahlreichen Paraden die Vorentscheidung. Entsprechend unzufrieden war Spielertrainer Liensdorf mit dem ersten Durchgang: „Es hat alles gefehlt. Wir haben absolut nicht ins Spiel gefunden und haben keinen Stich gesehen. Die Einstellung hat überhaupt nicht zu einem Landesliga-Spiel gepasst.“

Die Folge? Es wurde sehr laut in der Kabine. Und es gab personelle Konsequenzen. Für Matthias Nagel und David Siegel kamen Liensdorf selbst und Nick Unger, der das erste Spiel nach seiner Verletzungspause machte, neu rein. „Ich wollte neuen Schwung reinbringen“, begründete der Coach.

Und die Wechsel haben gefruchtet. Die Gastgeber traten zu Beginn der zweiten Hälfte deutlich couragierter auf und kontrollierten das Spiel. Unger setzte mit einem Schuss dabei gleich einen Akzent (47.). Nach einem weiteren Versuch von Chris Horstmann (50.) zeichnete sich der Anschlusstreffer ab. Neuzugang Marc Burdack markierte das 1:2 (52.). Klar holten sie schnell den Ball aus den Maschen und wollten nachlegen. Doch nur zwei Minuten später kam es zur entscheidenden Szene des Spiels. Mitten in der großen Euphoriewelle der Staßfurter fiel das 3:1 für die Gäste.

Gegentor in der Euphoriewelle

Nach einem Freistoß von halbrechts wurde Alexander Kopp völlig allein gelassen. Der Spielertrainer, auch der 35-jährige Einheit-Coach stellte sich selbst auf, wurde am langen Pfosten völlig allein gelassen und drückte den Ball über die Linie. Der Jubel bei den Gästen war entsprechend groß. Doch geschafft hatten sie noch nichts. Noch war zu diesem Zeitpunkt über eine halbe Stunde auf der Uhr.

Gewonnen haben die Gäste das Spiel anschließend durch einen aufopferungsvollen Defensivkampf. Denn die Wernigeröder gingen schon sehr früh drauf und ließen dem Gegner mit dem frühen Pressing kaum Räume. „Sie haben das sehr gut verteidigt. Uns hat der Platz gefehlt“, erkannte auch Liensdorf an. Kurzpass-Kombinationen durch die Mitte waren schlichtweg nicht möglich. So konnte sich der SV 09 nur über lange Bälle helfen, die oftmals keinen Abnehmer fanden oder in verlorenen Kopfballduellen endeten.

Dazu kam, dass die Gastgeber ab der 63. Minute mit einem Mann weniger zurecht kommen mussten. Chris Horstmann sah nach wiederholtem Foulspiel die „berechtigte“ Gelb-Rote Karte. Doch das blieb wohl die einzige Entscheidung der Referees, die Liensdorf nachvollziehen konnte. Er übte harsche Kritik am Unparteiischen-Gespann. „Die drei Personen haben nicht zugelassen, dass wir Punkte holen.“ Was er meinte? Es gab mehrere fragliche Entscheidungen, die gegen den SV 09 entschieden wurden. „Zwei Tätlichkeiten gegen Matthias Härtl, zwei Abseitstore und ein Foul an Matthias Lieder im Strafraum“, zählte der Coach wütend auf.

Doch viel mehr sollten sich die Staßfurter an die eigene Nase fassen. Denn trotz klarer Überlegenheit schafften sie es nicht mehr, das Spiel zu drehen. Auch wenn Liensdorf sagte: „Wir hätten keinen Sieg verdient gehabt, es hat vieles nicht gepasst. Vor allem die erste Hälfte müssen wir auswerten, die wird im Mark bleiben.“ In der zweiten Hälfte steigerten sich die Bodestädter vor allem hinten heraus nochmal. Als sie mal ein bisschen mehr Platz hatten, zog Lieder aus 20 Metern ab und pfefferte die Kugel zum 2:3 (89.) genau in den Knick. Der eingewechselte Kollmann hatte dann nach einer Unger-Ecke in der Nachspielzeit noch den Ausgleich auf dem Kopf, setzte den Ball aber knapp drüber.

Dennoch war der Coach mit der Wende im Spiel zufrieden: „Wir haben uns gesteigert. Das spricht für den Charakter der Mannschaft.“ Es war nicht alles schlecht, aber bis zum Kreisduell bei Schwarz-Gelb Bernburg am kommenden Wochenende steht noch viel Arbeit an.

SV 09: Witte - Nagel (46. Liensdorf), Moye, Härtl, Jesse (67. Kollmann), Siegel (46. Unger), Möller, Stachowski, Lieder, Horstmann, Burdack

Tore: 0:1 Justin Riemann (9.), Christian Harenberg (30.), 1:2 Marc Burdack (52.), 1:3 Alexander Kopp (1:3), 2:3 Matthias Lieder (2:3), SR: Daniel Feist (SV Fortuna Magdeburg), GRK: Chris Horstmann (63.)