Magdeburg l Keine 24 Stunden waren nach der Erklärung der Bundesregierung, den Amateursport auf Grund der Ausbreitung des Coronavirus‘ im November einen Monat lang ruhen zu lassen, vergangen, da meldete sich FSA-Vizepräsident Jörg Bihlmeyer zu Wort. Um der „gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden“ würde man der bundesweiten Verordnung zuvorkommen und ab sofort „den gesamten Spielbetrieb in allen Spielklassen des Fußballverbandes Sachsen-Anhalt auf Landes- und Kreisebene bis auf Weiteres, mindestens aber bis Ende November absetzen“.

Der erneute Spielstopp traf die Mannschaften nicht unvorbereitet. Nach einigen Spielabsagen auf Landes- wie auch auf Kreisebene hatte sich die Unterbrechung angedeutet. Patrick Stockmann, Trainer von Fußball-Landesligist SV 09 Staßfurt, hatte nach dem 6:0-Heimerfolg gegen Stahl Thale bereits angekündigt, dass seine Mannschaft jetzt schnell punkten müsse, um bei einem Abbruch über dem Strich zu stehen. Und auch Michael Buschke, Spielertrainer bei Landesklassist SV Förderstedt, stimmte zu: „Wir müssen aufpassen, dass der Abwärtstrend nicht weitergeht und wir plötzlich auf einem Abstiegsplatz stehen. Keiner kann sagen, wie lange wir noch spielen. Ich habe der Mannschaft gesagt, dass jedes Spiel das letzte sein kann.“

Wie schnell es nun dazukam, damit konnten aber auch die beiden Übungsleiter nicht rechnen. Statt darauf zu warten, dass ein Präzedenzfall auch im Salzlandkreis bekannt werden würde, hat sich das FSA-Präsidium entschlossen zu handeln. Doch die scheinbar vernünftigste Entscheidung blieb nicht ohne Diskussionen. Die Vereine, deren großer Aufwand der letzten Wochen und Monate durch die behördliche Entscheidung für null und nichtig erklärt wurde, zeigten zur überwiegenden Mehrheit Verständnis für die Entscheidung. Doch in den Fanlagern regte sich unüberhörbare Kritik. Unter den Bekanntmachungen der Trainings- und Platzsperren in den sozialen Medien war immer wieder zu lesen, dass „gerade die Sportvereine, die viel für die Einhaltung der Hygieneregeln getan haben“ unnötig unter dieser Entscheidung leiden müssen. Und auch die Nachwuchssportler wurden immer wieder mahnend erwähnt.

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Der gemeinsame Sport fördert nachweislich die sozialen Kompetenzen sowie Teamgeist und Teamfähigkeit. Das gemeinsame Sporttreiben im Verein ist auf Grund der aktuellen Lage eine der letzten Möglichkeiten für die Kinder und Jugendliche gewesen, um mit dem Freundeskreis in Kontakt zu bleiben. Diese fällt nun weg, da auch der Trainingsbetrieb ruht.

Dieses Problem hat auch der FSA erkannt. Deshalb richtet Thomas Schulze, Vorsitzender des Jugendausschusses einen dringenden Appell an das Land Sachsen-Anhalt, nach dem Vorbild anderer Bundesländer eine Ausnahmeregelung für die Jüngsten zu ermöglichen. Denn diese zählen nicht zu den „Partygängern“, die einen großen Anteil an den rasant gestiegenen Fallzahlen besaßen. „Aber sie sind es, die jetzt unsere Zuwendungen brauchen. Sie sind es, die in den Vereinen unter Aufsicht Sport machen sollten und sie sind es, die unseren Vereinssport am meisten brauchen“, so Schulze.

Auch der SV Wolmirsleben wäre Befürworter einer solchen Regelung. „Wir plädieren eindeutig für eine Lockerung bezogen auf den Trainingsbetrieb der Jugendmannschaften bis zu einem Alter von 14 Jahren, wobei die aktiven Kinder teils sowieso den Alltag in den Schulen und Kindertagesstätten gemeinsam verbringen“, merkt Evert an. „Ein erarbeitetes Hygienekonzept bildete schon in den vergangenen Monaten die Grundlage für die Vereinsaktivitäten und sollte alle gesund durch den Winter bringen."

Sollte dieser Appell jedoch ungehört bleiben, droht den Nachwuchssportlern eine fußballfreie Zeit von November bis März, da bereits jetzt alle Hallenmeisterschaften in Sachsen-Anhalt abgesagt sind.