Staßfurt l (hme/tzs) Im Spieljahr 1971/72 hatte die Bezirksliga ein etwas anderes Gesicht als in der Saison zuvor. Neu waren Traktor Klötze, Aktivist Gommern, TuS Fortschritt Magdeburg und die SG Heudeber. Diese nahmen die Plätze der Aufsteiger zur DDR-Liga, Lok/Vorwärts Halberstadt und 1. FC Magdeburg II sowie der Absteiger in die Bezirksklasse, Lok Haldensleben und Traktor Förderstedt, ein.

Aktivist Staßfurt war im anstehenden Spieljahr zum Aufstieg verpflichtet. So zumindest die Worte des damaligen Sektionsleiters Otto Ebeling auf der Festsitzung anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Betriebssportgemeinschaft. Am Ende wurde es dann aber nur der zweite Platz und der Gang in die nächsthöhere Spielklasse erneut knapp verpasst. Bei 44:16 Punkten konnte die Mannschaft 19 Spiele gewinnen, sechs endeten mit einem Unentschieden und fünf gingen verloren.

Kampf um die Meisterschaft

Die Aktivisten spielten dabei allerdings sehr lange um die Meisterschaft mit. Vom ersten bis zum elften Spieltag blieben sie ungeschlagen und konnten infolgedessen ab dem siebten Spieltag auch die Tabellenführung übernehmen. Diese mussten die Staßfurter aber nach einer 1:3-Pleite bei Einheit Burg punktgleich an Turbine Magdeburg abtreten. Dabei dominierten die Staßfurter das Spiel, was sich auch in 12:4-Ecken widerspiegelte.

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Auch nach der Hinrunde belegte Aktivist mit nur einem Punkt weniger den zweiten Platz hinter Turbine. Gleich im ersten Spiel der Rückrunde besiegte Staßfurt die Magdeburger mit 2:0 und lag damit in der Tabelle wieder ganz vorn.

Den Platz an der Sonne behielt das BSG-Team bis zum 18. Spieltag. Dann mussten sie ihn nach einer 1:2-Niederlage beim Dritten, Motor/Vorwärts Oschersleben, wieder an Turbine abgeben. Doch nur zwei Spieltage später war man erneut Tabellenführer – und das bis zum 26. Spieltag. Eine Woche später zogen schließlich die Oschersleber vorbei, da die Bodestädter an diesem Spieltag ihre einzige Heimniederlage der Saison kassierten. Und das vor 1000 Zuschauern mit 1:2 ausgerechnet wieder gegen Einheit Burg. Das einzig Positive an diesem Spieltag war, dass die Staßfurter trotz der Niederlage bereits den zweiten Tabellenplatz sicher hatten.

Echter Torjäger fehlt der Mannschaft

Alle 30 Spiele in diesem Spieljahr bestritten Bernd Bosse und Alfred Lieder. Einen absoluten Torjäger gab es jedoch nicht. Mit Klaus Kanthack und Gerd Röthling, die jeweils sieben Mal trafen, lagen nicht einmal die Stürmer in der Torschützenliste vorn. Das lag sicherlich auch daran, dass mit Hans-Joachim Hackelbusch ein Torgarant im Oktober des Jahres 1971 zur Nationalen Volksarmee (NVA) verabschiedet wurde.

Zwei Partien der Spielzeit 1971/72 hatten eine besondere Bedeutung. Zunächst das Duell gegen Neuling TuS Fortschritt Magdeburg am 4. Dezember 1971. Es war das 1000. Spiel seit der Gründung der BSG Aktivist. Davon waren 558 Punktspiele, 58 Pokalspiele und 384 Freundschaftsspiele.

Das zweite Spiel fand am 25. März 1972 bei Stahl Ilsenburg statt. Es endete mit einem 3:3-Unentschieden. Dabei lagen die Staßfurter nach nur 17 Minuten bereits mit 0:3 zurück. Das hatte es in der Geschichte des Vereins sehr lange nicht mehr gegeben. Erst als es fast schon zu spät war, wachte die Mannschaft aus dem Zustand, den Trainer Erwin Schmidt treffend als „geistigen Spaziergang“ bezeichnete, auf.

Im FDGB-Pokal schieden die Staßfurter bereits in der ersten Runde aus. Am 2. Oktober 1971 unterlagen sie bei der TSG Calbe, die in der Bezirksklasse spielte, nach Verlängerung mit 2:3. Dabei führte das BSG-Team durch Tore von Weigel und Röthling bis zur 16. Minute schon mit 2:0. Nach 18 Minuten stand es jedoch plötzlich 2:2. Die Entscheidung zugunsten der Calbenser sollte schließlich in der 116. Minute fallen.