Staßfurt l Am Sonnabend war es soweit. Der in Fußballkreisen nicht unumstrittene Videobeweis wurde offiziell in die Fußballregeln aufgenommen. Logischerweise erfolgt der Einsatz nur in den oberen Profiligen und nicht auf Landesebene. Das hätten sich beim Landesliga-Spiel des SV 09 Staßfurt gegen TuS Schwarz-Weiß Bismark an eben jenem Sonnabend aber so einige Staßfurter gewünscht.

Denn Niklas Kannenberg, der Keeper der Gäste aus der Altmark, kam in der 23. Minute nach einem langen Ball aus dem Strafraum und klärte die Kugel mit der Hand. Dass diese Aktion regelwidrig war und mit Rot hätte bestraft werden müssen, sah wohl fast jeder im Stadion der Einheit, nur nicht die Unparteiischen. „Das war klar, da müssen wir nicht mal in Köln anrufen“, meckerte ein Zuschauer mit einem Lächeln. Der Staßfurter Coach Jens Liensdorf war in der Nachbetrachtung nicht zu Scherzen aufgelegt: „Das ist sehr enttäuschend, dass die Schiedsrichter, die klare Sicht hatten, das übersehen. Das war eine spielentscheidende Szene.“

Weil diese Aktion nicht geahndet wurde, verpassten die Staßfurter das mögliche 2:0. Die Begegnung endete später mit einem 1:1 (1:1)-Unentschieden. Liensdorf fasste zusammen: „Es war ein gerechtes Remis, wir können damit aber nicht zufrieden sein.“ Natürlich waren gegen den Tabellensiebten die drei Punkte eingeplant. In der ersten Hälfte, in der die Staßfurter das klar bessere Team waren, „haben wir einfach zu viel liegen lassen“, ärgerte sich der Coach.

Gästetorwart wirkt sehr verunsichert

In der Anfangsphase fehlten auf beiden Seiten zunächst die Ideen. Ein Schuss von Stefan Stein (3.) blieb nur eine Annäherung. Auch Markus Müller probierte sich nach 17 Minuten aus der Distanz. Ein gut gespielter Angriff wenig später schien schon gelaufen, als Nick Unger den Ball nur halbherzig mit dem Oberschenkel erwischte und so in den Strafraum brachte. Doch Kannenberg, der sehr verunsichert wirkte, sprang am Ball vorbei. Der 20-jährige Schlussmann, vielleicht auch von der Sonne geblendet, machte es Stein damit sehr einfach, den Ball zum 1:0 ins leere Tor zu köpfen (22.).

Im nächsten Angriff folgte die Aktion, bei der sich viele Staßfurter gewünscht hätten, dass der Schiedsrichter einen zweiten Blick auf die Szene hätten werfen können. Die Gastgeber ließen sich von der Fehlentscheidung jedoch nicht beirren, spielten ihre Überlegenheit weiter aus. Doch es sollte kein Tor mehr fallen. Matthias Härtl nutzte einen erneuten Torwartfehler und war schon am Schlussmann vorbei, setzte den Ball aber drüber (27.). „Wir haben so gespielt, wie wir es uns vorgenommen hatten“, lobte Liensdorf. „Wir haben den Gegner früh unter Druck gesetzt und die Freiräume genutzt.“ Nur eins passte eben nicht: die Chancenverwertung. Wenig später ließ wieder Härtl eine gute Möglichkeit liegen.

Und, wie es dann eben oft kommt, nutzten die Gäste ihre erste wirkliche Chance. „Aus dem Nichts fiel der Ausgleich, der uns das Genick gebrochen hat“, so der Trainer. Ein Diagonalball von Christoph Grabau hebelte die Staßfurter Hintermannschaft komplett aus. Steffen Rogge tauchte frei vor dem Tor auf und ließ Marcel Mähnert keine Chance. Ja, weder Tobias Witte noch Maik Binnebößel standen dem Coach zur Verfügung. So entschied er sich dafür, den nominellen Abwehrspieler in den Kasten zu stellen. Mit Bauchschmerzen? Nein. Auch im Training bekleidet der 31-Jährige gelegentlich diese Rolle.

Mähnert verhindert Pausenrückstand

Und dass er wirklich nicht zum ersten Mal zwischen den Pfosten stand, zeigte Mähnert dann in einer Szene kurz nach dem Ausgleich. Philipp Grempler tauchte frei vor dem Keeper auf, der aus seinem Kasten kam, den Winkel verkürzte und den Ball so entschärfen konnte. „Das hat er gut gemacht. Da haben wir Glück gehabt, dass wir nicht noch mit einem Rückstand in die Pause gehen“, so Liensdorf.

Die zweite Halbzeit hatte dann phasenweise nur sehr wenig mit Fußball zu tun. Es gab viele Fouls und Nicklichkeiten. Chancen hatten nur noch die Bismarker. So zwang auch Carlo Rämke Mähnert zu einer guten Parade (60.). Ein Konter auf der anderen Seite, als Unger über die linke Seite sprintete, den Ball nach einem missglückten Übersteiger aber leichtsinnig verlor, fasste die Offensivleistung des Gastgebers gut zusammen. „Das war in Hälfte zwei der Landesliga fußballtechnisch nicht würdig“, fand Liensdorf klare Worte. „Wir haben die einfachen Dinge kompliziert gelöst. Es war nur noch Gestochere.“

Dass eine schlechte zweite Halbzeit dann aber doch noch ereignisreich endete, lag auch am Staßfurter Trainer, der alle offensiven Optionen einwechselte, um „neue Impulse über die Außenpositionen zu setzen und Geschwindigkeit reinzubringen“ und auf Dreierkette umstellte. So hatte aber nicht nur Marcus Bolze zwei gute Möglichkeiten, die Gastgeber waren auch für Konter anfällig. Aber die TuS-Spieler Michael Metzger und Felix Jubert vergaben ebenfalls Großchancen. „Die Dreierkette war zwar ein Risiko, aber wir wollten unbedingt gewinnen.“ Weil aber beide im Abschluss nicht zielstrebig genug waren, blieb es beim gerechten Remis.

Staßfurt: Mähnert - Nagel (70. Kollmann), Stein, Müller, Unger (76. Bolze), Härtl, Schmidt, Stachowski, Lieder, Horstmann, Möller (62. Jesse)

Tore: 1:0 Stefan Stein (22.), Steffen Rogge (37.), SR: Görmer (Dessau), ZS: 70