Schönebeck l Toni Härtge musste sich doch wirklich stark wundern darüber, was hier eigentlich gerade passierte. Wieder einmal war der Salzlandligist Wacker Felgeleben über seine rechte Seite in der ersten Runde des Sparkassen-Cups gegen Landesliga-Aufsteiger SV 09 Staßfurt durchgebrochen, als den Felgelebener Nico Kietzmann der Übermut packte. Nach einer klitzekleinen Stolpereinheit fuhr der Neuzugang von Landesklassist MSC Preussen die Hacke aus, um den Ball im hohen Bogen über den verdutzten Staßfurter Verteidiger Härtge zu befördern.

Nein, ein Tor entstand daraus nicht, weil Chris Müsing in der Mitte nach dem Pass von Kietzmann knapp am Tor vorbeischoss. Doch der ein oder andere Zuschauer rieb sich die Augen. Wer spielt hier eigentlich Landesliga? Und wer Salzlandliga? Staßfurt gewann am Ende verdient mit 2:0 (2:0), aber das allgegenwärtige Fazit war doch: Felgeleben hat sich mehr als anständig verkauft.

Natürlich hatte sich Wacker, in der Liga schon Favoritenschreck gegen Teams wie Baalberge, Einheit Bernburg oder Seeland, eine klare Strategie zurechtgelegt. „Wir wollten die Räume eng halten mit einem Stürmer“, erzählte Wacker-Coach Thoralf Voß nach dem Spiel. „Und dann mit schnellem Umschaltspiel nach vorn kommen. Bis zur 40. Minute hat die Mannschaft das auch sehr gut gemacht.“ Die größeren Chancen gehörten dem frech und munter aufspielenden Außenseiter. Die beste gab es bereits in der dritten Minute. Sebastian Mergel schickte auf der rechten Seite den flinken Kietzmann auf die Reise, der klug nach innen passte zu Chris Müsing. Die Staßfurter Mathias Nagel und Toni Härtge kamen zu spät, Müsing aber scheiterte aus wenigen Metern an SV-09-Keeper Philipp Beier.

Ähnlich war die Szene in der elften Minute. Müsing schlug den Ball lang nach vorn zu Sascha Körner. Voß war schon aufgesprungen von der Bank, hatte den Jubelschrei auf den Lippen. Beier kam diesmal aus dem Tor heraus und klärte im letzten Moment. Müsing (17.), Mergel (36.) und Kietzmann (38.) ließen weitere Hochkaräter liegen. Und Staßfurt? Wirkte erst verblüfft und wagte dann doch erste Annäherungsversuche. Erst scheiterte Neuzugang Matthias Härtl (15.) am Pfosten, dann vergaben Markus Müller und Maximilian Moye eine Doppelchance gegen den prima haltenden Wacker-Keeper Thomas Apel (31.).

Eiskalter Torjäger Härtl

Und als sich die ersten Zuschauer und vielleicht auch Spieler gedanklich schon auf ein 0:0 zur Pause eingestellt hatten, schlug der SV 09 im Stile einer Spitzenmannschaft doch noch zu. Manchmal reichen wenige geniale Momente oder Unkonzentriertheiten des Gegners aus, um die Fronten zu klären. Nach einer perfekten Flanke von Marcel Mähnert und dem ungestörten Kopfball von Härtl klingelte es das erste Mal (45.). Gejubelt wurde da auf Staßfurter Seite kaum. Kurz danach schwang sich der 35-jährige Neuzugang sogar zum Matchwinner auf. Nach einem Sololauf von Nick Unger auf der linken Seite setzte Härtl nach dem Pass nach innen nach und traf im zweiten Versuch (45.+2). „Psychologisch ungünstig“, nannte das Voß. „Wir haben uns sehr gut verkauft. Das hat mir unwahrscheinlich gut gefallen.“

Staßfurt-Trainer Jens Liensdorf stapfte entsprechend muffelig vom Platz nach dem Spiel. „Mit der Leistung kann man nicht zufrieden sein. Wir sind schwer ins Spiel gekommen“, sagte er. „Eine Führung für Wacker wäre nicht unverdient gewesen. Philipp Beier hat uns mehrmals gerettet.“ Nach der Pause passierte nicht mehr viel. Die Luft war raus, auch weil Schiedsrichterin Silke Galetzka mit einigen unglücklichen Entscheidungen auf beiden Seiten, die aber nicht entscheidend waren, Unruhe ins Spiel brachte. Der SV 09 dominierte nun und brachte den Sieg sicher über die Zeit. „Wir hatten dann keine Räume mehr“, sagte Voß. Wacker konnte auch die Überzahl ab der 63. Minute nicht nutzen, als Staßfurts Nick Unger nach wiederholtem Foulspiel zurecht vom Platz geschickt wurde. „Staßfurt war spielbestimmend. Vor dem Tempo ziehe ich den Hut. Der SV 09 hat verdient gewonnen“, erkannte Voß an.

Mit dem Lob des Gegners wird Liensdorf allerdings nicht viel anfangen können. Er weiß: Seine Mannschaft kann viel mehr. „Ich habe noch viel Luft nach oben gesehen“, meinte dieser. „Da waren viele Fehler im Aufbauspiel.“ Immerhin: „Härtl war vorn im Sturm sehr bemüht“, sagte Liensdorf. Der Oldie zeigte seine unverwechselbare Klasse. Von den restlichen Spielern wollte er keinen mehr außer Beier im Tor hervorheben. Ob sich die jungen Spieler Lukas Möller, Tim Witte oder Dave Nöpel, die angesichts der kleinen Personalnot ihre Chance bekommen hatten, einen Sondereintrag ins Analyse-Buch erarbeitet haben, ist fraglich. Wobei Liensdorf da auch relativierte. „Das sind junge Spieler, die ihre Erfahrungen noch sammeln müssen.“

Staßfurt will ins Finale

Am Ende hieß es: Mund abputzen, weitermachen. Durchatmen, dass es gut gegangen ist. Das große Ziel ist noch greifbar. „Wir wollen ins Finale des Sparkassen-Cups“, kündigte Liensdorf an. Am kommenden Freitag muss der SV 09 dabei den bärenstarken Salzlandliga-Aufsteiger Groß Rosenburg aus dem Weg räumen, der Landesklassist ZLG Atzendorf mal eben mit 5:1 entzauberte. Eine Leistungssteigerung muss aber her für Staßfurt. Ganz klar.

Wacker: Apel - Oschmann (57. Schmidt), Sprengler, Kietzmann (70. Kubos), Simon (80. Bullert), Körner, Müsing, König, Wohlgemuth, Kunze (65. Heß), Mergel

Staßfurt: Beier (76. Nöpel) - Jesse, Möller, Stachowski, Mähnert, Härtge (65. Kollmann), Nagel (46. Tim Witte), Moye, Müller, Unger, Härtl

Tore: 0:1, 0:2 Matthias Härtl (45., 45.+2); Gelb-Rot: Nick Unger (SV 09, 63.); SR‘in: Silke Galetzka (Bernburg); ZS: 130