Staßfurt l Nicht nur Bilder, auch Zahlen können mehr sagen als tausend Worte. Wer dafür einen Beleg benötigte, der musste sich nur das Landesliga-Spiel zwischen dem SV 09 Staßfurt und Germania Olvenstedt am Sonnabend anschauen. Denn das Chancenverhältnis war mit 14:3 klar auf Seiten des großen Favoriten und Tabellenzweiten, dem SV 09. Das Spiel endete jedoch mit einem 3:0 (1:0)-Sieg für die Gäste aus Magdeburg. Die Chancenverwertung war dieses Mal entscheidend für die Pleite. „Wer kein Tor schießt, kann auch nicht gewinnen“, fasste der enttäuschte Coach Jens Liensdorf zusammen. „Gegen diesen Gegner darf man nicht verlieren.“

Aber es ist eben auch das Resultat einer Entwicklung, die sich durch die ganze Saison zieht. Im Abschluss haben die Staßfurter ihr großes Defizit. In den vergangenen Wochen, gibt Liensdorf zu, „hatten wir viel Glück, konnten das aber immer gut kompensieren“. Da haben die 09er zwar auch viel vergeben, aber auch immer ein paar Tore gemacht, um Punkte zu holen. Nicht so am Sonnabend. „Da sind wir mal ganz hart auf die Nase gefallen“, so der Coach, für den gegen Olvenstedt aber lange nicht alles negativ war. „Wir haben keinen schlechten Fußball gespielt. Wir haben gute Angriffe vorgetragen und waren bis zum Strafraum sehr gefährlich.“

Nachdem jedoch Matthias Lieder einen Freistoß von Stefan Stein Zentimeter am Pfosten vorbei köpfte (16.), nutzten die Olvenstedter ihre erste große Chance zur Führung. Andreas Bode bediente Brian Schuller mit einem starken Pass. Der Winterneuzugang überlupfte Keeper Tobias Witte und ließ die Germanen jubeln (24.). Auch danach war aber der SV 09 am Drücker. Lukas Möller bediente Matthias Härtl mit einer guten Flanke (30.). Der Stürmer scheiterte aber genau wie Kapitän Michael Schmidt bei der folgende Ecke. „Wir haben den Ball gut laufen lassen, kamen viel über Außen“, merkte der Coach positiv an.

Frust kommt auf

Nach 41 Minuten spielte Winterneuzugang Matthias Oehme, der als Innenverteidiger nach langer Verletzungspause ins Team rückte, einen guten Ball in die Schnittstelle. Härtl köpfte, fand aber seinen Meister erneut in Martin Freiknecht. Der eigentliche Feldspieler im Kasten der Olvenstedter erwischte einen guten Tag und zeigte zahlreiche Paraden. Spätestens als dann auch Marcel Mähnert vergab (42.) und Stefan Stein den Pfosten traf (44.), kam bei den Gastgebern etwas Frust auf. Nick Unger holte sich wegen Meckerns die Gelbe Karte ab.

Im zweiten Durchgang bekamen die 88 Zuschauer das gleiche Bild zu sehen. Es spielte nur der SV 09. Das Auslassen von Chancen wurde jedoch „noch gravierender“, so der Trainer. Als Stein erneut eine Großchance ungenutzt ließ (51.), stellte Liensdorf um. Er brachte Benjamin Kollmann für Oehme. Einen Stürmer für einen Innenverteidiger. Doch die Umstellung auf eine Dreierkette in der Abwehr, um noch mehr offensive Alternativen zu haben, war schnell verpufft. Kurz danach musste Unger das Spielfeld nach einem Foulspiel mit Gelb-Rot verlassen (62.). Laut dem Coach brachte aber auch die Unterzahl keine Veränderung. „Es war weiter nur ein Spiel auf ein Tor.“ Und damit einher ging auch das muntere „Verballern“ von Großchancen weiter. In die Riege der Unglücklichen reihte sich dann auch Kollmann ein, der sogar aus zwei Metern scheiterte. Dann haben natürlich nicht nur er, sondern auch seine Teamkollegen „begonnen zu zweifeln“, versuchte Liensdorf die Abschlussmisere zu erklären. Ob es im Endspurt um den möglichen Aufstieg auch am Druck lag? Nein. „Wir haben ja in der vergangenen Saison gezeigt, dass wir mit Druck umgehen können. Es hat ja auch nicht nur ein Spieler versagt, sondern mehrere.“

Die Abwehrarbeit vernachlässigt

Vielmehr war es von einer zur nächsten vergebenen Chance eine mentale Frage. „Sie wollten dann immer mehr, sind verkrampft“, beschrieb es der Coach. Und dabei „haben wir leider auch die Abwehrarbeit vernachlässigt.“ Gleich zweimal zeigte Bode den Staßfurtern auf, wie man es vorn richtig macht. Vor dem 0:2 eilte Witte zu schnell aus seinem Kasten heraus, klärte den Ball vor die Füße vom Germania-Stürmer. Bode nahm den Ball direkt und brachte ihn im leeren Tor unter (82.). Nur zwei Minuten später tanzte sich Stefan Kauczor an drei Verteidigern vorbei und legte für Bode quer, der auch bei seinem 15. Saisontreffer eiskalt blieb.

Unter dem Strich ist der SV 09 jedoch mit einem blauen Auge davongekommen. Weil auch der SV Westerhausen im Heimspiel gegen Burg unterlag, hat die Staßfurter Pleite im Aufstiegsrennen keine Konsequenzen. Liensdorf betonte aber: „Es ist nicht unser Anspruch auf Fehler anderer zu hoffen. Wir haben genug eigene Baustellen, die wir jetzt angehen müssen.“

Staßfurt: Witte - Stein (66. Siegel), Unger, Härtl, Jesse, Schmidt, Stachowski, Lieder, Mähnert (78. Horstmann), Möller, Oehme (60. Kollmann)

Tore: 0:1 Brian Schuller (24.), 0:2, 0:3 Andreas Bode (82., 84.), SR: Stefan Dehmel (Heyrothsberge), ZS: 88, GRK: Nick Unger (62.)