Ottersleben/Staßfurt l Sie ließen die Köpfe ein wenig hängen. Sie ärgerten sich bei einem Blick auf das Smartphone. Eine kleine Gruppe von Spielern des SV 09 Staßfurt tankte nach dem Abpfiff der Landesliga-Partie gegen den VfB Ottersleben noch ein paar Sonnenstrahlen. Besonders glücklich sahen die Staßfurter dabei aber nicht aus. Obwohl sie kurz zuvor das Spiel mit 1:0 (1:0) gewonnen hatten. Doch sie hatten es durch einen Blick auf ihr Handy erfahren. Der Tabellenführer SV Westerhausen erzielte erst in der Nachspielzeit den Siegtreffer gegen Union Heyrothsberge.

Und strauchelte damit nicht, wie es sich einige 09er gewünscht hätten. Als aktuell ärgster Verfolger der Harzer auf dem zweiten Platz wollen die Staßfurter den Rivalen noch einholen. Im besten Fall am 2. Juni, wenn der SV 09 am letzten Spieltag in Westerhausen antritt. Der bange Blick auf das Smartphone verdeutlicht doch nur: Die Staßfurter wollen sich den Meistertitel in der Landesliga holen. Und damit den zweiten Aufstieg in Folge in die Verbandsliga realisieren.

Doch dafür ist der Weg noch weit. Und schwer. Denn zu den Gegnern in den verbleibenden sechs Spielen zählen neben Westerhausen auch Einheit Wernigerode und der MSC Preussen. Doch am Sonnabend machten die Staßfurter einen wichtigen Schritt. Und agierten beim knappen 1:0 im Stile eines Aufsteigers. Denn ein solcher holt auch mal Punkte, wenn die Leistung nicht stimmt. Und vor allem mit der zweiten Hälfte war Coach Jens Liensdorf nicht zufrieden. „Wir haben uns das Leben nochmal selbst schwer gemacht. Wir haben uns zu sehr über die Unparteiischen aufgeregt und uns dadurch nochmal unnötig aus dem Tritt bringen lassen, das darf nicht passieren.“ Weil die Ottersleber aber vor dem Tor nicht zielstrebig genug agierten, blieb es beim Dreier für die Gäste.

Disziplinierte Leistung in Hälfte eins

Und der Grundstein dafür wurde ganz klar in den ersten 45 Minuten gelegt. Denn im ersten Durchgang agierte die Liensdorf-Elf „sehr diszipliniert“. Nach dem Derby unter der Woche waren die Beine schwer, deshalb hatte der Coach eine klare Linie: „Wir wollten verhaltenen Fußball spielen und über Konter Nadelstiche setzen.“ Und einen solchen gab es bereits nach zwei Minuten, als Marcus Bolze frei durch war, jedoch am Keeper scheiterte.

Deutlich besser machte das Nick Unger, der nach 20 Minuten das einzige Tor des Tages erzielte. Nach einer Ecke von Stefan Stein bekam er den Ball an der Strafraumkante und netzte zum 1:0 ein. Hinten war an diesem Tag Tobias Witte ein sicherer Rückhalt. Der Keeper des SV 09 überzeugte schon im ersten Durchgang mit einigen guten Paraden, zeigte seine ganze Klasse dann aber nach 65 Minuten. Einen wuchtigen Schuss von VfB-Kapitän Matthias Malchau lenkte Witte knapp über die Latte.

Zudem leitete der Torhüter auch immer wieder Konter ein, doch die Stürmer waren an diesem Tag nicht gut aufgelegt. Vor allem Bolze, der im Derby zuletzt vierfach erfolgreich war, ließ noch zwei weitere Hochkaräter (55./84.) liegen. Manchmal verpassten die Gäste aber auch schlichtweg den Abschluss. Wie Lukas Möller, der in aussichtsreicher Position einen Pass spielte (77.). Ohne Erfolg. „Schieß doch, du hast doch eine Wumme“, rief ihm Torwarttrainer Thomas Stümpel zu. Dass sich der beste Torjäger Matthias Härtl dann noch per Fallrückzieher versuchte (88.) und dafür Szenenapplaus bekam, änderte nichts an der Tatsache, dass die Chancen nicht konsequent genug genutzt wurden.

Und das „ist ja leider nicht das erste Spiel, in dem das so ist“, sagte Liensdorf. Es war am Ende, so heißt es im Fußballjargon, ein „dreckiger Sieg“. Doch bei aller Kritik weiß der Staßfurter Coach auch: „Letztendlich zählen die drei Punkte. In ein paar Wochen redet keiner mehr über dieses Spiel, dann schauen die Leute nur noch auf die Tabelle und sehen, wie viele Punkte wir geholt haben.“ Und das könnten dann eben auch so viele sein, um den Aufstieg zu schaffen. Einen nächsten wichtigen Schritt wollen die 09er dafür beim Heimspiel gegen Wernigerode am kommenden Sonnabend gehen. Und das wird sicher nicht einfacher.

Staßfurt: To. Witte - Stein, Moye, Unger, Härtl, Schmidt, Bolze, Stachowski, Lieder, Mähnert (84. Ti. Witte), Möller (77. Siegel)

Tor: 0:1 Nick Unger (20.), SR: Elfi Schwander (Rossauer SV), ZS: 50