Staßfur l Ein steiler Pass in die Spitze, plötzlich war Uwe Werkmeister auf der rechten Offensivseite völlig frei. Seine Flanke verunglückte und landete deutlich hinter dem Tor. Von hinten war von Sebastian Retting nur ein enttäuschtes „Trainer?!“ zu hören. Na klar, war Rettings Einwurf mit einem Lächeln versehen. Denn der Spieler des HV Rot-Weiss Staßfurt hatte von seinem Coach nicht wirklich eine butterweiche Flanke verlangt. Immerhin spielten die Handballer aus der Mitteldeutschen Oberliga auf dem Grün im Stadion der Einheit beim SV 09. Die Einnahmen aus dem Spiel, es kamen immerhin 76 zahlende Zuschauer, fließen in die Nachwuchsabteilungen beider Vereine, die ein freundschaftliches Verhältnis hegen.

Viele Trainer sprechen davon, dass es in der Vorbereitung keine Freundschaftsspiele gibt, sondern nur Testspiele. Das Aufeinandertreffen der beiden Staßfurter Teams bewies jedoch das Gegenteil. „Die Jungs kennen sich sehr gut. Schön während der Saison haben wir uns gegenseitig unterstützt. Mit diesem Spiel wurde der Zusammenhalt beider Teams nochmal gestärkt“, so Werkmeister, der für das Spiel selbst die Schuhe schnürte. So war es doch mehr als eine 90-minütige Ausdauereinheit? „Wir wollten nicht nur locker aufspielen, wir wollten gut dagegenhalten. In der Defensive haben wir das auch gut gemacht“, so der Coach.

Fast zehn Minuten brauchten die 09er, bis sie den Ball eher zufällig ins Tor beförderten. Marcel Mähnert wollte von der linken Seite flanken. Doch seine Hereingabe segelte über RWS-Keeper Patrick Tuchen hinweg ins Tor. Auch wenn Tuchen in dieser Situation, von der tiefstehenden Sonne geblendet, etwas unglücklich aussah, insgesamt hat „er das sehr gut gemacht“, sagte auch Werkmeister. Der erste richtig gute Spielzug des SV 09 führte dann zum zweiten Tor. Michael Schmidt tankte sich auf der rechten Seite durch, passte flach auf den freien Matthias Härtl, der Neuzugang erhöhte das Resultat (25.).

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In der Folge konnten sich die Handballer immer wieder bei Tuchen bedanken, der gegen Schmidt (26.) und Stefan Stein (31.) starke Paraden zeigte. Nach vorne sorgte Rot-Weiss nur selten für Entlastung. Stattdessen belagerten die 09er kurz vor der Pause das Tor. Stein erzielte das überfällige 3:0 (40.), als er frei vor Tuchen auftauchte. Und das 4:0, das mit dem Pausenpfiff fiel, bereite der beste Torjäger der vergangenen Saison mit einer Ecke vor. Seine Hereingabe landete genau vor den Füßen von Marcus Bolze. Der ehemalige Förderstedter erzielte aus kurzer Distanz sein erstes Tor für den neuen Verein.

Nach der Pause gab es diese Koproduktion beider Stürmer dann nochmal: Bolze flankte, Stein vollendete in der Mitte zu seinem zweiten Treffer (56.). Auch Härtl trug sich noch ein zweites Mal in die Liste der Torschützen ein. Nach einer Ecke von Chris Horstmann drückte er den Ball zum 6:0 (61.) über die Linie und erzielte wie schon im Sparkassen-Cup gegen Felgeleben einen Doppelpack. Nach einer Stunde Spielzeit schraubten die Gastgeber das Spieltempo dann etwas zurück, ließen auch wieder einige Chancen liegen. SV 09-Trainer Jens Liensdorf war mit dem Auftritt seiner Mannschaft dennoch sehr zufrieden: „Es war eine gute Trainingseinheit. Das Spiel ist rundum fair verlaufen. Das wir bei so vielen Chance keine Trefferquote von 100 Prozent haben, ist verständlich.“

Klar musste der Coach sich auch eingestehen, dass „viel Stückwerk dabei war“, aber sein Team ist auch immer noch in der Vorbereitung. Und so nutze der Coach das Spiel auch, um einige junge Spieler zu testen. Es kamen Tim Witte und Tom Bauermeister aus der eigenen A-Jugend zum Einsatz. Laut dem Trainer haben sie sich schon gut gemacht, vor allem Bauermeister. Der Innenverteidiger tankte sich in der 84. Minute nach vorne, spielte einen Doppelpass mit Benjamin Kollmann, blieb vor dem Tor eiskalt und erzielte das 7:0. „Sie sollten ihre Erfahrungen sammeln. So ein Spiel bietet sich dafür an. Für einige wäre es noch zu früh, sie in den Kader für die Landesliga miteinzubauen.“

Einige neue Gesichter waren auch auf den anderen Seite zu erkennen. Christian Schöne, der im Sommer vom Erzrivalen aus Köthen kam, schnürte sich für den Benefizkick zugunsten der Jugend auch die Fußballschuhe. Ein wenig Personalnot hatte der HV Rot-Weiss aber dennoch. So spielte bei den Gästen auch Robi Urban, ein Studienfreund von Marian Spadt. Und der „Aushelfer“ war es dann, der den Ehrentreffer für die Handballer erzielte. Nach einem guten Angriff über die linke Seite vollstreckte er aus kurzer Distanz zum 1:7-Endstand (84.).

„Fußball macht allen Spaß“, merkte Werkmeister an. Für den HV Rot-Weiss geht es am Wochenende zum Megawoodstock nach Aschersleben, für den Trainer „der nächste Baustein in der Vorbereitung“. Und diesen darf auch der SV 09 setzen. Bereits am Freitagabend um 18.30 Uhr tritt die Liensdorf-Elf beim SV Rot-Weiß Groß Rosenburg im Achtelfinale des Sparkassen-Cups an. Bei beiden Veranstaltungen wird es wohl nicht wieder so freundschaftlich zugehen.