Förderstedt l Gerüchte sind im Allgemeinen eine blöde Sache. „Hast du schon gehört?“ oder „Geht es überhaupt weiter?“ sind auch Fragen, die Herbert Busch erreicht und die ihn auch ein bisschen geärgert haben. Denn ging es um den SV Förderstedt aus der Landesliga, gab es – auch wegen der sportlichen Misere – in den vergangenen Monaten kaum positives Getuschel über den kleinen Verein am Rande von Staßfurt. Ja, der SV Förderstedt wird definitiv in der Landesklasse an den Start gehen. „Es geht weiter“, sagt Präsident Busch. Hinter den Kulissen bastelt der Vereinsboss fleißig an einem schlagkräftigen Kader für die neue Liga nach dem Abstieg.

Busch geht an die Öffentlichkeit, weil er Zeichen setzen will. Er nennt Namen. „Necirvan Isa, Axel Böttger, Hogir Isa, Martin Stolte, Justin Toure, Chris Kerwin, Daniel Vizir, Devis Drici und Maik Teutloff bleiben“, sagt er. Vier weitere Spieler, die er namentlich nicht nennen will, aber tragende Säulen sind, überlegen noch. „Da habe ich auch ein positives Gefühl.“ Den Verein verlassen werden auf jeden Fall Fabian Werner, Niklas Arms und Przemyslaw Kucybala.

Entgegen der Gerüchte hat Förderstedt aber schon jetzt einige gute Spieler an Bord für den Neuanfang. Mit Necirvan und Hogir Isa, Axel Böttger, Devis Drici und Maik Teutloff bleiben sogar echte Leistungsträger. „Von drei bis vier weiteren Spielern zwischen 18 und 20 Jahren habe ich Zusagen“, ergänzt Busch. Dazu sollen drei bis vier erfahrene Spieler kommen. „Ich bin frohen Mutes“, meint Busch. „Wir haben fast alle Leistungsträger gehalten.“

Zu schnell oben

Irgendwie ist da schon sogar ein bisschen Vorfreude auf die neue Liga zu spüren. Keine zweieinhalbstündigen Fahrten mehr bis nach Warnau, kein Kräftemessen mehr mit so vielen finanziell stärkeren Vereinen. Die Beschaulichkeit kehrt zurück. Und damit auch die Hoffnung. „In die Landesliga zieht es mich nicht mehr“, so der Präsident, der nach fünf Jahren in der zweithöchsten Liga des Landes eingestehen muss: „Wir waren damals zu schnell oben in der Landesliga. Wir brauchen jetzt einen Schnitt, einen Neuanfang und müssen die Strukturen völlig verändern. Die Landesliga ist für so einen kleinen Verein nicht mehr machbar.“

So gab es bei den Gesprächen des Vorstandes mit den Spielern auch immer eine glasklare Forderung. „Ich nehme die Spieler in die Pflicht. Ich muss sie auch beim Training haben.“ Denn gerade die Trainingsbeteiligung war in dieser Saison ein großes Problem. „Es war eine verkorkste Saison. Das lag aber nicht nur an den Spielern allein. Es waren ständig vier bis fünf Spieler verletzt.“

Nur weil alteingesessene Spieler wie Andy Buschke oder Denis Herrler aushalfen, bekam Trainer Marko Ulbrich, der selbst dreimal die Töppen als Spieler schnürte, überhaupt in vielen Partien elf Spieler zusammen. Diese Probleme gab es auch, weil sich der Verein im Winter von fünf tschechischen Spielern trennte. So etwas will Busch nicht wieder. „Ich bin geheilt. Die Spieler haben eine andere Mentalität, du verstehst die Sprache nicht, dann sind sie vielleicht unzufrieden, weil ihnen mehr versprochen wurde.“ Das führte zu großen Reibereien zwischen dem Verein und den Tschechen, die im großen Knall endeten.

Und doch kann die Mannschaft noch immer in der Landesliga mithalten. Der 1:0-Erfolg am 1. Mai gegen den VfB Ottersleben war „ein Befreiungsschlag. Danach gab es in der Mannschaft einen richtigen Zug. Da macht das auch wieder Spaß.“ Zwar kassierte Förderstedt danach wieder drei Pleiten, die Ergebnisse waren aber erträglich. Das macht Mut und gibt Hoffnung. Auch wenn der Abstieg seit einer Woche auch rechnerisch fest steht.

Und bei den Problemen mit der Trainingsbeteiligung hat der Verein schon ganz konkret gehandelt. Training ist immer am Montag. Necirvan Isa und Devis Drici, die im Gastronomie-Gewerbe tätig sind, schließen dann ihre Lokalitäten an diesem Tag. Maik Teutloff, der immer montags in Halle nur bis 15.30 Uhr arbeiten muss, kann eher nach Förderstedt kommen, so dass der SVF zumindest diese drei Leistungsträger permanent einmal in der Woche zur Verfügung hat.

Vielleicht gibt es dann nach dem Abstieg in der neuen Liga auch einen Zuschaueranstieg. Denn: „Von 20 bis 25 Zuschauern können wir nicht leben“, so Busch. Da schreibt der Verein sogar rote Zahlen. Aber mehr Erfolg bringt auch mehr Publikum. Zudem könnte Förderstedt in eine neu gegründete Landesklasse VII rutschen, die den Gerüchten nach aus vielen Vereinen aus dem Salzlandkreis bestehen soll. „Das wäre doch super, wenn wir Derbys gegen Atzendorf, Bernburg II, Nienburg, Alsleben oder Baalberge haben. Das wäre ein Traum. Dann haben wir vielleicht 60 bis 70 Zuschauer.“ Manchmal haben Gerüchte eben auch einen positiven Nachhall. Mit dieser guten Aussicht geht der SV Förderstedt auch die zwei Spiele an Pfingsten entspannter an. Am Sonnabend tritt der SVF bei Germania Olvenstedt an (Anstoß 15 Uhr), am Montag dann beim FC Einheit Wernigerode (Anstoß 14 Uhr). Beide Spiele werden nicht einfach. „Trotzdem wollen wir uns vernünftig verabschieden“, so Busch. Das ist sich der Verein selbst nach fünf Jahren in der Landesliga schuldig.