Staßfurt l Bestes Fritz-Walter-Wetter herrschte im Stadion der Einheit in Staßfurt vor. Der Boden war rutschig, viele Grätschen somit an der Tagesordnung. Einmal richtig Schwung geholt, konnten die Spieler kaum noch abbremsen und rauschten teilweise heftig in den Gegenspieler, Verletzte gab es aber glücklicherweise keine. Wer allerdings erst kurz vor dem Anpfiff noch schnell ins Stadion wollte, konnte sich die ersten packenden Zweikämpfe gar nicht ansehen. Aufgrund der Corona-Pandemie mussten sich alle 333 Zuschauer in die bereitliegenden Listen eintragen. Das dauerte und so bildetet sich eine lange Schlange vor dem Kassenhäuschen. Zum Unmut einiger Fans, denn die verpassten so den ersten Treffer der Partie für die Hausherren. „Heute fällt bestimmt nur ein Tor und wir haben es nicht gesehen“, scherzten bereits die Ersten. Doch die Prophezeiung setzte sich nicht in die Tat um. Schlussendlich setzte sich der SV 09 Staßfurt II aus der Fußball-Salzlandliga mit 4:1 (2:0) gegen den Landesklasse-Vertreter 1. FSV Nienburg durch und schaffte somit nicht nur eine kleine Sensation, sondern gewann eben auch das selbsternannte „Finale dahoam“.

Der Coach der Bodestädter, Wolfgang Ziebell, hatte bereits morgens ein gutes Gefühl, wie er im Nachhinein erklärt. „Irgendetwas war anders. Auch mein Co-Trainer hatte das gleiche Gefühl. Das Wetter spielte uns dann natürlich mit in die Karten.“ Durch den anhaltenden Nieselregen konnten die Nienburger ihr Spiel nicht wie gewohnt aufziehen und gerieten so nach 13 Minuten direkt ins Hintertreffen. Nach einem tollen Pass in die Spitze spielte Amon van Linthout seine Schnelligkeit aus, umkurvte mit ein paar schnellen Schritten den Keeper und schob dann zum Jubel der bis zu diesem Zeitpunkt anwesenden Zuschauern zur Führung ein.

Beide Teams schenken sich nichts

Und es ging munter weiter, wenn da nicht immer wieder die kleinen Fouls gewesen wären. Ganze zwölf gelbe Karten musste Schiedsrichter Mathias Rommel aus Latdorf zeigen. So kam kaum ein Spielfluss zu Stande. Wenn der Ball dann aber doch rollte, zeigten die Nienburger ihr Können. Mit gutem Kombinationsfußball spielte sich der Landesklassist gefährlich vor das Gästetor, doch Adem Ramiz Heric konnte gleich im Doppelpack die Kugel nicht im Kasten unterbringen (25., 31.). „Wir haben es dennoch nicht geschafft, unseren Tempofußball sowie das Kombinationsspiel und die Spielsicherheit wie gewohnt auf das Feld zu projizieren. Daher konnten wir die Abwehr nicht so beschäftigen, wie wir es gerne wollten“, sagte Rene Schulze, Coach der Nienburger. Staßfurt befreite sich immer wieder mit langen Bällen auf den flinken van Linthout.

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Er war es auch, der die Vorlage zum 2:0 gab und somit dem Spiel weiter seinen Stempel aufdrückte. Eine halbhohe Ecke verwandelte 09-Kapitän Sven Limpächer, der von allen nur „Platte“ gerufen wird, sicher, weil er eben seine „Platte“ hinhielt und wuchtig zum 2:0 traf (34.). Bis zur Halbzeit passierte dann nichts mehr.

In der Pause richtete Schulze klare Worte an die Mannschaft und stellte zum Wiederbeginn taktisch um. Nienburg agierte nun mit zwei Viererketten und zwei Stürmern, um mehr Zug zum Tor zu bekommen. „Wir konnten im zweiten Durchgang ein paar PS mehr auf den Rasen bringen, gebracht hat es aber nichts. Das Pendel ist an diesem Tag in Richtung von Staßfurt ausgeschlagen“, so Schulze. Und wie sollte es anders sein, besorgte van Linthout den dritten Treffer für seine Mannschaft. Chris Horstmann tankte sich auf der linken Seite durch, spielte flach in die Mitte, wo der junge Angreifer sicher einnetzte (56.).

In der Folge übernahm Nienburg dann aber deutlich die Oberhand, auch weil bei den Staßfurtern allmählich die Luft knapper wurde, wie es Coach Ziebell betitelte. Doch die Nienburger setzten die Abschlüsse meist am Kasten vorbei, scheiterten am Pfosten oder an 09-Keeper Dave Nöpel. In der 70. Minute war es dann aber soweit. Heric traf zwar nur den Pfosten, der eingewechselte Oliver Drachenberg scheiterte vorerst noch an Nöpel, die Abwehr des Keepers entpuppte sich allerdings als Bogenlampe und Tony Adam köpfte zum 1:3-Anschluss ein.

In der Folge drückte Nienburg weiter auf das Gaspedal, wollte weiter verkürzen. In dieser Phase kam Staßfurt kaum noch an den Ball. Bei einem Treffer wäre richtig Spannung aufgekommen, doch Nienburg traf nicht. „Im Endeffekt muss man auch sagen, dass wir es nicht verdient gehabt hätten, weil wir es einfach nicht erzwingen wollten“, stellte Schulze fest. Bedanken konnte sich die Staßfurter kurz vor dem Ablauf der regulären Spielzeit auch bei Keeper Nöpel, der gegen Adam und Heric mit einer starken Doppelparade den Vorsprung aufrecht erhielt.

Und so kam es eben, wie es kommen musste. Nach einem Einwurf machten es die Bodestädter schnell, der Ball gelangte zu Markus Kasties, der nicht lange überlegte, sondern trocken in die kurze Ecke einschoss. Der Jubel danach kannte keine Grenzen mehr, denn die Entscheidung war nun endgültig gefallen. „Nienburg hat ein gutes Spiel abgeliefert und war vom Ballbesitz her deutlich überlegen, dennoch denke ich, dass wir die klareren Chancen hatten. Glück war natürlich auch dabei, daher sind wir froh, dass es so ausgegangen ist“, sagte Ziebell nach dem Schlusspfiff.

Und dieser war noch gar nicht ganz verstummt, da liefen die ersten Akteure des SV 09 mit riesigen Biergläsern auf das Spielfeld. Neben einem großen Schluck gab es für den ein oder anderen Spieler eben auch die obligatorische „Dusche“. Die Nienburger hingegen schauten sich den Jubel der Hausherren mit gesenkten Köpfen und versteinerter Miene an. „Staßfurt war einfach galliger. Man kann sagen, dass der absolute Wille die Qualität geschlagen hat. Sie haben aufopferungsvoller gespielt und somit auch verdient gewonnen“, richtet Schulze die Glückwünsche an den Gegner. Er selbst war in der Bodestadt als Trainer und Spieler aktiv, musste nun aber mit ansehen, wie 09-Kapitän Limpächer die Glückwünsche für den gewonnenen Pokal von den Verantwortlichen des Kreisfachverbandes Fußball Salzland entgegennahm und sich danach mit seinen Mitspielern in eine große Jubeltraube stürzte. „Die Pokalüberraschung ist uns definitiv gelungen“, sagte ein sichtlich stolzer Ziebell.