Schönebeck/Staßfurt l Die vielen umstrittenen Entscheidungen des Video Assistant Referee (VAR) in den letzten Wochen haben gezeigt, dass es im Fußball auch unter Zuhilfenahme technischer Hilfsmittel nicht immer möglich ist, eine klare Entscheidung zu treffen. Noch viel schwieriger ist es derweil, wenn die Unparteiischen ohne Zeitlupe und mehrmalige Wiederholung im Bruchteil einer Sekunde eine Entscheidung fällen müssen.

Nicht immer sind gerade im Amateursport alle Beteiligten mit der Regelauslegung des Schiedsrichtergespanns zufrieden. So auch beim Salzland-Derby zwischen dem Schönebecker SV und dem SV 09 Staßfurt, welche zu Beginn der Rückrunde 2006/07 in der Elbestadt aufeinandertrafen. Über den Elfmeterpfiff, der dem 1:0 für den SSV vorausgegangen war, wurde im Anschluss heftig diskutiert.

Vor dem Anpfiff deutete zunächst wenig auf ein spannendes und hochklassiges Duell hin. Wie in diesem Jahr hatte es auch im Februar 2007 einen Wintereinbruch gegeben. Tagelang hatte es geschneit, sodass auf dem Rasen in der Barbarastraße eine dicke Schneedecke lag. Erst am Spieltag gegen zehn Uhr gab die Platzkommission ihr „Okay“.

Doch von Beginn an zeigten die 22 Akteure, dass sie Lust hatten, den angereisten Zuschauern ansehnlichen Fußball zu bieten. Bereits nach 25 Sekunden tauchte Staßfurts Matthias Härtl erstmals vor Steven Ebeling im SSV-Tor auf. Doch Letzterer war auf dem Posten, Härtl verfehlte sein Ziel. Eine symptomatische Szene für den weiteren Verlauf der ersten Halbzeit. Beide Teams standen in der Abwehr kompakt und versuchten aus dieser heraus mit Nadelstichen zum Erfolg zu kommen. Schönebecks beste Chance hatte dabei Christian Brehmer mit einem immer länger werdenden Freistoß aus 35 Metern nach knapp einer Viertelstunde. Doch 09-Schlussmann Thomas Stümpel und die Querlatte retteten das 0:0.

So entwickelte sich nach 30 Minuten doch das erwartete Kampfspiel. Der Einsatz und die immer mehr zunehmende Anzahl an Fouls kostete angesichts des tiefer werdenden Bodens beide Mannschaften einiges an Kraft. Als Marcel Mähnert kurz vor der Pause (44.) jedoch nach seiner zweiten Gelben Karte vorzeitig den Platz verlassen musste, schien das Pendel zugunsten der Gastgeber auszuschlagen.

René Schulze, damals Trainer des Verbandsliga-Teams aus der Bodestadt, war somit in der Kabine zum Umstellen gezwungen. Er löste die Viererkette auf und brachte „Oldie“ Mario Schöne als Libero. Und dieser sollte nur wenige Minuten nach dem Wiederanpfiff erstmals im Mittelpunkt stehen. Während er sich schnell an die „unterdurchschnittlichen“ Platzverhältnisse gewöhnen konnte, waren seine Gegenspieler weniger standfest. Insbesondere Sebastian Hellmich, gegen den Schöne den Ball im Strafraum abschirmte. Nachdem der Schönebecker Angreifer gestürzt war, rechnete kaum ein Zuschauer damit, dass Schiedsrichter Clemens Schultes aus Osterburg auf den Punkt zeigte – doch genau das tat er.

Dabei hatte sogar sein Assistent an der Seitenlinie „Weiterspielen“ angezeigt, doch Schultes überstimmte ihn. Eine Entscheidung, die nicht bei jedem auf Verständnis stieß. So hielt beispielsweise 09-Trainer Schulze nach dem Abpfiff fest: „So einen Elfmeter habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen. Ich verstehe den Schiri nicht“.

Doch an der Entscheidung war nicht mehr zu rütteln. SSV-Spieler Nico Dürstel schlug die Einladung nicht aus und netzte zur 1:0-Führung für die Heimmannschaft ein. Doch die von den Schönebecker Fans erhoffte Vorentscheidung war damit noch nicht gefallen. Nur vier Minuten später sorgte Härtl kaltschnäuzig für den Ausgleich. Staßfurt hatte aufgemacht und wurde für die offensivere Spielweise prompt belohnt.

Beide Teams wollten jetzt den Sieg und das merkte man auch an der immer rauer werdenden Gangart auf dem Platz. Das bessere Ende hatten schließlich die Platzherren für sich. Nach einem Eckball verpasste es Staßfurt, den Ball am kurzen Pfosten zu klären, sodass Hellmich das „runde Leder“ über die Linie drücken konnte. Staßfurts letzte Möglichkeit durch Martin Liebold blieb ungenutzt.

Ob die Partie ohne den Elfmeterpfiff anders ausgegangen wäre und ob dieser nun berechtigt war, lässt sich nach all den Jahren nicht mehr sagen. Zumindest die Staßfurter Verantwortlichen und Fans haben jedoch bis heute ihre Meinung zu diesem „kuriosen Gegentor“ zum Rückrundenstart vor 14 Jahren.