Staßfurt l Aus der bekannten Nacht, die benötigt wird, um schwierige Entscheidungen zu treffen, wurden bei Christian Krüger gleich mehrere. „Ich habe es mir zwei bis drei Wochen überlegt, mit verschiedenen Personen im Verein gesprochen“, sagt der 41-Jährige. Immerhin ging es darum, ob er die Vereinsführung beim SV 09 Staßfurt übernehmen will. Beim Landesligisten herrscht viel Unruhe, seitdem der vorherige Vorsitzende Ralf Möller im März überraschend zurückgetreten ist und viel verbrannte Erde hinterließ.

Krüger, der in der aktuellen Saison den SV Fortuna Magdeburg II trainiert, ist trotzdem noch Vereinsmitglied und Schiedsrichter beim SV 09 und hat „alles mitbekommen“. Und natürlich hat es ihn nicht kalt gelassen. Schon vor einiger Zeit gab er seinen Abschied in Magdeburg zum Saisonende bekannt. „Das stand schon vorher fest und hatte nichts mit der Anfrage aus Staßfurt zu tun.“ Doch die Zeit hat er wieder ab Sommer.

Und so entschied sich der gebürtige Staßfurter dafür, den Vereinsvorsitz zunächst kommissarisch zu übernehmen und sich im Herbst auf der Mitgliederversammlung dann als neuer Vorsitzender aufzustellen. „Der SV 09 ist mein Heimatverein, ich habe hier von der Jugend an gekickt“, begründet er, dass es sich dabei auch um eine Herzensangelegenheit handelt. „Ich hätte das für keinen anderen Verein gemacht.“

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Umbruch einleiten und Ruhe hereinbekommen

Und seinem SV 09 will er nun aus der Patsche helfen. „Es ist ja quasi schon fünf vor zwölf“, verdeutlicht der Justizbeamte im Strafvollzug die schwierige Lage in Staßfurt. Krüger, jahrelang als Spieler und Trainer in der Bodestadt aktiv, will den Umbruch einleiten. Es muss einiges in der Nachwuchsarbeit passieren, aber auch im Männerbereich. „Langfristig geht es darum, Ruhe in den Verein zu bekommen. Wir müssen uns erstmal in der Landesliga stabilisieren. Perspektivisch wollen zwar viele in die Verbandsliga, aber das ist erstmal etwas für den Fünfjahresplan.“ Laut Krüger bleibt auch abzuwarten, „wie es finanziell aussieht“.

Die Kaderplanung läuft bereits. „Ich arbeite intensiv mit Patrick Stockmann (sportlicher Leiter, Anm. d. Red.) zusammen“, berichtet Krüger und betont: „Momentan sieht es gut aus, wir haben gute Gespräche geführt. Doch wir müssen da auch immer den 30. Juni abwarten.“ Bis zu dieser Frist müssen sich Spieler bei ihrem alten Verein abgemeldet haben, wenn sie wechseln wollen. Erst dann wird sich also entscheiden, wer dem SV 09 die Treue hält und wer vielleicht neue Herausforderungen sucht.

Marco Janich soll den Konkurrenzkampf beleben

Einen ersten Neuzugang können die 09er nun schon verzeichnen. Marco Janich wechselt vom SV Förderstedt zum Stadtnachbarn. „Er soll den Konkurrenzkampf zwischen den Pfosten beleben. Er hat bei uns den kompletten Nachwuchs durchlaufen und kehrt an seine alte Wirkungsstätte zurück. Das soll auch künftig der Weg in Staßfurt sein“, sagt Stockmann, der Janich noch aus gemeinsamen aktiven Zeiten beim SV Förderstedt kennt. Der 29-Jährige kann auch als Feldspieler aushelfen.

Ob weitere Transfers geplant sind, bleibt offen. Generell will der SV 09 aber einen Verjüngungskurs einleiten. „Wir werden ab Sommer verstärkt auf den eigenen Nachwuchs setzen. Tom Krüger, Tim Kaufmann und Amon van Linthout werden in der Vorbereitung bei uns mittrainieren. Aaron Zöger wird komplett in den Männerbereich wechseln“, freut sich Stockmann, der ab Sommer auch die Rolle des Co-Trainers übernimmt. „Wir schauen nach den Turbulenzen in der Rückrunde wieder nach vorn“, so der 33-Jährige. Krüger und Stockmann ist es durchaus zuzutrauen, den Verein wieder in ruhigere Fahrwasser zu lenken.