Schneidlingen/Glöthe l Ingolf Schrader ist ein Mann der klaren Worte. Es ist nicht im Sinne des Trainers vom Kreisligisten Fortuna Schneidlingen, lange um den heißen Brei herumzureden. Vor der Saison 2017/2018 war das Ziel nach dem Abstieg aus der Salzlandliga klar. Die Fortuna wollte sofort wieder hoch. Ein Jahr später steht ein vierter Platz im Leistungsnachweis, der auf den ersten Blick gar nicht so schlecht aussieht. Aber das Fazit von Schrader fällt unmissverständlich aus. „Wir haben die Zielstellung verfehlt. Ganz klar“, sagt der Coach. „Man muss aber auch sagen, dass Plötzkau absolut verdient aufgestiegen ist. Die Mannschaft war der Primus der Liga.“ An diesem Thron konnte Schneidlingen nie ernsthaft rütteln.

Dabei war die Fortuna furios in die Saison geprescht. Vom Start weg gelangen den Schneidlingern fünf Siege. Die ambitionierten Ziele schienen umsetzbar. Doch ein 1:6 zu Hause gegen Union Schönebeck III am 22. Oktober und ein 1:5 sechs Tage später beim Klassenprimus Plötzkau brachten das Team auf den Boden der Tatsachen zurück. Trotzdem galt: „Die 1. Halbserie war ok“, so Schrader. Problematisch wurde es aber in der Rückrunde. Wegen das harten Winters konnte Schneidlingen bis zum April fast gar keine Pflichtspiele absolvieren. Dafür musste das Team bis zum Mai drei Wochen hintereinander jeweils freitags und sonntags ran. Bezeichnend war das erste Wochenende im Mai. „Da haben wir am Freitag bei 30 Grad gegen Welsleben gespielt und am Sonntag sind die selben elf Spieler bei 35 Grad gegen Barby angetreten“, erinnert sich Schrader. „Die waren nach 40 Minuten platt.“

Das Spiel ging 1:3 verloren, Schneidlingen geriet in ein spielerisches und mentales Loch. „Ab da ging es abwärts“, so Schrader. Eine Woche später warf die Fortuna beim 4:4 gegen Gerbitz eine 3:0-Führung weg. Der Tiefpunkt war am 19. Mai erreicht. „Da hatte ich nur noch fünf Spieler. Wir mussten das Spiel absagen. So etwas habe ich noch nie erlebt“, erzählt Schrader. Verletzungen und berufliche Verpflichtungen dünnten den Kader aus. Dass die Ergebnisse nicht mehr stimmten, lag aber nicht nur am kleinen Kader und den schweren Beinen, sondern auch am müden Geist. „Die Einstellung hat nicht mehr so gestimmt, wie in der Hinrunde.“ Besonders gegen Teams aus dem unteren Tabellendrittel kassierte Schneidlingen unnötige Punktverluste, nachdem die Schrader-Elf beim 0:0 gegen Plötzkau am 29. April und beim 3:1-Sieg in Welsleben am 4. Mai noch gezeigt hatte, welches Potential in ihr steckt. Dieses wieder abzurufen, ist das Ziel für die kommende Saison.

Noch schlechter erging es dem VfB Glöthe, der haarscharf am „Worst-Case-Szenario“ vorbeischrammte. Der Abstieg konnte nur verhindert werden, weil Askania Bernburg III nach zwei Spielen zurückzog und Rotation Aschersleben noch eine größere Schießbudenmannschaft war. 13 Punkte holte Glöthe nur in der gesamten Saison, gerade einmal vier waren es in der Rückrunde. „Es war einfach ein Scheißjahr“, bringt es der sportliche Leiter Christoph Kühne auf den Punkt, der im Oktober zusammen mit Steffen Klingner, dem Coach der Zweiten, auch das Training der Ersten übernommen hatte. Marko Lärz hatte mitten in der Saison das Handtuch geworfen, weil die internen Probleme zu groß geworden waren.

Besser wurde es in der Punkteausbeute nicht. Eher schlimmer. „Wir hatten in der Rückrunde stellenweise nur sieben bis acht Spieler aus der Ersten“, so Kühne. Nur, weil das Trainerduo den Kader mit Spielern aus der Zweiten auffüllte, konnte Glöthe überhaupt immer elf Mann auf‘s Protokoll schreiben. „Aber wir sind immer angetreten. Das muss man der Mannschaft hoch anrechnen.“ Jedoch waren Kühne und Klingler auch die Hände gebunden. Auch Kritik an sich selbst lässt Kühne gelten. „Wir konnten die Mannschaft nicht immer motivieren. Dazu sind wir ab der 70. Minute permanent eingebrochen. Die Mannschaft hatte konditionelle Schwächen. Da hat dann auch die Vorbereitung im Sommer davor nicht gereicht.“

Im Schneckenrennen gegen den Abstieg rettete sich Glöthe dank des einzigen Sieges in der Rückrunde am 20. April, als der VfB die Aschersleber mit 3:0 in die Schranken wies. „Dieser Sieg hat uns den Arsch gerettet“, so Kühne. Danach kassierte Glöthe acht Pleiten in Folge. Tiefpunkt war die 0:10-Klatsche gegen Plötzkau am 9. Mai.

Logisch, in der neuen Saison muss einiges anders werden, damit es nicht wieder so ein Zitterjahr wird. Ein neuer externer Trainer sollte zwar her. „Das hat aber nicht geklappt“, erklärt Kühne. Steffen Klinger wird neuer Chefcoach der Ersten, Kühne selbst wird das Training bei der Zweiten aus der 2. Kreisklasse übernehmen. Maik Schwemer hat die Mannschaft verlassen und wechselte als Trainer nach Wespen, dafür darf Kühne mit Daniel Weisheim einen vielversprechenden Rückkehrer aus Nedlitz präsentieren. „Er ist eine richtige Granate.“ Auch Alfred Siebert von der ZLG Atzendorf hat den Weg nach Glöthe gefunden. Mitte der Saison sollen zudem zwei 17- und 18-jährige Spieler ihre Spielberechtigung bekommen. Es gibt also einen Anlass für Zuversicht beim Vorausblick auf die kommende Saison.