Staßfurt l Ungewöhnliche Szenen spielten sich am Donnerstag Abend im Training beim Fußball-Landesligisten SV 09 Staßfurt ab. Der Ball ruhte liebevoll drapiert und wurde danach wohl überlegt und gut zirkuliert in die große Masse geschlagen der weit entfernt stehenden Staßfurter. Dann begann die große Unruhe.

Ja, beim SV 09 wurden gestern Standards trainiert. Ecken und Freistöße, immer wieder. „Sonst trainieren wir das nicht“, gibt Trainer Jens Liensdorf zu. Weil da im Amateursport auch einfach die Zeit fehlt. Die Ausnahme hat einen guten Grund: Wenn die Staßfurter am Sonnabend beim FSV Grün-Weiß Ilsenburg antreten (Anstoß 15 Uhr), dann treffen die Bodestädter auf eine „sehr, sehr kompakte Mannschaft, die sehr groß ist“, wie Liensdorf erklärt. Kleinigkeiten werden da wohl entscheiden. „Man muss sehen, was der Platz hergibt. Vielleicht müssen wir da Mittel finden, die wir sonst nicht auspacken. Und das könnten vielleicht lange Bälle sein, vielleicht auch eine Standard-Situation.“ Schon Bundestrainer Jogi Löw hatte vor dem WM-Titel 2014 die Bedeutung von Standards erkannt. Auch weil die Nationalmannschaft viele Tore nach ruhenden Bällen erzielte, wurde Deutschland in Brasilien Weltmeister. Wenn man will, ist der SV 09 also auf den Spuren der ganz großen Namen.

Aber so wie es für „Die Mannschaft“ 2014 kein Selbstläufer war, muss sich auch der SV 09 am Sonnabend mächtig strecken, um die drei Punkte einzufahren. Zwar gewann Staßfurt das Hinspiel mit 5:0. „Aber bis zum 1:0 hatte Ilsenburg da super gespielt und war auf Augenhöhe“, erinnert sich Liensdorf. Am Ende lag es auch an der Defensive, die „sehr, sehr gut gestanden hat“, dass Staßfurt klar gewann.

Kein Favorit

Und so wird es auch im Rückspiel nur einen Sieger mit dem Namen SV 09 geben, wenn jeder Spieler tatsächlich voll konzentriert über 90 Minuten agiert. Das wird auch beim Blick auf die Saisonstatistik klar. „Ilsenburg ist das stärkste Heimteam der Liga“, hat Liensdorf beobachtet. Der FSV ist noch ungeschlagen auf heimischem Rasen, hat nur am 1. Spieltag zwei Punkte abgegeben. „Es gibt keinen Favoriten. Das wird eine harte Nuss. Wir haben hohen Respekt vor Ilsenburg“, so Liensdorf. „Die Jungs sind auch nach dem Remis gegen Bismark in der Pflicht.“

Denn das 1:1 vor einer Woche war zu wenig für Staßfurts Ansprüche. Will der SV 09 nicht den Anschluss verlieren, müsste ein Sieg in Ilsenburg her. Und möglichst auch in einer Woche im Heimspiel gegen den Liga-Favoriten MSC Preussen. „Das sind zwei richtige Kracher. Wir befinden uns an einem Wendepunkt“, meint Liensdorf. „Es wird sich nun entscheiden, ob wir links abbiegen und oben mitspielen oder rechts abbiegen und am Ende im Mittelfeld landen.“ Staßfurt könnte in zwei Wochen die gute Ausgangslage fast verspielen. Oder positiv gesehen auch endgültig die Weichen dafür stellen, am Ende auf einem Podestplatz zu landen. Derzeit sind die Bodestädter Zweiter und liegen sechs Punkte hinter Tabellenführer Westerhausen. Es sind die Wochen der Wahrheit für den SV 09 Staßfurt.

Das Personal spricht dann auch dafür, dass es keine Ausreden gibt, alles zu probieren. Personell und taktisch. Maximilian Moye (Urlaub) und David Siegel (krank) werden auf jeden Fall fehlen, ein Fragezeichen gibt es noch bei Felix Jesse (hat sich am Dienstag eine Zerrung zugezogen).

Aber vor allem die Rückkehr von Tobias Witte stimmt zuversichtlich. Der Stammkeeper kehrt nach seinem Urlaub in den Kasten zurück. Darauf legt sich Liensdorf fest, auch wenn Abwehrspieler Marcel Mähnert, der in der Vorwoche als Aushilfstorwart zwischen den Pfosten stand, es „super gemacht hat und uns den Punkt gerettet hat“. Aber Experimente werden nicht eingegangen. Dafür ist das Spiel zu wichtig. Das zeigte ja auch das gestrige Training. Der Zufall soll nicht das Spiel entscheiden, eher die eingeübte Technik. Vielleicht ja auch per Standard.