Ilsenburg/Staßfurt l Er hatte nur den Ball im Blick und alles andere um sich herum ausgeblendet. Ein kurzer Sprint. Ein fairer und schneller Zweikampf. Marcus Bolze wollte die Kugel unbedingt. Und er hat sie sich erarbeitet. Mit frühem Pressing. Vor dem gegnerischen Sechzehner. Diese Balleroberung führte im Spiel des SV 09 Staßfurt gegen den FSV Ilsenburg zur zwischenzeitlichen 2:0-Führung. Letztlich haben die Staßfurter das Landesliga-Spiel mit 4:3 (2:0) gewonnen. Und die Szene zeigte, warum. „Die absolute Willenskraft war entscheidend“, berichtete Coach Jens Liensdorf. „Von der ersten Minute an hatten wir eine starke Laufbereitschaft und haben uns über diese Schiene reingekämpft.“

Und das war auch direkt sichtbar. Nach nur 27 Sekunden setzte Benjamin Kollmann einen Distanzschuss an den Pfosten. Dass Liensdorf neben ihm mit Matthias Härtl, Stefan Stein und Marcus Bolze drei weitere nominelle Stürmer aufbot, lag nicht unbedingt an einer bedingungslos offensiven Marschroute, sondern war viel mehr dem dünnen Personal geschuldet. Die Außenspieler David Siegel und Nick Unger waren krank. Und so agierte Stein über die linke Seite. „Das ist nicht seine Paraderolle, aber er hat das gut gemacht“, bescheinigte der Trainer. Und das stellte der Torschützenkönig der Vorsaison beim 1:0 (32.) auch unter Beweis, als er von Härtl gut bedient wurde und von links trocken vollendete.

Gute erste Hälfte

Es folgte die angesprochene Szene. „Die Jungs wollten das 1:1 gegen Bismark korrigieren. In der Vorwoche hätte das nicht geklappt. Aber wir haben dieses Mal keinen Ball aufgegeben“, lobte Liensdorf. Vom großen Einsatz von Bolze profitierte dann letztlich Kollmann. Der Ball landete über Härtl beim Angreifer, der ebenfalls eiskalt vor dem Kasten agierte und das 2:0 zu einem sehr guten Zeitpunkt in der 44. Minute erzielte. „Wir haben eine top erste Hälfte gespielt. Ilsenburg war noch nicht so im Rhythmus, das haben wir ausgenutzt.“ Sicherheit für die zweite Hälfte? Pustekuchen.

In nur elf Minuten drehten die Gastgeber aus Ilsenburg das Spiel in Durchgang zwei komplett. Und alle Toren fielen nach Standards. „Das war das einzige Mittel, das sie gegen uns hatten“, so Liensdorf. Aber es war ein effektives. So war die Situation vor dem 1:2 sehr undankbar für Tobias Witte im Staßfurter Kasten. Eine Freistoß-Flanke von Marcin Ankudowicz flog an allen Spielern vorbei und landete im Tor (59.). „Das ist für den Torwart ein sehr schwieriger Ball“, nahm der Coach seinen Schlussmann in Schutz.

Kritisiert hat Liensdorf dafür die Schiedsrichter, die nur 58 Sekunden später nach einem Foul von Chris Horstmann auf Strafstoß entschieden. „Das war gar nichts für mich.“ Kapitän David Lozinski schnappte sich die Kugel und glich zum 2:2 aus (61.). Wiederum nur neun Minuten später war der FSV erneut erfolgreich. Nach einem Freistoß landete ein „Ping-Pong-Ball“ letztlich bei Tino Lessmann, der seine Farben mit 3:2 in Führung brachte (70.).

Doch wer dachte, dass das Momentum dann auf Seiten der Harzer lag und die Gäste keine Chance mehr hatten, der war falsch gewickelt. Die Staßfurter haben das Spiel erneut gedreht. „Das war mega, was wir für eine Moral gezeigt haben“, war Liensdorf begeistert. Wiedrum nur eine Minute später verwertete Markus Müller eine Stein-Flanke zum 3:3 (71.). Den Schlusspunkt setzte dann Kollmann, der vom Elfmeterpunkt den 4:3-Endstand herstellte (83.). Doch nicht nur „Kolle“ bekam vom Trainer ein Sonderlob, auch Härtl. „Er ist sehr lauffreudig, zieht immer einige Spieler auf sich und schafft so Räume für die anderen.“

Klar, Liensdorf kann zu keinem anderen Schluss kommen: „Es passt sehr viel zusammen momentan.“ Der Coach weiß genau, dass nicht jedes Spiel so laufen kann wie beim 5:0 im Hinspiel. „Da hatte ich weniger graue Haare.“ Genauso ist er aber auch davon überzeugt, dass „uns der Sieg in dieser Art und Weise einen Schub geben wird.“ Und der kommt vielleicht genau zum richtigen Zeitpunkt. Denn am Sonnabend empfangen die Staßfurter mit dem MSC Preussen einen der Staffelfavoriten. Zu dieser Riege gehört der SV 09 aber nicht erst seit dem Sieg in Ilsenburg auch selbst.

Staßfurt: To. Witte - Nagel, Stein (78. Ti. Witte), Müller, Härtl, Kollmann (90. Siegel), Schmidt, Bolze, Stachowski, Lieder, Horstmann (82. Möller)

Tore: 0:1 Stein (32.), 0:2 Kollmann (44.), 1:2 Ankudowicz (59.), 2:2 Lozinski (61.), 3:2 Lessmann (70.), 3:3 Müller (71.), 3:4 Kollmann (83.), SR: Marcus Peter (Amsdorf), ZS: 128