Staßfurt l Stefan Stein setzte zum Vollsprint an. Vorbei an allen Mitspielern ging es zurück zu seinem guten Kumpel Tobias Witte, den er innig umarmte. Der Stürmer des SV 09 Staßfurt erzielte im Landesliga-Heimspiel gegen Grün-Weiß Ilsenburg eine Minute vor dem Ende, und drei Minuten nach seiner Einwechslung, den späten Siegtreffer zum 1:0 (0:0). Und nachdem er mit dem Keeper des SV 09 jubelte, gratulierten ihm auch seine anderen Mitspieler.

Jeder gönnte Stein diesen Treffer. Denn der 29-Jährige hat eine lange Leidenszeit hinter sich, laborierte er doch seit Mitte Juli an einem Muskelbündelriss im Oberschenkel, den er sich in der Vorbereitung zuzog. Doch er arbeitete hart und durfte am gestrigen Feiertag sein Comeback geben. Und das verlief für ihn traumhaft. „Das ist sehr schön. Und dass wir so ein goldenes Händchen haben als Trainerteam, kommt auch nicht jeden Tag vor“, war auch Coach Jens Liensdorf sehr zufrieden mit dem Joker. Aber er hatte auch eine Begründung für den späten Siegtreffer: „Wir haben bis zum Schluss dran geglaubt.“

Auf dem neuen Kunstrasen am Stadion der Einheit bekamen die 95 Zuschauer zunächst eine sehr zähe Partie zu sehen. Torchancen waren in der ersten Hälfte Mangelware. Viele Fouls auf beiden Seiten ließen kaum Spielfluss zu. „Es war ein intensives und zweikampfbetontes, aber dennoch faires Spiel“, beobachtete auch der Coach. Dabei passte sich der Gastgeber auch etwas der harten Gangart der Grün-Weißen an. „Wir hätten Probleme bekommen, wenn wir in den Zweikämpfen zurückgezogen hätten. Wir wollen ja auch, dass es knistert.“

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Und im zweiten Durchgang knisterte es nicht nur in den Zweikämpfen, sondern auch immer öfter mal vor dem Tor. Während Witte so gut wie beschäftigungslos blieb, wurde es auf der Gegenseite immer regelmäßiger brenzlig im Sechzehner. Ein erstes Ausrufezeichen setzte Maximilian Moye mit einem Schuss von der Strafraumkante, der knapp am Pfosten vorbeiging (59.).

Und wenig später war es wieder der Defensivmann, der nach einer Flanke von Marc Burdack hätte treffen können, das Leder aber über den Querbalken jagte (73.). Zwar agierten die Staßfurter oftmals zu überhastet, doch der unbedingte Wille auf den Dreier war den Gastgebern anzumerken. Sie gingen früh drauf und scheuten keinen Zweikampf.

Auch die Einwechselspieler brachten nochmal frischen Wind ins Spiel. So ging ein Schuss von Markus Müller aus 15 Metern nur hauchzart am rechten Pfosten vorbei (82.). Große Proteste gab es dann wenige Minuten später, als Benjamin Kollmann im Strafraum zu Fall gebracht wurde, das Schiedsrichtergespann aber nicht auf Foul entschied. Den völlig aufgebrachten Gefoulten nahm Liensdorf dann runter. Und brachte Stein. Und der stand goldrichtig, als die Staßfurter stark über rechts kombinierten, und verwertete eine Flanke von Chris Horstmann per Kopf. „Das war nach der Fehlentscheidung vorher umso schöner“, fasst es der SV 09-Coach zusammen.

Mit dem fünften Sieg in Folge klettert der SV 09 Staßfurt an die Tabellenspitze. Doch viel Zeit für Erholung bleibt dem neuen Spitzenreiter nicht. Bereits am Sonnabend geht es mit dem nächsten wichtigen Spiel beim MSC Preussen weiter.

SV 09: Witte - Abresche, Moye, Unger (63. Burdack), Härtl, Kollmann (86. Stein), Möller (77. Müller), Stachowski, Lieder, Horstmann, Oehme

Tor: 1:0 Stefan Stein (89.), SR: Tobias Menzel (Fortuna Magdeburg), ZS: 95