Salzlandkreis l Doch wie passt es zusammen, dass die gutbezahlten Profis eine Erlaubnis erhalten, während diese den Amateuren verwehrt bleibt. Wie kommt der Plan der Deutschen Fußball Liga (DFL) über einen baldigen Wiedereinstieg bei der breiten Masse an? Wir haben uns im Salzlandkreis umgehört.

Bereits Mitte Mai soll der Ball im deutschen Oberhaus wieder rollen, wenn es nach den Verantwortlichen der DFL und der Sportministerkonferenz geht. Notfalls auch in Geisterspielen ohne Zuschauer, stattdessen mit der geringsten Anzahl an Menschen im Stadion, die für eine geregelte Durchführung der Pflichtspiele nötig sind. Doch wie passt diese Planung mit der weiteren Ausbreitung der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Beschränkungen von offizieller Seite zusammen? Im öffentlichen Nahverkehr sowie beim Einkauf gilt eine Maskenpflicht, während diese gleichzeitig knapp werden. Dies würde mit der Wiederaufnahme der Spiele in der Fußball-Bundesliga ad absurdum geführt.

Der Plan der DFL sieht vor, dass die Spieler mit Masken spielen. Sollten diese verrutschen, werden die Partien sofort unterbrochen. Alle 15 Minuten sollten die Masken zudem gewechselt werden, um einen besseren Schutz zu gewährleisten. Zudem sollen die Spieler mehrmals täglich getestet werden – eine Tatsache, die vielen negativ aufstieß. Was rechtfertigt die Sonderbehandlung der Profifußballer? Die Idee beanspruche Unmengen an Atemschutzmasken und auch in Sachen Coronatests wäre eine Fortsetzung der Saison ein Mammutunterfangen. Doch dem widerspricht die DFL entschieden. „Die Umsetzung beansprucht nicht einmal 0,4 Prozent der wöchentlichen Testkapazitäten und wird in dieser Hinsicht keinen Einfluss auf die Allgemeinheit haben“, heißt es in einer Pressemitteilung. Klar ist für die DFL aber auch: „Sollte es durch künftige Entwicklungen – zum Beispiel eine zweite Corona-Infektionswelle – tatsächlich Engpässe geben, wird die DFL die Versorgung der Bevölkerung selbstverständlich nicht beeinträchtigen.“

Finanzieller Aspekt wird immer wieder betont

Während die Amateurvereine bei Umfragen der Kreisfachverbände immer wieder deutlich für einen Abbruch aussprechen – zuletzt im Burgenlandkreis und Saalekreis – sieht das Stimmungsbild in der Bundesliga anders aus. Immer wieder hört man Befürworter einer Wiederaufnahme des Spielbetriebes. Zuletzt sorgte Uli Hoeneß, der ehemalige Präsident des FC Bayern München für Aufsehen, als er sich in einem Interview deutlich für die Fortsetzung aussprach. „Grundsätzlich halte ich Geisterspiele für fragwürdig, doch angesichts der wirtschaftlichen Lage einiger Vereine sind sie lebensnotwendig und bedingungslos.“

Diese Meinung stößt nicht bei allen auf Verständnis. Martin Hense von Fußball-Kreisligist Fortuna Schneidlingen sieht die Sonderrolle der Profiligen als problematisch an. Gerade die Vorbildrolle kommt ihm zu kurz. „Es wirft ein falsches Bild auf die aktuelle Situation und verharmlost die Entwicklung der Corona-Pandemie.“ Allerdings sieht er selbst auch die Notwendigkeit, welche durch die anderen wirtschaftlichen Voraussetzungen in den höheren Ligen entsteht. „So lange die nötigen Maßnahmen getroffen und beispielsweise die Mindestabstände eingehalten werden, sehe ich der Sache gelassen entgegen. Durch die deutlich größeren Geldmengen, die in der Bundesliga in die Hand genommen werden, sind die Auswirkungen dort andere. In den unteren Spielklassen betrifft das eher weniger Vereine. Nämlich nur die, die bereits hier ihre Spieler bezahlen“, so Hense.

Ähnlich beurteilt Patrick Stockmann, Trainer von Landesligist SV 09 Staßfurt, die Planungen der DFL. „Wirtschaftlich ist die Entscheidung nachzuvollziehen, da die Vereine Geld bezahlen für Leistungen, die zur Zeit gar nicht erbracht werden. Und aus der Sicht eines Fußballers freut man sich, den eigenen Sport zumindest im Fernsehen verfolgen zu können, während man selbst die Füße stillhalten muss. Dennoch kann ich auch nachvollziehen, dass die Entscheidung nicht nur auf Wohlwollen stößt, da der Fußball eine Art Sonderstellung einnimmt.“

Insbesondere die unterschiedliche Vorgehensweise – sowohl zwischen den einzelnen Verbänden, als auch zwischen Amateuren und Profis – fällt dabei ins Auge. „Eigentlich sollte der Fußball als ein ganzes gesehen und alle Ligen gleich behandelt werden. Aber ich kann auch nachvollziehen, dass das auf Grund finanzieller Unterschiede nicht möglich ist“, so Stockmann. Letztlich bleibt aber auch bei ihm die Vorfreude, dass mit der Fortsetzung des Spielbetriebes wieder etwas mehr Normalität einkehrt.