Salzlandkreis l „Das wird interessant, wer aufsteigt. Wir sind es jedenfalls nicht.“ Mit diesen Worten ließ Christian Bilkenroth, Trainer bei Landesklasse-Spitzenreiter SV Plötzkau, vor Kurzem aufhorchen. Seine Mannschaft steht in der aktuell unterbrochenen Saison mit 21 Punkten aus den ersten sieben Partien unangefochten an der Tabellenspitze. Umso mehr überraschte die Aussage des Übungsleiters, dass er und seine Spieler den Gang in die zweithöchste Spielklasse Sachsen-Anhalts nicht gehen würden.

Die Begründung? Landesliga sei nicht das Ding der Plötzkauer. „Wir sehen ja gerade in Alsleben, wie so etwas ausgehen kann.“ Die Rot-Weißen aus dem Nachbarort stehen in der Süd-Staffel auf einem Abstiegsplatz. Das will der SVP vermeiden. „In der Landesklasse fühlen wir uns wohl“, bringt es Bilkenroth auf den Punkt. Grund dafür sind sicher auch die Derbys gegen Roschwitz, Nienburg und Baalberge, die beim zweiten Aufstieg in zwei Jahren wegfallen würden.

Unverständnis bei Konkurrent Atzendorf

Diese frühzeitige Entscheidung der Plötzkauer stößt bei deren Landesklasse-Konkurrenten aus der Region auf ein geteiltes Echo. „Wenn man sich die Möglichkeit erarbeitet hat, in die Landesliga aufzusteigen, sollte man die Chance als Sportler auch nutzen“, hält beispielsweise Stefan Rock fest. Der Coach der ZLG Atzendorf weiß, wovon er redet, denn mit dem Schönebecker SV kickte er bereits selbst in der Verbandsliga.

Um selbst in Sachsen-Anhalts Oberhaus vorzudringen, wartet auf die Atzendorfer noch einiges an Arbeit, aber zumindest der Aufstieg in die Landesliga rückt durch den Verzicht von Plötzkau für Rock und seine Mannschaft in greifbare Nähe. Doch der Übungsleiter schiebt die Favoritenrolle von sich. „Ich denke, Nienburg und Schwarz-Gelb Bernburg werden den Aufstiegsplatz unter sich ausmachen“, hält er fest, um dann nachzuschieben: „Chancen haben aber alle vier Mannschaften, die in der Tabelle aktuell direkt hinter Plötzkau liegen“. Und dazu zählen letztlich auch die Atzendorfer, die derzeit punktgleich mit den Kreisstädtern (15 Punkte) auf dem dritten Tabellenplatz liegen.

Anders schätzt Förderstedts Trainer Michael Buschke die Entscheidung des Spitzenreiters ein. „Hut ab vor dieser vernünftigen Einschätzung. Die Landesliga kostet Geld, beispielsweise für Schiedsrichter oder die längeren Auswärtsfahrten. Außerdem gehen die Derbys mit den benachbarten Mannschaften verloren. Ich kann die Entscheidung deshalb vollkommen nachvollziehen und hätte wohl ähnlich gehandelt.“

Dabei führt Buschke ähnliche Punkte an wie Plötzkaus Bilkenroth. „Wir wollen unseren Spaß beim Fußball haben. Dazu gehören auch die Derbys, die wir in der Landesklasse haben. Das würde in der Landesliga verloren gehen.“ Darüber hinaus hätte ein Großteil seiner Mannschaft bereits in der Landesliga gespielt. Buschke selbst gehörte von 2013 bis 2018 zum Förderstedter Kader in der Nord-Staffel.

Abstiegskampf statt Aufstiegsträumen

Statt sich aktuell Gedanken um den Aufstieg zu machen, mussten die SVF-Kicker vor der Unterbrechung ohnehin eher den Blick nach unten richten. Mit sieben Punkten aus sieben Spielen steht die Buschke-Elf nur drei Zähler vor Baalberge auf dem ersten Abstiegsplatz. „Wir haben eigentlich eine gute Mannschaft, aber es war nicht immer möglich, dass alle am Wochenende Zeit hatten“, so der Trainer. Auf die anhaltenden Personalsorgen hat der Verein im Winter mit den Transfers von Angreifer Serhat Elmas (FC Reutlingen II) und Mittelfeldspieler Kevin Cikar reagiert. Letzterer kommt von Spitzenreiter SV Plötzkau nach Förderstedt. Weitere Aktivitäten auf dem Transfermarkt während der weiterhin andauernden Unterbrechung schließt Buschke dabei nicht aus. Ein breiterer Kader soll dem Übungsleiter mehr Planungssicherheit geben.

Doch unabhängig davon, ob und wie es mit der Spielzeit 2020/21 weitergeht, steht bereits jetzt fest: Plötzkau bleibt Landesklassist. Das Rennen um den Aufstieg in die Landesliga, Staffel Nord, ist deshalb offener denn je. Und was das Thema Derbys angeht: Zumindest die Salzland-Duelle gegen Union Schönebeck und den SV 09 Staßfurt würden sowohl für Atzendorf als auch Förderstedt hinzukommen. Zusätzlich zum potentiellen Wiedersehen mit Vorjahresmeister TSV Kleinmühlingen/Zens.