Staßfurt l Mit einem kurzen Klaps auf den Rücken schickte Jens Liensdorf ihn damals aufs Feld, im Sommer 2017. Beim letzten Saisonspiel des damaligen Landesklassisten SV 09 Staßfurt wurde Lukas Möller eingewechselt. Der Stürmer sollte in vorderster Front für das 100. Tor der Saison sorgen. Und er erzielte es. In der 90. Minute. Die Staßfurter bejubelten nicht nur den Aufstieg, sondern auch den damals 19-Jährigen. Die große Stürmer-Hoffnung aus den eigenen Reihen.

Heute, nicht mal anderthalb Jahre danach, sieht das alles ganz anders aus. Lukas Möller ist in der aktuellen Landesliga-Saison Stammspieler. Jedoch nicht in der Sturmspitze, sondern im defensiven Mittelfeld. Weil Michael Schmidt seine Karriere im Sommer beendete und der SV 09 auf der Sechs auch von Verletzungspech geplagt war und ist, füllt Möller diese Rolle momentan aus.

„Er bringt Spielintelligenz und Übersicht mit, hat Ruhe am Ball und scheut sich nicht, in Zweikämpfe zu gehen“, lobt Coach Liensdorf seinen Schützling. Die defensiven Aufgaben erfüllt der 20-Jährige mit einer Souveränität wie nur wenige Spieler in diesem Alter. Die Folge: Er kam in dieser Saison in allen sieben Spielen zum Einsatz, zumeist als stabiler Sechser in der Startelf. „Er zahlt dieses Vertrauen mit Leistung zurück“, so der Trainer.

So ganz ins kalte Wasser wurde er dabei auch nicht geworfen. Klar, er war im ersten Männerjahr nur als Stürmer vorgesehen und war bis zur B-Jugend ein Torgarant für die Jugendteams des SV 09. Doch in der A-Jugend hat Möller schon hauptsächlich als Sechser gespielt. „Da habe ich meine Erfahrungen gesammelt, aber das ist natürlich kein Vergleich zum Männerbereich.“

Umso glücklicher ist er derzeit über jede Berufung in die erste Elf. „Ich bin sehr froh, dass ich diese Chancen momentan bekomme. Klar profitiere ich momentan von unserem Lazarett, dadurch ist der Platz ja frei geworden. Ich hoffe aber, dass ich langfristig dort spielen kann.“ Der jüngste Sohn des Vereinsvorsitzenden Ralf Möller steckt sich hohe Ziele. Und na klar, das ist der erste Schritt zum Erfolg. „Ich habe jetzt den Spielrhythmus und möchte mich durchsetzen im zentralen Mittelfeld. Den Platz möchte ich nicht so schnell wieder hergeben, wenn die Verletzten zurückkehren.“

Einfach wird das sicher nicht. Denn Kapitän Markus Müller wird nach seiner Verletzung einen Stammplatz haben. Daneben müsste er sich gegen gestandene Spieler wie Steven Stachowski, Stefan Stein oder Felix Jesse durchsetzen.

Doch den Ehrgeiz hat der flexible Mann, der nach seiner Zeit als Stürmer auch schon die offensiven wie defensiven Außenbahnen beackerte. Nun ist er nach vielen „Experimenten“ angekommen, was die Position angeht, und sagt: „Das zentrale Mittelfeld ist meine Lieblingsposition.“

Liensdorf und Schmidt als Vorbilder

Natürlich gab es da im Verein auch einige Spieler, die ihn geprägt haben in seiner Leidenschaft als Abräumer. „Der erste Ansprechpartner ist da Jens“, beschreibt er sein gutes Verhältnis zum Coach. Der 37-Jährige spielte jahrelang selbst auf dieser Position und bildete beim jüngsten 3:2-Heimsieg gegen Niegripp sogar gemeinsam mit Möller die Doppelsechs.

Das Vorjahr, als der Mann aus den eigenen Reihen beim Tabellenzweiten auf 16 Einsätze kam, hat ihn ebenfalls geprägt. Auch, wenn er noch nicht in der defensiven Schaltzentrale aktiv war, „habe ich sehr profitiert von Michael Schmidt“. Der Ex-Kapitän hat auch Möller geprägt: „Ich habe mir viel von ihm angeeignet und er hat mir auch zahlreiche Tipps gegeben.“

Auch deshalb reißt er das Team schon mit, geht mit einer gesunden Aggressivität in die Zweikämpfe und spielt clevere Pässe. „Er hat eine super Entwicklung genommen, aber sein Reifeprozess ist noch nicht abgeschlossen“, so Liensdorf, der „kurzfristig“ auf der Sechs mit ihm plant. Ob er diesen Platz behaupten kann, wird sich zeigen. Fest steht aber: Möller würde sich auch in den Dienst der Mannschaft stellen und andere Positionen bekleiden. Rechtsverteidiger gibt er als zweitliebste Position an. Und wenn im Sturm Not am Mann ist, würde er auch dort aushelfen. Toreschießen kann er ja nachweislich.