Staßfurt l Marcel Maier konnte es nicht fassen. Der Verteidiger der ZLG Atzendorf sackte zusammen, wendete seinem leeren Blick dem Rasen zu. Gerade war der 4:1-Führungstreffer des FSV Rot-Weiß Alsleben im Endspiel des Salzlandpokals gefallen (29.). Und wieder verteidigten Maier und seine Nebenleute stümperhaft. Schon bei den ersten beiden Toren des Tages hatten Sebastian Horner (8.) und Alexander Naumann (11.) freie Bahn. Zwar hatte der Atzendorfer Torjäger Sebastian Tolle auf das zwischenzeitliche 0:3 die passende Antwort, doch mit dem 1:4 bröckelte die ZLG-Abwehr weiter auseinander.

„Wir haben nicht ins Spiel gefunden, waren überrascht von den guten Spielern des Gegners und haben keine Mittel gefunden, das zu verteidigen“, stellte auch ZLG-Trainer Heinz Weile im Nachgang fest. Und so musste sich der 65-Jährige zum zweiten Mal in seiner Karriere in einem Endspiel geschlagen geben. Denn die Atzendorfer sollten sich nach der vogelwilden Anfangsphase zwar nochmal steigern, zum Ausgleich reichte es aber nicht mehr. Das spektakuläre Endspiel im Stadion der Einheit in Staßfurt endete mit 6:4 (4:2) für den FSV, der damit nach 2016 zum zweiten Mal den Pokalsieg eintütete. Und gleichzeitig dem Coach das wohl bestmögliche Abschiedsgeschenk machte. Marcus Reckrühm, der sein Amt aus beruflichen Gründen niederlegt, hätte auch „nicht damit gerechnet, dass es nochmal so spannend wird“.

Denn neben zahlreichen Fehlpässen und Stockfehlern deuteten die Blau-Weißen schon in den ersten 45 Minuten an, warum sie in dieses Endspiel gekommen waren. Tolle tankte sich stark durch und bediente Marc Burdack, der noch das Auge für den freistehenden Steffen Linsdorf hatte. Der Routinier netzte zum 2:4 ein (37.).

Doppelter Lattenkracher

Weil die Atzendorfer nur fünf Minuten später Glück beim doppelten Lattenkracher von Horner hatten, ging es mit einem Resultat in die Kabinen, das die ZLG noch hoffen ließ. Doch nach dem Wiederanpfiff spielte wieder nur Alsleben. Erneut war Horner an Maier vorbei, der ZLG-Mann bekam den Goalgetter der Rot-Weißen nur schwer in den Griff, und bediente Sven Rockmann, der jedoch an Torwart Sascha Eisenträger scheiterte (47.). Eine Minute später war Vitezslav Brozik frei durch, wurde aber in letzter Sekunde gestoppt. Das 5:2 (49.) durch Oliver Lorenz, nach erneut guter Vorarbeit von „Hörnchen“, hatte sich mehr als angedeutet.

„Danach haben wir uns aber nochmal aufgerappelt“, lobte Weile. „Wir haben in der zweiten Hälfte eine willensstarke Leistung gezeigt.“ Tatsächlich ruhte sich der FSV in der Folge etwas zu sehr auf seinem Vorsprung aus. Die ZLG wurde zunehmend besser und hatte durch Kai Hänsch eine Großchance. Der Stürmer scheiterte jedoch frei vor dem Torwart (55.). Fünf Minuten später wurde Tolle, der Aktivposten der ZLG, an der Strafraumkante von den Beinen geholt. Unter Protest der Atzendorfer entschied der Unparteiische jedoch nur auf Freistoß.

Tolle gibt "120 Prozent"

Doch auch dieser führte zum Erfolg. Der Schlenzer von Stefan Rock landete zwar in der Mauer, Tolle setzte aber nach und köpfte die Kugel mit aller Willenskraft zum 3:5 ein. Der Stürmer stieg höher als alle FSV-Verteidiger und belohnte sich mit dem Treffer. „Ich wollte es unbedingt und habe 120 Prozent gegeben“, sagte der Stürmer selbst.

Auch an der folgenden heiklen Situation war er beteiligt, als FSV-Torwart Tobias Krzmarek einen Rückpass seines Verteidigers aufnahm. Den indirekten Freistoß schoss Rock jedoch in die Mauer. Es entwickelte sich ein packendes Finale, in dem spätestens nach dem 4:5 (79.) durch Tolle, der damit seinen Dreierpack schnürte, wieder alles offen war.

Doch auch wenn noch Chancen da waren, der Ausgleich wollte der ZLG nicht mehr gelingen. Stattdessen setzte der eingewechselte Sascha Dienel mit dem zehnten Tor des Tages den Schlusspunkt zum 6:4 für die Rot-Weißen. „Wir haben uns im richtigen Moment gefangen“, so Reckrühm. Auch sein Gegenüber musste feststellen: „Alsleben hat verdient gewonnen.“ Doch für die Atzendorfer ist es schon „eine gute Sache“ in dieses Endspiel gekommen zu sein. „Wir müssen nicht so sehr enttäuscht sein“, so Weile. Von den Zuschauern war das nach diesem Spektakel sicher niemand.

Atzendorf: Eisenträger - Maier, Tupy, Faatz (50. M. Gehrke), Linsdorf, Hranicka, Hänsch (72. Halfpap), Sura (40. Nöpel), S. Rock, Tolle, Burdack

Alsleben: Krzmarek - Pilz, Leschinger, Naumann (69. Dienel), Lichtenfeld, Horner, Brozik, Rockmann, Lorenz (90. Kohlberg), Machacek, Schön

Tore: 1:0 Sebastian Horner (8.), 2:0, 3:0 Alexander Naumann (11., 18.), 3:1 Sebastian Tolle (20.), 4:1 Alexander Naumann (29.), 4:2 Steffen Linsdorf (37.), 5:2 Oliver Lorenz (52.), 5:3, 5:4 Sebastian Tolle (59., 79.), 6:4 Sascha Dienel (86.), SR: Marcel Kautz (Traktor Brumby), ZS: 196