Wolmirsleben l Fortuna ist manchmal wahrlich kein Freund. Dem Tüchtigen steht sie im Weg, bereitet Kummer und erzeugt Stirnfalten. Weise ist, wer sich über das fehlende Glück nicht lange grämt und lieber auf das zurückschaut, was er sportlich erreicht hat. Denn das kann ja beeinflusst werden; Fortuna nicht oder nur kaum. Und so zieht auch Bernhard Knoll, sportlicher Leiter bei der ZLG Atzendorf aus der Landesklasse, trotz des Ausscheidens in der 1. Runde des Sparkassen-Cups beim Salzlandligisten SV Wolmirsleben am Sonnabend, ein gar nicht so negatives Fazit. Die 5:7-Pleite nach Elfmeterschießen war ärgerlich. „Aber das ist nur der Sparkassen-Cup“, sagte Knoll. Für ihn war es nur ein Vorbereitungsspiel.

Und aus diesem zieht er viele positive Aspekte. „Es war ein ordentliches Spiel. Ich mache der Mannschaft keinen Vorwurf“, so Knoll. Ihn freute vor allem der spielerische Quantensprung. Die Art und Weise, wie zwei der drei Tore gefallen sind, war neu. Statt langer Bälle gab es tatsächlich durchdachte Ballstafetten bis in den Strafraum. Beim 1:0 marschierte Marcel Schmidt, der das erste Spiel seit seinem Kreuzbandriss im Dezember 2017 absolviert hatte, über die rechte Seite, passte scharf nach innen, wo Steffen Linsdorf ein dankbarer Abnehmer war (22.). „Wir hatten den Gegner total im Griff“, meinte Knoll. Dem Außenseiter gelang trotzdem vor der Pause das 1:1, weil Stefan Rock bei einem zu kurzen Rückpass wegrutschte und Julien Karasch diese Gelegenheit clever nutzte (43.).

Nach einem Foul an Kai Hänsch markierte Linsdorf per Strafstoß seinen zweiten Treffer (55.), dem dritten Tor ging wieder ein gut herausgespielter Angriff zuvor. Diesmal setzte sich Philipp Horn auf der linken Seite durch, Chris Güttel ging in der Mitte mit Tempo durch und erzielte das 3:1 (64.). Auch danach bestimmte Atzendorf noch eine Viertelstunde das Spiel. Dann kam der Gastgeber durch zwei Geschenke der Atzendorfer zurück ins Spiel. Patrick Anhalt traf per Kunstschuss nach einem langen Ball, den die ZLG nicht verhindert hatte (86.), beim 3:3 rutschte Atzendorfs Torwart Dave Nöpel der Ball durch die Arme (89.). „Das war ein krasser Fehler“, wie Knoll sagte. David Barbe traf zum umjubelten Ausgleich für den Salzlandligisten.

Also ging es ins Elfmeterschießen. Dort trafen für den Landesklassisten nur Kay Faatz und Robert Stange. Für Wolmirsleben netzten Karasch, Barbe, Sascha Diege und Steven Mack ein. Knoll aber haderte mit dem Schiedsrichter. „Den ersten Elfmeter hatte Nöpel gehalten. Der Schiri pfiff es aber ab, weil er sich zu früh bewegt hat. So etwas wird nicht mal bei der WM gepfiffen. Da wurde das Elfmeterschießen gestört. Wir müssen Dave Nöpel jetzt wieder aufbauen, er nimmt das alles auf seine Kappe.“

Am Ende war es eine „vermeidbare aber erklärbare Pleite“ für Atzendorf. In nur zehn Minuten hatte die ZLG das Spiel weggeworfen. „Wir haben am Ende der Partie das Fußballspielen eingestellt. Darüber müssen wir reden“, so Knoll. Für ihn überwogen aber die positiven Erkenntnisse. Dem sportlichen Leiter ist zum Beispiel „im Sturm nicht bange. Sebastian Tolle kann ersetzt werden. Chris Güttel hat ein sehr gutes Spiel gemacht“. Auch die Dreierkette in der Abwehr in der 1. Halbzeit hat funktioniert. Dazu überzeugten die Neuzugänge Güttel und Horn. Nicht nur wegen der ansehnlichen Co-Produktion beim Tor zum 3:1. „Auch Timo Schäfer hat seine Sache im rechten Mittelfeld ordentlich gemacht.“ Der erste Aufgalopp nach nur einer Trainingseinheit war gelungen. Das unglückliche Ausscheiden war nur ein blöder Fleck im ansehnlichen Gesamtbild.

Wolmirsleben: Paternoga - Barbe, Salzmann, Schmidt, Anhalt, Hinze (46. Mack), Rodriguez-Gomez (46. Holle), Karasch, Diege, Müller (87. Kutz), Wullstein (62. Frost)

Atzendorf: Nöpel - Schmidt (62. Maier), Stange, Horn, Eisenträger, Faatz, Linsdorf, Schäfer (67. Ma. Gehrke), Hänsch (75. Rübsam), S. Rock, Güttel

Tore: 0:1 Steffen Linsdorf (22.), 1:1 Julien Karasch (43.), 1:2 Steffen Linsdorf (55.), 1:3 Chris Güttel (64.), 2:3 Patrick Anhalt (86.), 3:3 David Barbe (89.); SR: Rittweger (Eggersd.), ZS: 83