Burg l Ausgerechnet eine Rote Karte gegen den BBC war der Knackpunkt im Spiel des SV 09. Dieser musste sich trotz numerischer Überzahl am Ende 0:2 (0:0) beim Ligakontrahenten geschlagen geben. In ihrer eigentlichen Bedeutung soll die Rote Karte im Fußball als letztes Mittel dafür sorgen, dass zwischen zwei Teams wieder Fairplay herrscht, wenn der Sport im wahrsten Wortsinn mit Füßen getreten wurde. Nun ließ sich am Sonnabend in der 1. Runde des Landespokals trefflich darüber streiten, ob das gestreckte Bein von Andreas Lenz zwingend einen Feldverweis nach sich ziehen musste. Schiedsrichter Marco Uhlmann (Welsleben) sah es jedenfalls so und schickte den Mittelfeldmann des Burger BC 08 nach einer Stunde vorzeitig zum Duschen. Doch der eigentliche Nachteil daraus entstand nicht den Gastgebern, sondern dem SV 09 Staßfurt. Dieser zog im Duell der beiden Landesligisten mit 0:2 (0:0) den Kürzeren, „weil wir uns in Überzahl und mit unserem Chancenplus zu sicher gefühlt haben. Letztlich war die gegnerische Rote Karte unser Genickbruch“, bekannte 09-Coach Jens Liensdorf.

Neben der psychologischen Wirkung hatte die Schlüsselszene aber auch Folgen für die Statik des Burger Spiels. Hannes Schock rückte als einer von zwei Sechsern im zentralen Mittelfeld zurück in die Abwehrzentrale. So beseitigten die Burger das „Mismatch“ von Tom Saager gegen den wuchtigen Benjamin Kollmann, der nach seiner Hereinnahme zur Pause für viel Belebung im 09-Sturm gesorgt hatte. Stattdessen hielt Saager Carsten Madaus auf der rechten Außenbahn den Rücken frei und Letzterer bereitete mit einer Maßflanke, die Erik Teege in der 76. Minute nur noch einköpfen musste, die richtungsweisende 1:0-Führung vor. Bei alledem vergaß BBC-Trainer Marcel Probst aber auch seinen Schlussmann nicht: „Eigentlich hat uns Dominik Schumann das Weiterkommen überhaupt erst ermöglicht.“

Nach 52 Minuten war Kollmann nämlich vor dem Burger Tor aufgetaucht, scheiterte aber am Blitzreflex des Keepers. Kurz darauf hatte Maximilian Moye die große Gelegenheit, die Gäste in Führung zu schießen, brachte es aus zwei Metern Torentfernung aber fertig, den Ball über das Gehäuse zu befördern (58.). Es folgte der Wendepunkt durch den Platzverweis gegen Lenz, der dem Staßfurter Chris Matthias Horstmann in die Parade gefahren war. Probst stellte fest: „Bis dahin waren wir nicht mutig genug. In den letzten Spielen der Testphase waren wir viel präsenter. Ich muss mir noch mal das Video anschauen, um zu sehen, wieso wir dann den Schalter gefunden haben.“

Aufs Bewegtbild musste Trainerkollege Liensdorf bei der Auswertung, warum der eigene Schlachtplan fehlschlug, gar nicht setzen: „Wir wollten die doch etwas ältere Burger Abwehr in Bewegung bringen, das ist uns auch gut gelungen. Aber wir scheitern am eigenen Unvermögen und einem glänzenden Torhüter.“ Im Schlussgang machten die Gäste natürlich in der Abwehr auf, Teege nutzte den Platz und sagte nach Vorarbeit von Christopher Schmidt ein zweites Mal „Danke“ (84.). Kurios: Schon in der vergangenen Spielzeit hatte der BBC-Stürmer seine einzigen beiden Saisontreffer gegen die Staßfurter erzielt. Und auch insgesamt muss man langsam von einem Trauma ausgehen, wenn es gegen den BBC geht: „Offenbar können, wollen und dürfen wir nicht gegen Burg gewinnen. Da darf man ruhig von unserem Angstgegner sprechen“, so Liensdorf.

Burg: Schumann – Ch. Madaus, Saager, Rißling, Schock, Lenz, Ca. Madaus, Friedrich (46. Hähre), Walter, Teege (87. Eggert), Schmidt (90. Helbig)

Staßfurt: Witte – Nagel, Stachowski, Oehme (46. Kollmann), Moye, Müller, Jesse, Horstmann (67. Witte), Lieder, Siegel (81. Abram), Härtl

Tore: 1:0, 2:0 Erik Teege (76., 84.); SR: Marco Uhlmann (Welsleben), Sebastian Graßhoff, Felix Boin; ZS: 87; Rot: Andreas Lenz (60., Foulspiel) -Burg