Schönebeck l Ganz ruhig war es in der Franz-Vollbring-Halle in Schönebeck am Dienstag Abend. Und so konnten die wenigen Zuschauer im Testspiel zwischen Lok Schönebeck aus der Sachsen-Anhalt-Liga und dem Oberligisten HV Rot-Weiss Staßfurt ohne große Anstrengungen nicht nur sehen, sondern auch hören, dass Uwe Werkmeister wirklich unzufrieden war. Immer wieder gestikulierte der Trainer wild, zeigte auf verschiedene Gesichter und sagte dann Sachen wie: „Da musst du hingehen. Los jetzt.“

Die Staßfurter gewannen am Ende das Testspiel gegen die Schönebecker über dreimal 20 Minuten zwar mit 35:28. Das las sich aber nur auf dem Papier souverän. Erst am Ende der Partie zogen die eine Liga höher spielenden Bodestädter davon. Davor war es auch zum Erstaunen der rund zwei Dutzend Zuschauer lange ein Duell auf Augenhöhe. Was Werkmeister freilich ärgerte. So lagen die Gäste nach Treffern der Schönebecker Kevin Krause (0:2, 2. Minute), Marvin Ernst (1:3, 4.) oder erneut Krause (4:6, 13.) zu Beginn der Partie permanent knapp im Rückstand.

Was auffiel: Die Schönebecker, die in der vergangenen Saison mit beeindruckendem Tempospiel durch die Verbandsliga zum Aufstieg in die Sachsen-Anhalt-Liga gestürmt waren, konnten dieses Spiel auch gegen die Staßfurter gut durchziehen. Was weniger an Schönebeck, sondern viel mehr am HV Rot-Weiss lag. „Mit der Abwehr-Arbeit kann ich nicht zufrieden sein“, klagte Werkmeister nach dem Spiel. „Die Verbissenheit und Galligkeit, die uns in der vergangenen Saison ausgezeichnet hat, hat mir noch gefehlt.“ So gab es viele Stellungsfehler, mangelnde Absprachen aber auch recht simple Passfehler, die immer wieder zu einfachen Gegenstößen und Toren führten.

Mit 11:11 wurde das erste Drittel abgepfiffen. Und nach der kurzen Pause lief es scheinbar besser. Die Abwehr der Staßfurter wurde aggressiver, die Schönebecker fingen an zu lamentieren. Ein sicheres Zeichen dafür, dass die Rot-Weissen besser ins Spiel gefunden hatten. Die Lok tat sich schwer, Lücken zu finden und Staßfurt kam selbst zu einfachen Toren. Über die Stationen 14:11 (Toni Fanselow, 23.), 17:12 (Tobias Ortmann, 26.) und 20:13 (Oliver Jacobi, 31.) erarbeitete sich Staßfurt ein zwischenzeitlich beruhigendes Polster.

Schöne zeigt seine Qualitäten

Was Werkmeister seinen Spielern in den Pausen mitgegeben hatte? „Sie sollten konsequenter und bewusster verschieben.“ Als die Gäste dies taten, lief es gut, auch weil es im Angriff „phasenweise besser lief“, wie Werkmeister sagte. „Wir wollten breit kreuzen und tief stoßen.“ Besonders Marvin Frank und Oliver Jacobi zeigten sich gut in Form. Auch Neuzugang Christian Schöne zeigte im Angriff, wie wertvoll er für die Staßfurter werden könnte. „Er ist eine unglaubliche Bereicherung“, lobte Werkmeister. „Er hat einen schönen Armzug, ist läuferisch stark, spielintelligent und ballsicher. Dadurch haben wir ein bis zwei taktische Möglichkeiten mehr.“ Linkshänder Schöne, der von Liga-Konkurrent HG 85 Köthen an die Bode gewechselt war, brachte dann auch mit seinen Aktionen in Phasen der Unsicherheit mehrmals Ordnung ins Spiel zurück. „Er ist ein kleiner Ruhepol“, sagte Werkmeister.

Doch auch Schöne konnte nicht verhindern, dass der Schlendrian wieder ins Staßfurter Spiel einzog. Beim 24:23 durch den Schönebecker Mario Meißner war der Gastgeber wieder auf ein Tor herangekommen (46.). Die Unkonzentriertheiten waren zurückgekehrt. „Abwehr ist Kopfarbeit“, so Werkmeister. In manchen Phasen der Partie war der Oberligist also mit den Gedanken nicht ganz im Spiel.

Entscheidung in letzten 15 Minuten

Am Ende ging der Test doch noch glimpflich aus für Rot-Weiss, weil die Staßfurter in der letzten Viertelstunde die auftretenden Abwehrfehler der Schönebecker konsequenter mit Tempogegenstößen bestraften. Marian Spadt allein schraubte mit drei Treffern in Folge innerhalb von zwei Minuten das Zwischenresultat von 29:26 auf ein 32:26 (56.).

Trotzdem blieb ein fader Beigeschmack nach dem Spiel. Natürlich hatte Werkmeister auch viel probiert. Weil unter anderem Niclas Kaiser, Maurice Wilke und Andreas Steinbrink fehlten, hatte der Coach Nils Hähnel und überraschend auch Tobias Ortmann wieder ein Spielertrikot überstreifen lassen. Beide fügten sich im Test mit Treffern in die Mannschaft ein. Aber auch auf den Positionen wurde viel gewechselt. Die Unruhe war spürbar, obwohl es in den Übungseinheiten eigentlich gut läuft. „Die Spieler trainieren super, sind ehrgeizig, aber in den Spielen konnten wir das leider noch nicht abrufen“, meinte Werkmeister.

Aber noch muss ja keine Panik ausbrechen. Erst am 9. September, also in knapp einem Monat, starten die Staßfurter mit einem Heimspiel gegen Erzrivale HG 85 Köthen in die neue Saison. Es bleiben noch etwas mehr als vier Wochen für den letzten Feinschliff auf der Zielgeraden der Vorbereitungsphase. Am Sonntag testet Rot-Weiss nach dem Trainingslager in Schierke beim Drittligisten Bernburg. Danach steht noch ein Turnier in Biederitz (19. August) und ein Testspiel zu Hause gegen den USV Halle an (24. August).