Staßfurt l Es ist kaum zählbar. Er weiß es selbst nicht so genau. Zu viele brisante Duelle stehen in der eindrucksvollen Vita des Sven Liesegang. „Ich habe als Trainer und Spieler schon so viele Derbys miterlebt, da ist immer eine gewisse Anspannung vorhanden“, berichtet Liesegang, der seit dem November Trainer beim HV Rot-Weiss Staßfurt ist. In der Mitteldeutschen Oberliga steht am morgigen Feiertag eines der wichtigsten Spiele des Jahres an. Um 19  Uhr gastiert der HC Aschersleben in der altehrwürdigen Merkewitz-Halle.

Und beim Neucoach? Jucken die Fingerspitzen? Sicher nicht so sehr wie bei seinen Schützlingen, die seit Tagen die mannschaftsinterne WhatsApp-Gruppe mit Nachrichten „bombardieren“. Aber der Champions League Sieger weiß: „Spätestens kurz vor dem Spiel wird sicher auch bei mir der Puls steigen.“ Zumal es auch das erste Spiel sein wird, bei dem er in der Merkewitz-Halle an der Linie stehen wird. Und was könnte er sich für sein Heimdebüt für ein besseres Spiel wünschen?

Spiel? – Moment mal. Da muss Liesegang mit einem altbekannten Spruch intervenieren. „Ein Derby ist kein normales Spiel.“ Der Coach weiß genau, dass die Tabellen- und Punkteverhältnisse vor diesem Derby keine Rolle spielen. Auch wenn er ebenso weiß, dass beide Teams im Abstiegskampf stecken und die zwei Punkte dringend benötigt werden. Wie im Vorjahr. Wie schon so oft.

Taktische Kniffe und geballte Erfahrung

„Die Mannschaften kennen sich aus dem Effeff, wissen genau um die Stärken der Gegenseite“, so Liesegang. Klar haben die Staßfurter wieder einmal ein paar taktische Kniffe, die den Unterschied ausmachen können. Klar gibt es kaum eine erfahrenere Mannschaft in der Oberliga als den HCA. „Sie spielen schon gefühlte 15 Jahre in dieser Besetzung zusammen“, übertreibt Liesegang, um zu veranschaulichen, was die Ascherslebener Stärke ist.

Doch wird das alles eine Rolle spielen? Nur bedingt. In so einem Derby kommt es auf andere Faktoren an. „Es hat viel mit dem Kopf zu tun. Und natürlich auch mit Emotionen. Diese müssen wir aber auch unter Kontrolle haben“, fordert Liesegang. Die Staßfurter dürfen sich laut dem Coach nicht von Entscheidungen des Schiedsrichters aus der Ruhe bringen lassen. Sie müssen motiviert sein bis in die Haarspitzen. Doch da macht sich Liesegang keine Sorgen.

Vor so einem Derby spielt es dann auch kaum eine Rolle, dass in den vergangenen Trainingswochen das Motto nur „Fitness erhalten“ lauten konnte. Taktische Fortschritte? Schwierig. Dafür gab es zu viele kranke und verletzte Spieler. Doch wie sieht es vor dem großen Derby aus? Da können die Rot-Weissen durchaus aufatmen. Vor allem in der Aufbaureihe sieht es entspannter aus. Während beim starken 22:22-Remis in Dresden nur zwei Rückraumspieler zur Verfügung standen, sind es gegen Aschersleben wieder ein paar Akteure mehr.

Tiganasu kehrt zurück

Nur hinter Alexander Ernst und Maurice Wilke steht jeweils berufsbedingt noch ein Fragezeichen. Vor allem die Rückkehr des lange gesperrten Cosmin Tiganasu könnte von entscheidender Natur sein. Liesegang weiß: „Er ist ein spezieller Typ und braucht seine Freiheiten auf dem Feld.“ Gleichzeitig steht für den Coach aber auch fest: „Seine handballerischen Qualitäten stehen außer Frage. Er ist einer der Besten im Kader. Er kann eine Mannschaft mitziehen. Wenn er seine Leistung aus dem Training abruft, kann er eine große Verstärkung sein.“

So oder so wird er die Variabilität der Staßfurter erhöhen. Und gerade weil sich die Teams aus dem Effeff kennen, wird das entscheidend sein. Der Rumäne kann ein entscheidender Faktor sein. Jeder andere könnte das genauso. Das ist vor so einem Derby schwer zu sagen. Es ist eben alles, aber kein normales Spiel.